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Der Israelit · 1887-01-17 · Heft 5 (17.1.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 5 (17.1.1887)
Date
1887-01-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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und die Ronde gemacht, Er fand den Obersten wach und in höchster Aufregung. Ein Soldat, ein Hannoveraner, ein ehemaliger Student, der cs von Roth gedrängt, übernommen hatte, an Stelle eines znm Militär anentirren FabrikantcnsodncS zu dienen, war Ln der Rächt wegen einer Insuboroinattott verhaftet und wäre voraussichtlich zu einer cnlchreuden Körperstrafe vernrthcilt worden. (Äockucr, so hieß der Mann, wollte sich dieser um jeden Preis entziehen. Ein ungewöhnlich großer, kräftiger Mann, hatte er einem der ihn ins Gcfängniß eskortircnden Dragoner, den Pallasch cntrisien, einen zweiten verwundet und hatte während der dadurch entstandenen Verwirrung die Flucht ergriffen. Er war von uachgcsandtcn Reitern, ohne das; sic ihn zu erreichen vermochten, bis an das Flnßufcr verfolgt worden, und war wie angenommen wurde in der Dunkelheit über die Eisdecke des FluiseS, wo ihm die Dragoner mit ihren Pferden nicht zu folgen vermochten, entkommen. .'Zum Glücke für Horncck war der Oberst von diesem unangenehmen Vorfälle so stark in Anspruch angenommen, das; er fein verstörtes Wesen nicht beachtete. Ter Wachtmeister, der Horneck bei der Posten-Visitation begleitete, war über die Eonlancc und Raschheit, mir welcher er diesmal vorging, höchlich verwundert. Er war in dem Regimcntc als der boshafteste Offizier verschrieen, der, wo cs ihn« nur möglich war, einem Manne zu einer Strafe vcrhalf. Diesmal hatte er nicht das Geringste bemängelt, und war dann rasch seines Vaters Haufe zugefchritlen. Tort angelangt war er ohne Verweilen zur Thür des Zimmers, in welchem fein B.uer schlief, gegangen und hotte ihn durch heftiges Pochen geweckt. „Wer klopft? Was ist vorgcfallcn? Brcnm's etwa?" frug der erschreckte Mann, sich rasch von seinem Lager erhebend. „Ich bin's, lieber Vater, Tein Sohn Lorenz," lautete die Antwort. „Ich muß Dich sofort sprechen, cs gilt eine Sache von größter Wichtigkeit und - Dringlichkeit." Bürgermeister Golzinger im Nachtkostüme entriegelte die Thür, ließ den Sohn cintrctcn, schlug u«it Stahl und Stein Feuer und zündete eine Kerze an: als er beim Scheine derselben seinen Sohn erblickte, rief er: „Herr und Gott, «vie Du ausschaust! .... was ist vorgcsallcn?" „Ich habe einen dummen Streich gemacht, und er ist mißlungen. Ich. bitte Dich, mich mit Vor würfen zu verschonen." fuhr er rasch fort, als ihn fein Vater unterbrechen wollte. „Ich bin wie toll 13 um die schöne Jüdin, Sara Brack, die wie ich glaube, es auch Dir angethan hat, und deshalb habe ich die Vorsicht, die ich von meinem klugen Vater geerbt habe, außer Acht gelassen . . . „Wenn Tu mir Komplimente machst und in so thörichtcr Weise von mir sprichst, beabsichtigst Tu gewiß etwas ganz Unmögliches von mir zu fordern .... so komme doch wenigstens ohne Umschweife zur Sache!" „Ich muß mich kurz fassen, das Feuer brennt mir auf den Nägeln. — Ich erfuhr zufällig, daß Sara Brack heute Nacht in Begleitung ihres Pflegebruders den Weg nach Ncuhof zurücklcgen wird. Ich suchte ihr zu begegnen, und lud sie ein, mich in meinem Wagen zu begleiten. Ihr Pflcgebrudcr nahm das so übel, daß er — einen meiner Begleiter mir seinem Stock zu Boden schlug, ihn tödtete." „Was sprichst Du für widersinniges Zeug?!" fuhr der Bürgermeister erschreckt auf. „Well Du seine Verlobte in unvcrschämlcr Weise angesprochcn, hat er Deinen Begleiter todtgeschlagen? .... Wenn ich Dir, weil Du leider Gottes denn doch mein Sohn bist, helfen soll: so mußt Du mir reinen Wein cinschenken, die Wahrheit sagen .... wo liegt der Erschlagene?" „Auf der Straße, eine Viertelstunde von Neuhos .... ich hatte geglaubt. Du als kluger Man» und Jurist würdest die Sachlage sofort erkennen und mir ein ausführliches beschämendes Geständniß ersparen .... Ich hatte nämlich Einsprache von dem kecken Juden enoartet und um mich vor einem etwaigen Angriffe zu schützen, hatte ich drei handfeste Leute cngagirt, die mich begleiten, und mir bei dieser Anaire behilflich sein sollten . . . „Ah! Tu wolltest einen Mädchcnraub begehen! Das in ein schweres Verbrechen . . . „Nur jem keine Moral, Vater! — Wenn Du mir aus der Schlinge geholfen haben wirst, dann kannst Tu mir eine Erhörte halten, so lange als cs Dir nur beliebt. Tie nächste und größte Gefahr droht mir von dem Juden, dem Michael Klein, der mir schon in meiner Knabenzeit nichts als Verdruß und Aergerniß bereitete .... als ich, um mich seiner zu erwehren, meine Pistole auf ihn anlegre, sank das Mädchen um — vielleicht hat sie der Schrecken gelobtet. ..." „Das wird ja irnmcr schöner," schaltete der Bürgermeister ein, „Mädchenraüb, versuchter Mord ..." „Wenn die schöne Jüdin gestorben, bin ich an ihrem Tode unschuldig. Wer kann denn wissen, daß das kräftige, junge Mädchen gar so zarte Newen hat und in ihren Psiegebruder verliebt ist?!

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