Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-01-13 · Heft 4 (13.1.1887) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 4 (13.1.1887)
Date
1887-01-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449702--25704-2515474
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

austrat. Die Schwäche des Kalifats u»d die in Folge der Krcuzzüge herrschende Unruhe begünstig' tcn ein solches abenteuerliche Unternehmen, und auf Seiten der Inden , von Amadia und der Umgegend. die in religiöser Beziehung sehr unwissend waren, fand der angebliche Messias, der wegen seiner Gelehrsamkeit und Waffcntüchtigkcit außerdem in hohem Ansehen stand, Anklang. Aus seinen Ausruf hin schaarten sich viele bewaffnete Anhänger um ihn, was jedoch dem persischen Sultan Veranlassung gab, ihn zu seiner Rechtfertigung vorzuladcn. Rach seiner Meinung befragt, antwortete Alrui offen: „Ich bin der König der Inden." Als darauf der Sultan sich zurückzog. um mit seinen Röthen zu bcrathcn, erschien Alrui plötzlich im Rathssaalc und erklärte, daher durch seineGchcimmittcl sich aus dem Kerker befreit habe, und als der Sultan ihn ergreifen wollte, soll er sich unsichtbar gemacht haben; in derselben Weise soll er einen Fluß überschritten und in einem Tage zckm Tagereisen den Weg von Hamadan nach Bagdad zurückgelegt haben. All diese Wunder haue er sich natürlich erdichtet, um die Menge zu täuschen. Tie Leichtgläubigen wurden auch in anderer Weise schmählich hintergaugcu. In Bagdad hatte» nämlich zwei Schwindler sich für Abgesandte des Messias anSgcgcben und ein angebliches Schreiben dcffelbcn vorgczcigt, in welchen! die Erlösung auf eine bestimmte Stunde festgesetzt wurde, und alle Juden aufgcsordert wurden, in grüne Gewänder gekleidet, sich auf den Dächern ihrer Häuser cinzufinden, um alsdann den Flug von Bagdad nach Jerusalem zu unternehmen. Und während nun die Bethörtcn. nachdem sie vorher ihr Geld, das sie nach ihrer Ansicht ja nicht mehr nöthig hatten, den Abgesandten gaben, urn cs an die Armen zn vcrthcilen, auf den Dächern ihrer Häuser mit Spannung eine ganze Nacht über die Erlösung erwarteten, benützten die beiden Schwindler die Dunkelheit der Nacht, um sich mit dem Gclde aus dem Staube zu machen. Tie Vertreter der Juden in Bagdad forderten David Alrui unter Androhung des Bannes auf, von seinem unheilvollen Plane abznstchcn, umsomehr, da der Sultan erklärt haue, alle Inden seines Reiches über die Klinge springen lauen zu wollen; doch war derselbe nicht dazu zu bewegen. Er wurde jedoch bald darauf von seinem eigenen Schwiegervater aus Anstistcn des Goiüierneurs seiner Vaterstadt ermordet. Die Person dieses Abenteurers" hat d'Israeli idcalisirt und statt dessen einen goubcgcistenen Glaubenshcldcn gezeichnet. Ter David Alrov des d'Israeli'schen Romans ist der rechtmäßige Erbe der Resch-Gelutha-Würde, denn „in seinen Adern rollt das königliche Blut von zweimal zweitausend Jahren." Mit dem achtzehnten Lebensjahre tritt er die Würde, die bis dahin scln Lhcim, der greise Bostanai, für ihn verwaltet, an, und eia Gedanke» der seit seiner zartesten Kindheit sein Herz erfüllte, beherrscht jetzt all sein Sinnen und Denken, d. i. die Befreiung seines Volkes von der Fremdherrschaft und die Wiedcraufrichtung des jüdischen Reiches. Sein Haß gegen das Heidenvolk, dem Israel dienen muß, wird gar bald zur blutigen That, denn als Alschirah, der Bruder des Sultans, in seiner Trunkenheit nrchrerc jüdische Mädchen, darunter die schöne Miriam, die Schwester Alroy's, verfolgt, da flammt in diesem der schon lange im Verborgenen schlummernde Zone ans, und er erschlägt Alschirah. Teßhalb muß er fliehen, und unter den fürchterlichsten Gefahren und Leiden, denen er stets auf wunderbare Weife entgeht, kommt er nach Bagdad und wird dort ciugcführt in den leuchtenden Glanz und die strahlende Pracht des Kalifenpalastes. Gewaltsam reißt er sich von der blendenden Herrlichkeit. die ihn dort umgibt, und der Versuchung, die sich ihm nabt, los und flicht weiter, bis er die heilige Stadt Jerusalem erreicht, wo eben die Christen herrschen und die wenigen geduldeten Juden scheu einhcrschleichen und in einer unterirdischen Synagoge ihre Versammlungen abhaltcn. Eine wunderbare nächtliche Erscheinung führt ihn in das Grabgewölbe des Königs Salomo, wo er dessen Sccptcr findet, und dieses wird nun in seiner Hand zinn Zauberstabe. orir dem er ein Reich nach dem andern erobert. Wie im Fluge zieht der triumphreiche Sieger von Hamadan nach Bagdad; der Kalif ergreift vor ihm die Flucht, und er selbst läßt sich zum Kalifen ausrufcn. Ten Gipfel seines Ruhmes erreicht er durch seine Verheirathung mit dcS Kalifen Tochter, der lieblichen Schirm, die die Hand von Königen verschmäht hat und jetzt Alrov. den herrlichen Prinzen, erwählt. Aber wie einst die Tochter Pharao'« Salomo zum Verderben ward, so vergißt Alroy in den Armen Schirin's seiner hohen Sendung, und im stolzen Selbstgefühle spricht er. daß durch die Kraft seines eigenen Geistes ihm alles geworden. Entgegen dem Willen feiner getreuesten Anhänger unterläßt er es, durch den Zug nach Jerusalem sein Werk zu krönen. Er will Bagdad zuni Mittelpunkt seines Weltreiches erheben und ruft aus „Bagdad soll wein Zion sein." Doch damit hat er sein Unglück besiegelt. Ebenso rasch» wie seine Macht erhoben, stürzt sie in Trümmer. Ein Schlag nach dem andern ereilt ihn; eine kurze Zeit nur, und der mächtige Alroy har Alles verloren und liegt gefangen im finstern unterirdische»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.