Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1887)
- Date
- 1887-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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8 p fl ii i c ft. Madrid, r». Januar. 8ie haben bereits Ihren Lesern wiederholt Munde gegeben von den Bestrebungen, die dahin gerichtet sind, die Rückkehr der Juden nach Spanien zu ermögliche». Heute will ich Ihnen nur eine Thanache mitthcilen, welche berveisi, von welch' edlem leiste der Humanität und Toleranz unsre hohe Regierung beseelt ist. — Seit längerer Zeit hat ein lebhafter Handelsverkehr mit Rußland begonnen; namentlich wird Branntewein von dort bezogen, und spanische Kanslcutc reisen in das nordische Reich, um persönlich ihre (Einkäufe zn besorgen. Zwei hiesige Kanflcute gcricthen bei einer solchen Reise in Verlegenheiten und fanden bei einem israelitischen Hausmann freundliches (5ntgcgcnkommcn und Förderung. Rach Hanse zurückgekehrt, berichteten sic darüber an unsre Regierung, welche dieses Faktum zur Kunde der regierenden Königin brachte. In Folge dessen hat Ihre Majestät allcrgnädigst geruht, unfern Glanbcnsgcnoncn, Herrn 6hajim Boas Rabinowitz in Bobruisk, (Gouvernement Minsk, in Rußland, zum Hofbanquicr S ein er Majestät, des Königs von Spanien, zu ernennen. — Türkei. .Konftantinopcl, 4. Januar. Gin kaiserlicher Fcrman ernennt den bisherigen Statthalter von Tiarbckir, Aziz Pascha, zum Statthalter der Provinz tvl-Bemcn in Südarabicn. Unsere Glaubcnsbrüder in dieser Provinz können sich Zn diese Grnennnng nur graruliren, da Aziz Pascha als ein liberaler und gerechter Beamter bekannt ist, der gcwiß den Inden Lüdarabiens dieselbe Behandlung znThcil wird werden lauen, wie wir sic allgemein im türkischen Reiche finden. — Binnen wenigen Tagen wird hier an Stelle des kürzlich feiner schlechten Gesundheit halber znrückgctretcnen ökumenischen (griechischen) Patriarchen Joachim IV., ein neuer überhin für die griechische Kirche-gewählt werden. Bei dem hohen Ansehen, da» der ökumenische Patriarch bei allen Bekcnncrn der griechischen Kirche genießt und bei dem Gewichte, welches unsere Glaubensgenossen im türkischen Gleiche ans ein friedliches Zusammenleben mit ihrem gricchichcn Mitbürgern legen, kann cs für uns gar nicht gleichmütig sein, weiche Gesinnungen über Toleranz und religiöse Duldung der nengcwähltc ökumenische Patriarch in sein hohes Amt mirdringr. Indcß waren sowohl Joachim IV.. sowie auch sein Borgängcr in diesem Amte, Joachim III., ihrer judenfreundlichtn Gesinnung wegen allgemein bekannt, und so dürfen wir auch von deren Nachfolger nur das Beste hoffen. Tie zu Smyrna erscheinenden Blätter veröffentlichen jetzt folgende Neuigkeit, die ich Ihnen ihres interessanten Inhaltes wegen im vollen Wortlaute mittheile: Les senuons du Pere Olivier contiuuent h attirer non senlement les Catholiques mais beauconp d'Orthodoxes. de Protestants, et meme des Israelites. ()n ne se fatigue pas d'entendre cet orateur qni attire Pattention generale pendant plus d'une heure et demie par son elocution. et «»n finit par se dire. chaqiie fois. qu'il est aussi bon patriote franeais que bon pliilosophe. (Die Predigten des Pater Olivier ziehen noch immer nicht nur die Katholiken, sondern auch viele Orthodoxe, Protestanten und sogar Israeliten an. Man ermüdet gar nicht, diesen Redner anzuhörc», welcher durch seine Bcrcdtsamkcit die allgemeine Auttnerksamkeil während mehr als anderthalb Stunden anziehr, und am Schluffe mußman sich dann sagen, daß derselbe ein ebenso guter französischer Patriot, wie ein guter Philisoph ist.)" Unsere Glaubensbrüdcr im Äbendlandc dürften mm glauben, daß die Juden Lmyrna'S jetzt, überwältigt von der Beredsamkeit und den Beweisen des genannten Paters, zu Hunderten von dem Glauben ihrer Barer abfallcn und zur katholischen .Kirche übertreten. Dem ist jedoch keineswegs so. Tie Juden Smyrnas, als tüchtige Geschäftsleute weit und breit bekannt, wissen auch» welchen Rusen die Kenntniß des Französischen für den lcvantinischen Kaufmann har, und da sich ihnen nun die Gelegenheit darbietct, eine geistreiche französische (^auscrie anzuhörcn. so besuchen sic fleißig die Predigten dcS Paters Olivier, der übrigens gar nicht daran denkt, unter den Juden Prosclnten zu machen. Zu billigen ist cs jedoch keineswegs, wenn Juden des bischen Französisch halber die Predigt eines katholischen Geistlichen frequentiren. Feuilleton. Wichael. Erzählung von C. Lohn. 2?«faficr von Gabriel. (Fortsetzung.) Bicrnndzwanzigstes Kapitel. .Kurze Zeit nach Michael war Lieutenant Baron Lorenz Horueck Golzinger in W. zur Rondcn-Bmlarron angclangr. Rikölaucr hatte ihn beim Maurhhans vor der Stadt erwartet und ihm das Packer, das feine Unifornr und Seitcnweme enthielt, übergeben. Horneck haue rasch die Kleider gewechselt