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Der Israelit · 1887-01-17 · Heft 5 (17.1.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 5 (17.1.1887)
Date
1887-01-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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» •*»- i I S; ■ - 73 welche ich Ihnen bereits Mittheilung geuiacht habe, und viele meiner Kollegen im Senat und in der Tcputinenkammer. Bon Rußland habe ich eine Menge Briefe erhalten. Bereits wollen mehr als 10« jüdische Familien von dort nach Spanien einwandcrn. Bon Bukarest will ein 23jährigcr junger Mann anS guter Familie und von hoher Intelligenz hierher kommen, um in die spanische Kriegsschule cinzutretcn; ich habe Schritte zu seinen Gunsten gcthan und darf die Hoffnung hegen, daß dieser jnngc Mann seinen Wunsch erfüllt sehen wird Aus Tcutschland haben sich einige Angestellte in Handlungshäusern gemeldet. Ter Eonsiliul Sanhcdrinuli in Bukarest hat mehrere eingehende Fragen an mich gerichtet, welche beweisen. daß er an unserer gemeinsamen Arbeit thcilzunehmcn gedenkt, lieber alle weiteren Schritte werde ich Sic informireu. Inzwischen genehmigen Sie 2 Lopez Lapuya, Senator. Wien, 9. Januar. In Ihrer geschauten Zeitschrift wurde vor einiger Zeit des Herrn Hofrath von Weilen als eines Juden erwähnt. Richtig ist. daß derselbe als Jude geboren und erzogen würde: r.ls er jedoch in der österreichischen Armee zum Oberlicutcnant avancirte, trat er zur katholischen Kirche über. R u m ä n i e n. l>r. t . Bukarest, 7. Januar. Tcr in Plojcschti erscheinende „Temokratul" berichtet über ein Borkommniß, welches sich ausgezeichnet für eine Iudcnhctzc eignen würde, wenn cs nicht so ganz anders und die rechte Zeit wäre. Tie Wittwc Maria Sultana in Plojcfchti. meldet er. nahm unlängst eine junge Bäuerin aus der Umgegend, die ne sonst nicht kennt, bei sich auf. Rach zwei Tagen verschwand die Bäuerin spurlos unter Mitnahme des sechsjährigen Mädchens der Sultana. So der „Temokratul". Es ist gut, daß die Israeliten noch lange nicht Litern haben, und daß :nan in diesem Falle ganz öffentlich weiß, daß die Hauptperson des Trama's, die Kinderräuberin, Christin ist, obwohl allerdings jetzt sich nicht sagen läßt, was daraus noch werden kann. Ta die Begebenheit kurz vor dem griechisch-orientalischen Weihnachten sich zutrug, so ist es vielleicht möglich, daß zur Abwechselung einmal die Griechen Ehristcnblut brauchen. Sonst wird dies bekanntlich den Juden um Tstern herum angcdichtct. — Tie große Gewissenhaftigkeit der Rumänen und ihr Wohlwollen für die Juden läßt sich am besten aus ihren eigenen Acußerungen erkennen. Ich enlnehule dem „tföeralul" »«» Jassy, daß im Eovcnt-Garden zu London rin Coneert stattgehabt hat, in welchem auch eine Iassyer junge Dame, die Pianistin Fräulcin Lebell mit großem Erfolg mitwirkte. Der „Sibcniiul" bemerkt dazu mit Behagen: „Wir konstatiren mit Vergnügen, daß Frl. Lcbcll, die Schwester des bekannten Arztes in unserer Stadt, „Rumänin" ist." GS ist doch sehr sonderbar von den rumänische» Herren, daß sic nur. solche Juden naturalisircn, die längst gestorben, und daß bei ihnen nur solche Juden vollgiltige Rumänen sind, die über alle Berge, d. h. im Auslande sich befinden. Frl. Lebcll ist nämlich, wie „Liberalul" weiß, Jüdin und als Solche ist sie in Rumänien eine „Fremde;" dafür hat sic das Glück, daweil sie in der Fremde ist, als „Rumänin" aufgeführt zu werden. Daß sic uud deren Eltern feit 17 Iahrcn in Wien wohnen und ihrem Gcbunslande mindestens „cntsremdel" sind, schadet ihrer plötzlichen Eigenschaft als „Rumänin" ganz und gar nichts. Tiefer Meinung bin ich auch, aber der „Libcralul" würde sehr bald seine Meinung ändern, wenn die Pianistin sich cntschlöffc ihren Wohnsitz nach Iaffy zurück',»verlegen; sic würde ohne Weiteres im eigenen Lande wieder „Fremde" werden. — Dasselbe, ziemlich zweifelhafte Glück etwas plötzlich „Rumäne" geworden zu sein, geschieht Herrn Regrascu, der nach einem andern offiziös-antisemitischen Blatt, dem Bukarcster „Tclcgraful", in der Pariser Maleraladcmie schöne Erfolge und die erste Prcisuiedaille errungen hat. Herr Schwarz — dies ist der Gedurlsnamc des jungen Künstlers — ist ebenfalls ein rumänischer „Fremder", obwohl sein rumänisch übersemcr Name und die Erwähnung seitens des „Tclcgraful" dies nicht crrathcnZ läßt.^Für die Tauer feines Aufenthaltes in Paris — und hoffentlich gefällt cs ihm dort zu bleiben — ist ihm der Ehrentitel „Rumäne" bcgclegt worden. So schmückt man sich mit „fremden" Federn. Eigenes Genie haben die christlich-orthodoxen Rumänen leider so spärlich, namentlich im Auslande schon gar nicht, und da ist cs ihnen gerade recht, daß die „Juden" auswandern: draußen werdenWe, wenn sie sich hervorrhun, zu Rumänen abgestenipelt und helfen auf diese Weise durch ihre Talente den Name Rumäne verherrlichen. Ich könnte eine ganz bedeutende Anzahl israelitischer Rumänen aufzählen, die i m Lande in allen Fächern dcS Kulturlebens wirkliche Ticuste leisten könnten, anstatt durch die gezwungenfreiwillige Erparrianon im Auslande mit ihren Fähigkeiten als Popanz für das Renommiren des Rumäncnthums hcrhalien zu müssen.

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