Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1887)
- Date
- 1887-01-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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47 Al» bloßer Administrator und Morrcftor einer Zeitung und als ciiuclncr Mann ist cs in der That gar nicht möglich eine bestehende Negierung zu bekämpfen oder auch nur der Opposition beizustehen. Aber selbst den Fall angenommen, bleibt cs einzig und allein rumänisch, das; man Jemand auswciscn soll, weil er in gesetzlicher und in allen Ländern üblicher Weise durch Unterstützung von Wahlen eine verfassungsmäßig zulässige andere Kommunal- (und auch Staats-), Negierung hcrbciführen will. Freilich hat die Negierung dadurch, daß sie das Militär auf die Wähler schießen ließ, die Bonuschancr Oppositionellen — von welchen einige dreißig verwundet wurden, etliche tödtlich — zu Revolutionären gestempelt, dies ist jedoch nur ein neues Kennzeichen ihrer WillKrherrschoft und soll die angebliche Staatsgcfährlichkeit „markicen". Daß aber auch hier der Jude die Zeche bezahlen muß, ist ganz nnfaßlich. — Tic in Piatra erscheinende „Corrcspondcnza provinziala" erzählt in wahrhaft provinzialer Einfall folgendes sehr glaubwürdige und auch mögliche Gcschichtchcn; „Bor zehn Tagen gingen mehrere (!!) Kalraschi (Kavalleristen) aus den umliegenden Törfcrn nach Piatra, um nach abgclauscncni Urlaub ihren Ticnst wieder anzutreten. Unterwegs begegneten die Nciier (welche natürlich Christen find) einem Juden und gericthen mit ihm in Streit. Ter Jude (V) nahm (wahrscheinlich aus der Westentasche l) ohne Weiteres eine Flinte heraus und verwundete einen Kavalleristen derart, daß er nach einigen Tagen starb. Ter Jude ist emflohen und nicht mehr aufzufinden." Tics ist recht schade, denn könnte man ihn erwischen, so würde es sich wohl auch konstatircn lassen, ob er, der Jude, todt ist, oder der Kalarasch. Verwunderlich bleibt es aber doch noch, daß ein Jude und ein Mann mehrere Leute und Soldaten anzufallen die Verwegenheit hatte, daß er gerade das Handwerkszeug eines Soldaten, nämlich eine Flinte bei sich trug und daß „mehrere" Kavalleristen (die, bciläusig gesagt, vollständig gerüstet und auf ihren eigenen Pferden nach ihrem Tieusrort ritten) nicht im Stande waren, die „Flucht" des Juden zu verhindern. Tic Geschichte sicht, wenn sic nicht überhaupt schlecht erfunden ist, wie Mord oder Todrschlag aus, und so was geschieht den Juden — den» unfraglich ist der Jude, und nicht der Äilizrciter dis Opfer — sogar in Marokko! Rußland. Petersburg, 31. Tcz. Hier cxistin ein Verein, welcher unter der Protection Ihrer Majestät, der Kaiserin, steht. Derselbe ist! vor Allem ein WohlthätkgkeitSverei», verfolgt aber nebenbei gesellige Zwecke und ist aus letzterem Grunde sehr erclnsiv. Wie wir vernehmen, war bisher nur ein Jude Mitglied dieser Gesellschaft, da die Aufnahme in dieselbe durch Ballorage geschieht und die Mitgliedschaft zum Tragen eincö Ordens berechtigt. Wie wir den» „Petersburger Herold" entnehmen, wurde der durch seine große Wohlthätigkeit rühmlichst bekannte Herr CH. B. Ra bi nowitz inBobru is k uiit Allerhöchster Genehmigung Ihrer Majestät in die Gesellschaft für LcbenSrettung Schiffbrüchiger ausgenommen und ihm huldvollst ein Tiplom verliehen, durch welches derselbe berechtigt ist, das entsprechende silberne Abzeichen zu tragen. Wir sehen in diesem Borgange ein erfreuliches Zeichen der in den Allerhöchsten Kreisen herrschenden Toleranz. Amerika. Baltimore» 16. Tezember. Der große Philänthrcp Äoutcsiorc äußerte einmal: Ich vergleiche daS Menschenherz mit einer goldenen Krone, deren einzelne Perlen die Tugenden darstcllcn, von denen der kostbarste Juwel als die Wohlthätigkeit glänzet." Und diese Tugend war es, die den Impuls zur gestrigen Feier gab. Zum 31. Male versammelte sich die „israelitische WohllhätigkeitS-Gesellschaft" in der Eoncordia," um Almosen zu sammeln für die Armen, Kranken und HülfSbedürftigen. Daß ihr edles Streben auch stets vom schönsten Erfolge gekrönt ist, bewies die große Anzahl von thcilnehmcndcn und hochherzigen Menschen, welche gestern trotz Wind und Wetter, Schnee und Kälte zusammeokamcn, um ihr Schärflein ans dem Altar der Nächstenliebe niedcrzulcgen. Nach dem Jahresbericht hatte die Gesellschaft eine Einnahme von 11356 Dollars und eine Ausgabe von io»37 Dollars. Unter den vielen schönen, mit großem Beifall aufgcnonimencn Reden sind die des Präsidenten Philipp Herzbcrg und dcS Rabbiners Dr. W. Sch ne cb erg er hervorzuhebcn. Nicht unterlassen will ich cs. Ihnen die Rede des Mayors (Dnrgermcisrcrs) HodgcS mitzuthcilcn, die Ihre geschätzten Leser, als aus dem Munde eines Andersgläubigen stammend, insbesondere intercssiren wird. Dieselbe lautet: „ES würde nur schwer fallen, die verschiedenartigen Gefühle zu beschreiben, welche mich beim Anblicke dieser intelligenten und einflußreichen Körperschaft meiner israelitischen Mitbürger bewegen. Schon meine langjährigen gesellschaftlichen Verbindungen mit so vielen Mitgliedern derselben müssen in mir dalebhafteste Jnrcreffe für Ihre Bestie-