Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1887)
- Date
- 1887-01-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449701--25687-2515456- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tniiflcn erwecken. Vorfahren ciitftanimciib, welche schon im Tagesgraucn der Geschichte an den Ufern des Euphrat», des Jordan» und de» Nils erschienen, und nach der Herrschaft einer langen Reihe historischer und berühmter israelitischer Könige können Sie mit Recht geltend machen. La« Sie da» Stammvolk der Welt sind, wenn nämlich da» Alter des Bluts auch einen Maaßstab für die Befähigung bietet. Wenn ungemischtes Blut eine Aristokratie ausmacht, dann sind Lie zu dieser Auszeichnung berechtigt; denn Sie wissen, das; da» Blut, welches durch Ihre Adern stießt, dasiclbe ist, welche» den Körper eines Abraham, eines Jakob» und eines Mose« erwärmte. Ein Mcthodisten-Geistlicher sagte einst, daß ein Tropfen solchen Blutes hundert Adels- Patente wert!) sei. Ich will nicht versuchen, die Geschichte Ihre» merkwürdigen Volke» zu verfolgen bis zu der Periode ausgedehnter bürgerlicher und religiöser Freiheit, deren volle Frucht Lie jetzt in diesem großen nationale» Aryl der israelitischen Rare ernten, aber dennoch sollten wir uns auch bei dieser Gelegenheit der großen Leiden und Entbehrungen erinnern, welche cs auf seinem langen Marsche vom Euphrat bi» zum westlichen Straube des Atlantischen Ozeans erdultel hat. Es wurde durch Gesetze und Dekrete, welche von weltlichen und kirchlichen Mächten erlasicn und durÄgci'ührt wurden, seiner Menschenrechte beraubt, seine Mitglieder wurden von jedem ehrlichen Handwerk ausgeschlossen, mit übermäßigen Steuern belegt und in den Städten, in welchen sie wohnten, in besondere Cuarticrc verbannt. Sie mußten eine von ollen verachtete Kleidung tragen, wurden von den Baronen und gcldbcdmnigcn Fürsten nach Belieben geplündert, unmenschlichen Sondcr-Gesctzcn unterworfen und überhaupt in jeder Weise von ihren Feinden gepeinigt und gemartert. Tics und noch viel mehr mußte die israelitische Racc Jahrhunderte lang erdulden, und dennoch befinden sich ihre Nachfolger gegenwärtig unter den vorgeschrittensten und intelligentesten Männern, der Welt. Es war Hier, meine Freunde, unter dem Schube der Eonstitnrion und der Gesetze der Vcr. Staaten, das; da» israelitischc Volk zuerst wieder die Morgenrötkie einer dauernden Freiheit erblickte, ga rantirt durch den glänzenden Triumph der unsterblichen Prinzivieu der Revolution von t776. Dem Erfolge dieser Revolution verdankt Ihr Volk den Genuß der bürgerlichen und rcligiöftn Freiheit, welche ihm bald daraus von Frankreich. Holland. Belgien imd Dänemark und später auch von Deutschland. Italien, Ungarn, Norwegen und England zugcnanderi wurde. Obgleich keine selbstständige Ration, haben Sic dennoch der viele berühmte Staatsmänner, Gesetzgeber u. s. w. gegeben, und Sie können sich großer Männer rühmen, wie Tisraeli», der hochherzigen Rothschilds des Sir Moses Montcfiore, eines Ercmieur, eine» Grisi, eines Mcyerbeer. Mendelssohn. ungerechnet die zahllosen israelitischen Dichter, Geschichtsschreiber, Theologen, Schriftsteller, Philosophen, Mathemathiker und Astronomen, Medizinicr, Finanzmänner u. s. w, Frl. Rachel ist als Schauspielerin wohl nie übertroffen worden; kurz alle diese Thatsachen sind geeignet, Ihren Stolz als besonderes Volk zu erhöhen. Glicht weniger muffen Ihrem National-Stolze die Erfolge schmeicheln, welche Ihr Volk während ciuc» Drittel-Jahrhunderts in diesem Lande gemacht hat in commcrzicller sowohl, wie in sozialer Beziehung. Ihre Fortschritte sind einfach wunderbar. so daß ich sic stets mit Staunen und Vergnügen beobachtet habe. Als Geschäftsmann habe icfj_ von Ihren umfangreichen geschäftlichen .nennt* niltcn profitirt, da viele Ihrer Gewerbetreibenden seit vielen Jahren mit meiner Firma in Verbindung gestanden haben. Zugleich benutze ich mit Vergnügen die Gelegenheit, anzuerkcnncn, daß unsere Beziehungen zu einander mit seltenen Ausnahmen die srenndlichste» und angenehmsten waren. In der That, ich kann dreist sagen, daß ich schon mit einem Gefühle der Freundschaft und Sympathie für die israelitische Racc geboren worden bin. Zmn Beweise dafür möchte ich an eine Episode aus der Maruländcr Geschichte erinnern: Ter Geschichtsschreiber Scharf erzählt uns, daß bis zum Jahre 1S26 das Borurthcil gegen die Juden in Maryland noch so groß war, daß keiner von ihnen ein öffentliches Amt bekleiden durfte. Liberale Männer lehnten sich gegen diese mit unserer Versaffung unvereinbare Ungerechtigkeit ans, und die Sache kam in der Legislatur von 1818 in der Form eine» Beschlusses zur Sprache, wonach ein Trcier-Eomkte mir der Untersuchung der Sache betraut wurde. Es brachte in der Folge einen für Ihre Racc günstigen Bericht ein, und daraufhin wurde eine Bill c-naercicht, welche den Israeliten die gleichen Rechte gewährte, wie der christlichen Bevölkerung. Sie ward aber nach dtcitägiger heftiger Debatte im Dclcgatcnhanse mit 50 gegen 24 Stimmen verworfen. Trotz dieser vernichtenden Niederlage wurde die Dill später Session für Session wieder . vorg, brackr, und endlich am 20. Februar 1825 ward mit nur einer Stimme Mehrheit (26 gegen 25) eine Acudcrung der Marnländer Eonstitution in der Weise bclmirt, daß Niemand seiner religiösen Ucbcrzeugung wegen in leinen politischen Rechten beeinträchtigt werden dürfe. Einer der Männer nun, die damals und zwar direkt gegen den Wunsch ihrer Konstituenten, mit „Ja" stimmten, well er es so für Recht hielt, war James Hodges von Kcnl-Eonnty, vielleicht da« jüngste Mitglied des