Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1887)
- Date
- 1887-01-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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- Herat 1× ep/1047496
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buk, lebenden Glaubensgenossen beschäftigen werde — will ich hier nur in Kürze bemerken, daß die Physiognomie dieses Volkes ihnen volle Berechtigung für ihre kühne Behauptung gewährt, so wie cs auch höchst wahrscheinlich ist, daß zahlreiche Familien der nach Medien vertriebenen jüdischen Stämme sich hier mir der übrigen Bevölkerung vermengt haben, von denen dann einige Stämme der Afghanen hcrvorgcgangcn sind. Ich will heute bloS erzählen, das; in unserer Stadt zwei adelige, mohamedanischc Familien cxisiiren, die ihren Stammbaum bis auf den jüdischen König Zaol (Saul) zmückführcn. und dürfen sie daher auch ihrem Namen den persischen Titel „Mirza (Prinz)" oder den arabischen „Ibn El-Mclik" ansügcn. Es ist auch schon ein alter Brauch in diesen beiden Familien, daß eines ihrer männlichen Mitglieder stets den Namen Saul führt, zur Erinnerung an ihren angeblichen großen Ahn, der Israels Krone auf seinem Haupte getragen hat. Beide Familien erzählen auch, das; ihre Voreltern die Stadt Hcrat sammt ihrem Gebiete vom Könige Tiglath-Pilasser zum Lehen erhalten haben und hätten sie dann mehrere hundert erklirre jüdische Familien nach unserer Stadt verpflanzt, wo einige Jahrhunderte hindurch eine An jüdisches Vicckönigrcich cxistirtc. Die Töchter dieser jüdischen Verbannten, wurden ihrer außerordentlichen Schönheit wegen von den Söhnen der benachbarten Stämme in die Ehe begehrt, wodurch cs kam, daß die jüdische Bevölkerung hier nach und nach unter den übrigen LandcSbemohnern ausging. Als später der Islam bis nach Hcrat vordrang, fand er hier, was übriges auch historisch erwiesen ist, bei der Bevölkerung rasch Eingang, da dieselbe, Tank den Bemühungen ihrer jüdischen Mitbürger, schon früher ihren Götzendienst autgcgebcn und dem einig-einzigen Gotte Altäre errichtet hatte. Jede dieser genannten beiden Familien besitzt hier ihren eigenen Palast oder Stammhaus, und geben sie diesen Gebäuden ein Alter von mehreren Jahrhunderten. Tie Mitglieder beider Familien sind noch heute große Indenfrcundc, so wie sic auch ihres großen Wohlthätigkcitssinncs ungemein geschätzt sind. Dieseden geben noch heute von ihren Getreide- und Fruchternten , ebenso auch von der eingeheimstcn Wolle ihrer großen Lchafhcerdcn, einen Thcil den Armen, was ungemein an da? biblische Maaffcr (Zehnt) erinnert, dann setzen sie auch ihren Töchtern, da dieselben doch Prinzessinnen sind, an ihrem Hochzeitstage, goldene .Kronen aufs Haupt und schließlich halten sie den Freitag, den Ruhetag der Mohamcdaner, ungemein heilig und nennen sie ihn nicht, wie diese Jom El-Tschuma (Tag der Bersanunlung) sondern El-Sabt El-Kiids (der heilige Labbat), was nur zu sehr an das hebräische Schadvath Kodcsch erinnert. An diesem Tage darf in ihrem Hanse mit Ausnahme deS Kochens und des Brodbackens keine irgendwie geartete Arbeit verrichtet werden. Es sind dies alles Wahrzeichen, daß beide Familien jüdischer Herkunft sind, und daß sie noch heute manche von ihren Ahnen ererbte Lehre heilig halten. Auch ereignet cs sich sehr oft, daß, wenn irgend ein Mitglied ihrer Familie erkrankt, sie in der Synagoge für dessen Wicdcrgcncsung bete» lassen. Sic haben, lvic sie erzählen von ihren Voreltern die Prophezeiung überliefert erhalten, daß einst ein Abgesandter des jüdischen Königs in Jerusalem in Herat erscheinen und sic cinladcn werde, wieder in das Land ihrer Väter zurückzukchrcn, welcher Einladung sie dann unverzüglich Folge leisten werden. Als der Großvater unseres jetzigen Emirs, Tost Mohamcd Khan, nach seiner Thronbesteigung hichcr nach Hcrat kam, nm sich auch von den Notablen und Stammeshäuptlingen unserer Stadt huldigen zu lassen, da erschienen auch die Lberhäuptcr dieser zwei Familien vor ihm und trugen sie ihre Schwerter nicht wie die übrigen Lehnssürsten in der Scheide sondern entblößt in ihrer, rechten Hand. Als der Emir sic nun fragte, wer ihnen dieses Recht cingcräumr habe, da antworteten sie stolz: Wir sind, wie Tn weißt, königlicher Abstammung, und dürfen wir daher unsere Schwerter wie die Fürsten tragen. Dost Mohamcd verlieh dann beiden Fürsten als Zeichen ihrer königlichen Abstammung goldene Ketten, die deren Enkel noch heute auf ihrer Brust tragen. Feuilleton. tzine jüdische Forschungsreise in Arabien.*) (Fortsetzung.) Nachdem die Karawane sich hier mit frischem - Wasser und etwas Gemüse versehen hatte, setzte sie ihre Reise wieder; fort. Ter Weg sühne nun nach Asmich, einem uralten arabischen Städtchen, das ungefähr 2000 Einwohner har. Man zog nun an Palmcnhaincn vorüber. In einem solchen Haine, der zu einem nahe davon gelegenen Maierhof oder Weiler gehörte, sahen dieReiscndeu einen Greis um- *) Cirhe Nr. 101 de» vorigen Jahrgauge».