Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1887)
- Date
- 1887-01-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449703--25737-2515508- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
hcrgchcn, bcr nur nur tiiicm Hemde und einem rotte» Tucke auf dem Kopfe bekleidet und eben mit der Bewässerung der Palmbänvre beschäftigt war. Nufere zwei jüdischen Reifenden erkannten irr ihm sogleich einen jüdische» Schuster ans Aswich, Namens Sumi. und sic begrüßten ihn daher mit den Worten: .^aatlcnm mudarnlc.it (Möge friere Stunde eine gesegnete sein!), woraus ihnen der Gcgcngrnst cntgcgcntöntc: Jaumkmn muborak. (Möge (yiicr Tag ein gesegneter sein!) Snmi kam auch sogleich selbst herbei, um den zwei Reisenden die Hand zu drücken und ihnen auch einige saftige Früchte aus seinem Gauen auf den Weg milzngcbcn. Er wies auf die große Hitze bin, die ihn zwinge, blos mit einem Hcmde bekleidet umherzugcheu und konnten die beiden Reifenden jetzt wahrnchmen, das; er über feinem sck.nccwcistcn Hemde auch ein eben solches Arba Kanfoih (Gcbctmäntclchcu) mit vier laugen Ziziolh (Lckaufädcn) daran, trug. Lid (Herr) Snmi drückte dann die zwei vorderen Ziziolh an seine. Augen, woraus er sic küßte und dabei zugleich Len zwei Reisenden die crjro rrnr «Pi icsterscgcn) nachricf. Vor denr (Eingänge zum Städtchen Asmich erwartete ein Polizcimaun die Karawane, der sic ansiordcrte. sich auf einer nahen Wiele zu lagern, dadas Han (Einkchrhaus) in dem Städtchen schon von einer andern Karawane, die in entgegengesetzter Richtung, von der Wüste hcrkam, besetzt sei. Tic Karawane schwenkte daher von der Ltrage ab und lagerte sich abseits davon auf der Wiese, wo sic auch die erforderlichen Zelte ausschlng. Nun kanrcn Mädchen und Frauen ans dem nahen Städtchen herbei, nm an die Reisenden Milch, Aschcukuchen (Odschar auch Oggal genannt, zusammenhängend mit dem hebräisch r'-'rß Tattelu, Früchte, Hühner rc. zu verkaufen. Unter diesen Vcrkanferiunkn befanden sich auch zwei von der Sonnenhitze gebräunte Indcumädchcn, deren ganze Toilette nur in einem blauen Hemde bestand, das bis auf die .Knöchel hrnabrciÄte. Ter Kopf war ebenso undcdcckl wie die Füge, und auch der übliche Gcsiäusfchleicr fehlte. Dagegen trugen sic eine Art Maske aus gelbem Papier, die brs zu dem Munde reichte. Himer den beiden Mädchen, die übrigens Schwestern waren, schritt ein älterer Brüder von ihnen mir einem langen Romach (ra-i, Spieß) in der rechten Hand, feine Aufgabe war cs, feine beiden Schwestern vor den Irr lullen der kicksenden zu schützen. Derselbe trug gleichfalls ein Arba Kansorü über seinem Hemde nud so konnte man in ihui sogleich den Juden erkennen Tie beiden Mädchen doren eine Art Palmcnbrod zum Verkaufe au, das reißen- . den Absatz fand. Tie zwei jüdischen Reisenden begaben sich dann mir dem genannten jungen Manne in das Städtchen, um den dortigen kleinen Bazar zu besuchen. Sie sanden daselbst mehrere jüdische GcsÄäftsläde», die zun,eist Goldarbeiten,, Waffenschmieden und Schustern gehörten. Es wurde ihnen hier mitgcthcilt, daß die wenigen in Asmich lebenden Juden meistens dem Handwerkerstände angcbörcn und haben sie säst durchwegs neben ihrem Hanse zugleich einen großen Obstgarten, in dem sie auch verschiedene Geinüscanci, ziehen. In einem solchen Obstgarten befindet sich auch die kleine Zalat (Synagoge) der Gemeinde, die indcß blos aus vier Bretterwänden mit einem Tache aus Palmblättern besieht. In diesem Gorrcshause wird jedoch nur während des Tages gebetet, während die Abendandacht, selbst an den hohen Feiertagen, in der benachbarten Behausung eines Waffenschmiedes, der zugleich auch als Hasan sungirt, verrichtet wird. Tic Gebetbücher der Gcureindc foninien aus Äon* stantinopcl oder Livorno. Mil Morgcnanbruch verliest die Karawane Asmich und schlug nun die Richtung nach dem Süden ein. Es ging jetzt nach dem Torfe Wab, in dem jedoch keine Juden wohnen. Tic .Karawane traf Borminag in dem Torfe ein, und da cs gerade Freitag, der >nit der Mohanredancr war. so beschloß sie, e.n:ge Stunden hier zu rasten, damit ihre moslimischcn Mitglieder ihre Andacht verrichten können. Am Nachmittage sollte dann die Reise unverzüglich fortgesetzt werden, damit man noch vor Sonnenmrlcrgang das Städtchen Lin Er-Rabiah. wo sich ein großes Hau und ein großer Bazar befinden, erreiche. Tic beiden schon genannten Schcrise begaben sich nun in die armselige Moschee des Torfes, wo sie mit großen Ebrcn empfangen wurden, während ihre anderen Reisegefährten ihre Geberreppiche auf dem freien Marktplätze ansdreimcn, auf denselben dann niederfmcicn und ihre Andacht verrichteten. Vorher, hatten sie noch bei einem öffentlichen Brunnen, bei dem die Tonbcwohuer gewöhnlich ihre Pferde tränken, die vom Koran vorgcschriebenen Waschungen an sich vorgenommen. Als die beiden Schcrise die Moschee verließen, kamen die Torfbcwohncr herbeigecilr, küstren den Samn ihrer Kleider und überreichten ihnen' in Körben oder hohlen Kürbissen, Butter, Käle, Obst, Palmbrode und noch andere Lebensmittel in solcher Fülle, daß die beiden Enkel Mohamcd's wirklich in Bcrlcgcrchcit darüber waren» was sie nnt diesen Dingen anfangen sollten. Sie ließen sich dieselben indcß hinaus ins Lager in ihre Zelte bringen. Hier verkauften sie später den grösttcu Theil dieser Lebensmittel au ihre Reisegefährten,