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Der Israelit · 1887-01-13 · Heft 4 (13.1.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 4 (13.1.1887)
Date
1887-01-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kerker. Da zeigt sich ihm die Aussicht auf Freiheit. Er soll unter der Bedingung frei werden, daß er öffentlich seinen Glauben abschwört und bekennt, daß er durch Zauberei gesiegt und die Hand der Kalifcntochter erworben. Doch da wird er zum Märtyrer seines Glaubens und „nicht ein Aleph werde ich aufgcben'." ruft er, und er geht muthig in den Tod, wie all die Tausende von Glaubens- Helden der jüdischen Geschichte. Offenbar schwebte dem Dichter bei dieser Zeichnung eine andere historische Gestalt vor, jener edle Exilarch Mar Sutra, der durch die auch an seinen Namen geknüpfte der Bostanai - Erzählung ähnliche Begebenheit mit einem besonderen Zauber umwoben ist. Zu Anfang des sechsten Jahrhunderts, unter der Regierung des grausamen persischen 5t önigs 5tobad, entstand nämlich eine neue, fanatische Mogicrseklc, die eine Art von Kommunismus cinführen wollte, und zwar einen EommunismuS der schlimmsten Art» der sich nicht nur auf die Gemeinschaft der Güter, sondern auch der Frauen erstrecken sollte. Da wehrten sich die Juden, an deren Spitze der Erilarch Mar Sutra stand, mit Verzweiflung, und sic siegten, denn, so wird im chy erzählt, eine Fcuerseulc zog ihnen voran«, wenn sic in die Schlacht zogen. Es gelang sogar dem tapferen Mar Sutra, für mehrere Jahre eine unabhängige Herrschaft zu gründe», deren Hauptstadt Machma war. Da jedoch wichen seine Krieger von Gottes Gesetzen und die Fcuersäulc war von ihnen gewichen. Sic wurde,! geschlagen, und Mar Smra endete durch den Tod am 5lrcuze. — Der Vortragende wies zum Schluffe darauf hin, das; allerdings da« Judcnlhum, für da« d'Jsraeli in seinen poetischen Werken so sehr schwärmt, ein anderes sei, alS da« unselige. Denn bei ihm sind die Vorzüge de« Jndcnthum« identisch mit dcnVorzügcndcr jüdischen Nace, und er war einer der ersten, vielleicht der erste, der da« Lchlagwort von den „physischen und psychischen Vorzügen der jüdischen Nacecmporgcbracht hat, womit er uns freilich, da diese« Wort alS Waffe gegen uns gebraucht worden ist, keine Wohlthat erwiesen hat. Nicht auf unsere Abstammung geziemt es uns. stolz zu sein, denn wir sind nicht weniger, aber auch nicht mehr, alS die andern Völker; aber mit Stolz erfüllen darf cs uns. wenn wir treu halten zur Fahne unseres Glaubens und darüber wachen, daß die Fcuersänle der göttlichen Lehre, die uns feit Jahrtausenden voranleuchtcr, nicht von uns weiche. Australien. Sydney, Ende November ls§6. In Folge von herben und schweren Anklagen, die gegen das -57 Bcth-Din in Melbourne erhoben wurden, worunter die vorzüglichste die war, daß die Herr» ihre Amtspflichten nicht gewissenhaft erfüllen, hat dasselbe nun in corpore abgedaukt. Unter dem Leth- Din von Melbourne darf oian sich jedoch keineswegs ein aus drei durch ihre große talmudische Gelehrsamkeit und besondere Frömmigkeit hervorragend» Rabbinern zusammengesetztes Collegium vorstell», sondern eine Behörde, welche die religiösen Instilmionen der dortigen Gemeinde beaufsichtigt. Dieselbe wird von Zeit zu Zeit neu gewählt und ihre Mitglieder erfüllen ihre Pflichten nur deS helligm Zweckes und der Ehre halber. Im Städtchen Ballarat ist der Ehasau der dortigen, leider ihrer Auflösung cntgcgcngchcndcn Gemeinde, Herr Salomon Bernstein im noch blühenden Alter gestorben. Derselbe führte ein streng religiöses Leben und zeichnete sich auch sonst durch seine jüdischen und bürgerlichen Tugenden auS. An feinem Leichenbegängnisse bethciligten sich auch zahlreiche Mitglieder der benachbarten jüdischen Gemeinden, Rabbiner Goldrcich widmete ihm einen ehrenvollen Nachruf. Hier in Sydney beweinen wlr da« Hinschcidcn deS früheren Präsidenten des jüdischen Wohlthätigkcits - und Waiscn-Untcrstützung- Vcrcinc« (Sydney Jewish Pbilaniropic and Orphan Society), H'errn R. W. M ycr s. Seine unbegrenzte Herzensgute, seine Bereitwilligkeit Jedem, der sich dcßhalb an ihn wandte, gefällig zu sein, wie nicht minder die außerordentliche Liebenswürdigkeit in seinem Benehmen, n,achten ihn Jedermann rheuer und werth. Sein Lcichenbegängniß gestaltete sich zu ei» ncr wahren Huldigung für den Heimgegangenen. Beiden Tobten rufen wir daher nach: Tic Eultusgememde'in Brisbane hielt vor wenigen Tagen ihre jährliche Generalversammlung ab, in der der Vorsteher, Herr Sinauer, über den soeben vollendeten Bau der dortigen Synagoge und über die stattgefundcne Einweihung dieses Gotteshauses Bericht erstattett. Herr Sinauer betrachtete und zwar nicht mit Unrecht dieses Ereigniß als eine wichtige Epoche in der Geschichte dieser noch jungen Gemeinde, die sich so einen religiösen Stütz- und Bercinigungspunkt geschaffen hat. Derselbe hob dabei zugleich rühmend hervor, daß sich an der erwähnten Eiuwcihungsfcier auch viele hervorragende Bürger der Stadt bctheiligt haben. Gewiß rm schöne« Zeugnis von dem friedlichen Zusammenleben der verschiedenen Confcssionen der Stadt! Der Rabbiner der St. Kilde-Gemeinde in Melbourne, Rev. Blaubaum, hat, umseine Ge- - mcinde näher mit dem Geiste des Talmud bekannt zu machen eine Reihe von Dorlesungeu über die

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