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Der Israelit · 1887-01-17 · Heft 5 (17.1.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 5 (17.1.1887)
Date
1887-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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70 Leidenschaften, der böse Trieb, Gewalt über sie bürten crlßiiflw können." *) So sehnt sich David, die sittliche Alraft in ihm Mi bewahren durch Ileberwindung von Versuchungen, die ihn verlocken könnten. Und siehe, die Vcrsnchrrrrg tritt an ihn heran, und David erliegt ihr: die Verlockung findet ihn schwach, und er ladt eine Sünde auf sich, die, wenn auch — nach der Lehre der Weisen — nicht so schwer, wie sie in der heiligen Schrift dargesrellt wird, von nun an und weiter den licfsicn Schmerz seines Lebens ansmachr. Unsägliche Leiden, körvcrliche und gcisrige. erwachsen ihm aus der Schuld, mir der er sein Haupt belastet hat. Aber auch diese Schuld gereicht seinem Volke zum Heile. David hat der 2i>clt gezeigt, wie mau die Schuld büßen und lvicder CSnabc bei ftoit erlangen kann. — Abraham, Iizchak, Jakob, Moschch — sic haben nicht gesündigt, wenn auch der allgcrcchtc Gor: wegen kleiner Verschlungen mit ihnen schwer ins (Bericht gegangen **>. — Jenen von der Sünde kaum berührten Männern kann sobald Niemand gleiche». Von David aber lernen wir, daß kein Mensch die Hoffnung ansgcbcn soll, bei ®oit wiederum Gnade zu finden, selbst wenn schwere Sünde sein Herz belastet. — Aus dem großen, erhabenen, vorwurfsfreien Könige war ein schmerzerfülltcr Büßer geworden, und so betet er im 86. Psalm: „Neige, Ewiger, Dein Dhr: erhöre mich, denn arm und elend bin ich." — Sechs Monate lang wird David von der schrecklichen.Krankheit des Aussatzes befallen und muß allein und einsam, abgeschlossen von aller Welt, sein Leben vertrauern. Wieder genesen, geht er entschlichen Leiden, entgegen. Sein Sohn Amnon begeht einen Fehltritt und büßt ihn mit dem Leben: sein Sohn Absalom empört sich gegen den eigenen Vater, und fast ganz Israel fällt ihm zn. Begleiter von wenigen Getreuen, muß der »lönig fliehen und auf feiner Flucht schreckliche Flüche vernehmen. Der Sieg, den er endlich erlangt, wird ihm vergällt durch die Ermordung des abtrünnigen, aber trotzdem heißgeliebten Sohnes. Schlimmer als alles ist ihm der Hohn und der Spott der Menschen, die ihm bei jeder Gelegenheit seine Schuld vorwerfcn, die seine besten Absichten mir dem Hinweis ans jene Sünde zu vereiteln trachten. Jetzt überwindet David die Versuchung, die Verhöhner und Spötter zu bestrascn: •) Licht NTTT;u Ladbar 30«. *') iilzabaitt bet gcfcljlt, La et rin Zeichen verlang» >—.N Iizckak. fca er den Leirn Lodn (Gaw) Legünürare; Zokod, da er nch von vrott vertanen wabnrr; Mo'cheb. da er den Frl'tn ichtug. awian;n idrn zu reden. *sm jnnr *:f»r /:» -ron o-nres rror , »Hüte meine Seele, denn fromm bin ich: da ich höre, wie man mich verlästert und beschämt. Wohl hätte ich die Macht, die Lästerer zu bestrafen, aber ich schweige." iRaschi nach Midrasch Tchillim). So betet David, die Barmherzigkeit und Gnadcnfüllc Gottes gcgenübecfrellend der Bosheit der Menschen, bis er am Schlüsse dcS Psalms die Bitte emporsendcl: Dhue mit mir ein Zeichen zum Guten, damit sehen meine Hasser und beschämt werden, daß Tn, Ewiger, mir gcbolsen und mich getröstet hast." Die weisen (yrflärcr des heiligen Schriftworts, namenttich Olcbbcuu Dbadjah Scwrno, finden in diesem Psalm das Gebet der isr. Nation während seiner ärgsten Leiden und Bedrängniße ausgesprochen. Arm und elend ist Israel, nur ans die Hilfe Gottes angewiesen. Auch Israel hört die Schmährcdcn seiner Lästerer und Verleumder und — schweigt. Diese sagen, Gott habe uns verworfen unt unsrer Sünden willen; wir aber erflehen vom Allgüligcn nitr ein Zeichen zum Guten, damit unsre Hasser sehen und sich schämen, damit sie sehen, daß Tn, o Gott, immer und ewig bleibst unser Trost und unser Helfer. — (Fortsetzung folgt.) Zcituugsnachrichteu und GTorrcspoudcirzcn. Deutschland. Schwabach, 7. Januar. Einen erneuten Beweis, wie wenig Eingang der schmachvolle AntifemitismnS gerade bei den Angesehensten unserer cbristl. Mitbürger sinder, lieferte unser weithin berühmter Nadelsabrikant Städler dahier, der in Anbetracht seiner großen Verdienste um die Industrie zum M omincr jicnratljc ernannt wurde,und bei dieser Gelegenheit, auch der isr. Gemeinde mit edlen Worten, einen Geldbetrag für jüd. Arme zur Verfügung stellte. E. Breslau, 9. Januar. Zn der nächsten Zeit vollzieht sich in der hiesigen jüdischen Gemeinde das wichtige Ercigniß der Wahl eines Gcmcinderabbincrs. Es entspricht sicherlich den Empfindungen eines jeden einzelnen Gemeindcmirglicdes über diese Frage, die nicht nur für den EulruS, sondern auch in ritueller Beziehung für das Familierrhans von größter Be- Lcutung ist, vor ihrer Entscheidung nnterrichtet zu sei». Tie Gemeinde Breslau har einen wohl begrün-

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