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Der Israelit · 1887-01-17 · Heft 5 (17.1.1887) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 5 (17.1.1887)
Date
1887-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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76 Aber Michael Allein hat. nachdem mich meine Genossen vertanen, das bewußtlose Mädchen in meinen Wagen gehoben und mir gedroht, mich für ihren Tod verantwortlich zu machen. Barer, wenn Tn sein Keucht bei dieser Drohung gesehen hättest, würdest Tu cs glauben, daß er mich zu tödten beabsichtigt .... aber das ist nicht meine einzige Angst. Michael Allein kann bei meinem Negimemskomrnandantcn eine Anzeige gegen mich erstarten, je länger ich es bedenke, desto mehr bin ich überzeugt,. daß er es thun wird, dann . . . „Dann bist Tu ein verlorener Mann." ergänzte der Bürgermeister, „fünfzehn dis .zwanzig Jahre Spiclberg sind Dir sicher . . . . oTu ungcrarhcncr, nichrswürdigcr Sohn! Du wirst mein graues Haupt noch mit Schande bedeckt in die Kruft senken! C! Tu schändlicher Lotterbube! — Und, schämst Tu Tich nicht in Deine schwarze Seele hinein? Tu, der Offizier, die Waste an der Seite, und die drei Schelme, die Tu als Helfer gedungen, Ihr laßt Euch von dem einzelnen Manne, dessen einzige Waffe in einem Stocke besteht, wie Hunde sortprügcln!" „Nachdem die Sache eine so ernste Wenduug genommen und einer meiner gedungenen Helfer am Boden lag, ergriffen die beiden Andern die Flucht. Ich stand Michael.stiem allein gegenüber .... ich trug überhaupt keine Unifornl, ich trug unter dem Tragonermamel die K lcidung eines Försters." „Eine lobcnswenhc Vorsicht,* höhnte der Bürgermeister, „aber ich fürchte, Tein umsichtiges Benehmen wird Tich diesmal doch nicht vor infamer .Kassation zu schützen vermögen. Michael 5tlein ist ein kühner, entschlossener Mann, Du hast ihn durch Deine wahnsinnige Leidenschaftlichkeit schwer gereizt. Du hast von ihm Alles zu befürchten!" „Das ist's ja eben! Tu mußt mich von dem Furchtbaren befreien, nmßt mich vor ih,n schürzen, mußt ihn unschädlich machen." „In welcher Weise vermag ich dies?" „Wenn Tu ihn noch im Laufe der Nacht, spätestens am frühen Morgen verhaften läßt, und dafür sorgst, daß er nicht zu Wort kommt. Am Besten wär's, wenn er spurlos verschwände, wenn Tu doS nicht vermagst, daß er rum Tode oder lebenslangen Kerker vcrurtheilt wird." „Mensch! Du bist nicht nur ein Richrswürdiger, sondern auch ein formidabler Tummkopf. Wir leben ja nicht in der Barbarei, ich bin ja nicht der Fürst eines Negcrstaates im Innern Aftika's, der den Ersten, Besten feiner Nnterthonen den Kopf vom Rumpf hcrumersäbcln kann! Einen Menschen im letzten Tcccnnium des achtzehnten Jahrhunderts verschwinden lassen oder zuut Tode verurtheilen! Mensch, wenn Tu nicht betrunken bist, so hast Du vor Angst Temen Verstand verloren! Für waS hältst Tu mich denn? Ich bin Bürgermeister in W. und als solcher auch Ehes der Justizbehörde der Stadt; aber ich prändire dem Kriminalgerichte nur, und kann nichts aus eigener Machtvollkommenheit unternehmen .... Ja, einen Vagabunden, ein gemcinschädliches Individuum kann ich auf die Bank legen und fünfundzwanzig Stockhiebe aufzählen lassen, aber zum Tode verurtheilen . . . „So lass' ihn zu Tode prügeln," heulte der niederträchtige Schurke „Sieht Tir der eingewanderte Jude näher, als Tein einzig Kind, daS durch diesen Menschen in furchtbarster Weise bedroht ist? Willst Tu, ich soll einer Uebereilung willen insanr kassirt werden, in den Zellen des Brunner Spiclbergs verfaulen? Hast Tu den» für Deinen Einzigen kein Fünkchen Erbarmen? Und wenn Tu auch das nicht fühlst. Tu herzloser Vater, so denk' an Tich selbst! Die Schmach, die mich träfe, würde auch Tich mit zerschmetternder Wucht treffen. Glaubst Tu, man ließe den Vater eines Verbrechers aus seinem Posten als Haupt und Richter einer Stadt? Auch Du würdest mit Schimpf und Schande von Deinem Amte gejagt werden und meine arme unschuldige Mutter würde vor Kram und Schmerz sterben." (Fortsetzung folgt.) . .Ttr Jl-rarlir' n»d>tir.i wvchnnlich zweimal» MontagS und TonnerftazS, jrdrsmal in mindrirrns 2 Bogen. Preis d'eS Jahrgangs für Trurfchlaud und Oesterreich 12 Reichs Mark, fürs Ausland 18 Reichs-Mark. Man akonnirt ganzjährig, halbjährig oder virtteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de» Buchhandel ,n benetzen bei f. F. Siriuackrr. trrpng. Dotzplätz 16. — Jufrrare 25 Pfennige die dreigefpaltene Prmzrile oder deren Raum. — Orsterreichifchr Banknoren laut t»ourS. — Tnene Franco;usendung un»r Slreiidand pro Jahrgang für LeuNchland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. öfrerr.. für'L Ausland 18 Reichs-Mark an die Expedition franco rinzusendru. Inhalt (Hanpldlatt): reitender Artikel: Unsrerdlichicit. — Zcimngsnachrichten und tlorrespondenzrn: Deutschland: Lchwa dach. Breslau. — Oen.-Ungar. Monarchie: Lma! LZien. — Rumänien: Bnlaren. -- Lpanirn: Madrid. — Türkei: Konstanriuvprl. — Feuilleton: Michael. — Inhalt der Beilage: ZeirunasnachriLtcn und tZorrrspondnurn: Deutschland: Mainz. Bom Rirderrbein. Altona. Aus i(«i. — Rufland: Aus LSarfchau. — A'gdanistan: Hrrar. — Feuilleton: 15ine jüdiiche Forschungsreise in Arabien. — Vach'rn. Berantvonlich« Redacnon: Or. Lehmann in Mainz. — Spedition große Bleiche Rr. SS. TruL und Verleg von OScar Lehman» lnMairq. <H»erz« eine Beilage.)

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