Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1887)
- Date
- 1887-01-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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« 4 91 hatte ihre entschieden untersagt, sich mit dem.ftinbc in derartige Diskussionen einzulaffcn; der echte Glmilre könne nicht gelehrt, der müsse ancrzogcn werden und sic hoffe das Beste von einem langjährigen Aufenthalt im Kloster. Bon Zeit zu Zeit erschien die Gräfin Walewska, nch persönlich nach ihrem Paihcukindc zu erkundigen, und jedesmal beschenkte ne die von allen Leiten Belobte reichlichst, und Marina war nie glücklicher, als wenn sic die Znckervülcu und ähnliche kleine Geschenke mit ihren Gespielen thcilcn konnte. Nach ihrem Vater erkundigte sie sich tagtäglich, aber sic verlangte nicht mehr, daß er kommen solle, um sic abzuholcn. Nach einiger Zeit hielt die Gräfin cs jedoch gcrathcn, derKleinen mittheilen zu lassen, das; ihr Barer gestorben. Äarina weinte bitterlich, mehrere Tage hindurch war sic untröstlich, wcigci re sich Nahrung zu nehmen und verbrachte die Nächte schlaflos, so das: die Klostcrschwcstcrn mit Ncchl für ihre Gesundheit fürchteten. Doch die Priorin wußte ihr so freundlich zirznr cdcn^ daß sie sich freuen müsse, daß ihr Vater nun keine Lchmerzeu mehr habe, und daß er mir ihrer lieben Mutter zusammen bei dem lieben Gott sich befinde, daß die Thräncn des lindes allmählich versiegten. 4. Kapitel. Wenden wir uns nun um einige Monate zurück, zu drr Zeit des Beginnens unserer Erzählung. Wir befinden uns in der Wohnung Hob- Dcrtelbaums, des Vaters jener kleinen Gorivcrtilin, die wir in dem .... Kloster verlassen. 2öb Teitclbaum war ein braver, fleißiger Mann, feines Zeichens ein Lchloffcr. Lo lange er gesund war, Hane er sich und die Leinen anständig ernährt. Doch seit bereits vier Monatctt lag er schwer krank darnieder, batte während dieser langen Zeit picht einen Kreuzer verdienen können und seine geringen Gr'parniyc Hane die langwierige Krankheit längst verschlungen. Dennoch hatte die Familie nie Mangel gelitten; die verschiedenen WoklihätigkeitSvrreine der großen, jüdischen Gemeinde hatten sie reichlich rinrerstüpl und auch Einzelne hatten sich der Unglücklichen hilfreich angenommen. Es rvor noch ziemlich früh am Morgen: der Kranke schlummerte noch, während seine Frau in dem kleinen, ärmlich möblirrcu Ltübchen ausräumte. Hin und wieder warf sie einen scheuen Blick znni Verte hin und wie erleichtert atlimcrc sic jedes Mal auf, wenn sie sich überzeugt halte, daß der Kranke die Augen noch geschlossen hielt. Endlich regte er sich, sie war sofort an seinem Bette.; „Guten Morgen! wie geht es Dir? Mir scheint. Tu hast gut geschlafen." | Mit matter Stimme erwiderte er ihren Gruß. ] „Mir gehl cs heule besser — Gottlob, aber — fein Blick durchstreifte suchend das Zimmer, „wo ist das Kindk" „Draußcn in der Küche,- entgegncte sie, ohne seinem Blicke zu begegnen, „sie trinkt ihren Kaffee- „Warum thut sic daS draußen?" fragte er, die Stirne in Fallen zeigend, „Du hast^doch hier im Zimmer den Kässee gekocht — da ist es kalt in der Küche — ich bitte Dich, rufe das Kind herein." Gr hatte mit sichtlicher Anstrengung gesprochen, sein flehender Blick suchte dem feiner Frau zu begegnen: er fürchtete, sie habe das Kind wieder einmal mißhandelt. Sie erriech seine Gedanke». „Du sorgst beständig, ich möchte sie schlagen und darum willst Tn beständig, daß sie hier bei Dir sein soll in der dumpfigen Stube, wo die Lust so schlecht ist, daß sie mich selber krank machen kann, Gon behüte! Aber ich schwöre Dir zu, ich habe das Kind nicht angerührt. Ich bin dem Kind ja gut, wenn ich es auch dann und wann schlage, wenn sic's verdient, aber das Ihne ich auch nur, weil ich ihr gut bin. Aber, daß ich zugcben so!', daß sie immer und immer hier bei Dir sein sott, das darf ich nicht. — Wie gesagt, 's ist hier zu dunstig, das kann so'n kleines Kind nicht ertragen." Gr schüttelte zweifelnd das müde Haupt; diese ängstliche Fürsorge seiner Frau für sein Kind war ihm zu neu, als daß sie ihn nicht mit Mißtrauen hätte erfüllen sollen, und überdies mied sie cs beharrlich, seinem Blicke zu begegnen. Gr hielt sich überzeugt, daß sic die Kleine wieder einmal arg mißhandelt. „Ich bitte Dich," flehte er, „hol' sie mir herein, die Ross." „Mir scheint. Du trauest mir nicht." sagte sie gezwungen lachend, „aber so wahr ich lebe, ich habe das Kind nicht angcrühn. Glaubst Du mir jetzt?" „Hast Tu sie auch nicht gestoßen?" fragte er zögernd. „Nicht gestoßen und nicht geschlagen und gar nichts. Nun aber sei vernünftig und plage mich nicht länger. Willst Tu frühstücken? soll ich Dir den Kaffee hergcbcn?" ' „Wenn Du mir zuerst Wasser geben möchtest — daß ich mich waschen könnte — und dann möchte ich beten — schon so lange habe ich nicht Tcfillin > gelegt —"