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Der Israelit · 1887-01-13 · Heft 4 (13.1.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 4 (13.1.1887)
Date
1887-01-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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58 „Ethik der Väter •?-e)* begonnen, die stets cmc zahlreiche Hörerschaft finden. Die erste dieser Vorlesungen war sogar in dem in dieser Stadt erscheinenden „Jewisli Herold* vollständig abgedruckt. Bei einem Wohlthätigkcits-Eoncerte, das vor einigen Dagen von der „Victorian Tonic Solfa Association* in Melbourne veranstaltet wurde, wirkte auch der Ehor der dortigen Synagoge mit, der dabei „Ten Jäger - Ehor* aus dem „Freischütz* zur Aufführung brachte. Ungethciltcr Beifall war der Lohn für diese Leistung. Ani 9. d., als am Geburtstage des Prinzen von Wales, wurde den Schülern der jüdischen Schule in Melbourne ein Picuic gegeben, um so auch schon bei diesen Kleinen patriotische Gedanken zu erwecken. Tie Tircctorcn des hier in Sydney bestehenden „Montefiore «lewish Home* haben vor einigen Tagen ein Grundstück in Towling - Street um den Preis von 2700 Livres Sterling (54,000 Mark) an.gekauft, um darauf ein neues Heim für das wohlthätige Ziel dieses Vereines erbauen zu lasten. Aus Adelaide wird hierher gemeldet, das; am vergangenen 19. Lctobcr in der dortigen jüdischen Ncligionsschulc (Adelaide Sabbath School) die übliche jährliche Venhcilung eines Preises für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Wiffcnschaft stattgcsundcn, der diesmal Hr.Lawrcnce präsidirtc. In seiner Eröffnungsrede hob derselbe die Vorthcile einer religiösen Erziehung hervor und dankte den Lehrern dieser Schulen für ihre Leistungen im vergangenen Schuljahre. Ten Schülern sprach er seine volle Anerkennung für den von ihnen an den Dag gelegten Eifer und Fleiß aus. Hierauf lud er seine jugendliche Tochter ein, die Prcisverthcilung vorzunehmcn, die dann dem Lehrer dieser Schule, Herrn B. Solomon, eine goldene Medaille mit dem Bildniffe des verewigten Sir Moses Montcfiore überreichte. _ Herr Solomon halte nämlich auf fünfzig ausgeschriebene Fragen über das allgemeine jüdische Wissen vortreffliche Antworten eingcschickt. Am 12. d. hielt Rabbiner Gold st ein in der „Melbourne Jewish Literary {Society* einen höchst interreffanten Vortrag über Shakespeare'« „Sylock*, in dem er nachwies, daß der Dichter in seiner Arbeit keine geschichtliche Person, sondern nur einen Wucherer und Gcldmenschcn im Allgcnieincn schildern wollte, und daß er dazu nur zufällig einen Juden wählte. . F e « r n t t «, Die (Sonperiiiiit. $oa Friedrich Rott. 3. Kapitel. Als das Kind am andern Morgen die Augen aufschlug, siel ihr erster Blick auf die Kammerfrau, die mit neuen Kleidern über dem Arm vor dem Bette stand mrd der Kleinen freundlich zunickte. „Guten Morgen, Herzchen, wie gcht's? Hast Du gut geschlafen?* „Ja,* cntgcgnctc das Kind, sich den Schlaf aus den Augen reibend. „Nun, so komm, ich will Dich waschen und anklcidcn, lauter neue schöne Kleider — schau her, wir gefällt Dir das?* „Und das schöne Kleid soll ich anziehcn?* rief die Kleine, die beim .Anblick der neuen Herrlichkeit mit einem Male munter war. „Aber cs gehört ja nicht mir,* fügte sic kleinlaut hinzu. „Doch, cs gehört Dir, die gnädige Gräfin schenkt cs Dir.* „Die gnädige Gräfin? — Wer ist das?* „Das ist die schöne, große Dame, zu der ich Dich gestern Abend geführt habe. Erinnerst Du Dich nicht?* „£, doch,* die Kleine erinnerte sich, „die will ich lieb haben, die gnädige Gräfin. Aber warum schenkt sic mir denn so schöne Sachen?* „Weil sie Dich auch lieb hat, und sie wird Dir noch viele schöne Sachen schenken. Aber nu» komm, ich will Dir die Strümpfe anziehcn.* „O, das kann ich allein,* rief das Kind und im Nu waren die rosigen Füßchen in das feine Gewebe geschlüpft. „Schau, wie geschickt Du bist,* lobte die Kammerfrau. Aber mit dem übrigen Anzug wußte die Kleine sich doch nicht zu helfen, da war Alles so ganz anders als sie es bisher getragen und unaufhörlich staunend und nach der Bedeutung jeder Schleife und jeder Verzierung fragend, ließ sie sich von der freundlichen Bertram anklcidcn und das Haar ordnen. In glänzenden hellblonden Locken umrahmte cs das liebliche Gesicht und fiel auf den blonde», weißen Nacken. Als die Toilette beendet, führte die Kammerfrau sic zu einem Spiegel. „Bin ich das?* fragte das Kind verwundert. „Freilich bist Tu das. Aber nun komme zu der gnädigen Gräfin, damit sie sieht, wie schön D» in den neuen Kleidern bist, die sie Dir geschenkt hat.* „Darf ich nicht erst zum Vater gehen?* fragte das Kind. „Der Vater wird sich so freuen, wenn

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