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Der Israelit · 1887-01-10 · Heft 3 (10.1.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 3 (10.1.1887)
Date
1887-01-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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4S Piadra und Umgegend sich Israeliten auf die Reise begeben haben, sowie, daß am selben Tage über hundert Personen bei der Präfektur in Jassy vorschriftSmässig ihre Auswanderung für acht Tage später anmcldcten. Bei diesen mir Ra men angeführten Auswanderungen, ist es ein nur 511 grausamer Hohn, richtiger ein böswilliger Eselstritt, wenn in Rumänien ernsthaft sein wollende Zeitungen sich finden, die für das thatfächlichc Verlassen des Landes eine andere Richtung ausklügeln. Tie Bnkarcster„Romania", grosses Organ der Konservativen Partei, schreibt in einer ihrer Nummern, „die Juden gingen nicht mehr nach Amerika, sondern nach v alasat". Lie dort würden vielleicht meinen, (>alafar liege in Pelagomen oder mindestens wo der schwarte Pcst'cr wächst. Darin dürsten Sie sich sehr irren: Ealasat liegt an der Donau, gegenüber dem bulgarischen Widdin und in Rumänien. Nun malen Lie sich gefälligst, ob die rumänischen Israeliten zum Vergnügen mitten im Winter den ' Wanderftab ergreift», bedenken Lie, ob in dem rumänischen Ealasat nicht dieselben „Gesetze" und dieselbe Niedertracht herrscht, wie in Jassy oder anderswo in Rumänien, ob sie in Ealasat nicht dasielbe Elend haben werden. Ter einzige Unterschied wäre nur, dass dieses obskure Städtchen am südwestlichsten Ende Rumäniens liegt, während Jassy, Bolkuschan u. s. w. das andere, nordöstlichste Ende bilden. Würde es stch aber verlohnen, sein Haus zu zerbrechen, um ganz unter derselben Willkür zu verstechend Das fragen sich die ernsthaft sich gcbcrdendtn Leute in Rumänien nicht und. liberal oder konservativ: Juden sind nur dazu da, um in jeder Weise gejagt zu werden. — Ter rumänischen Regierung genügt cs nicht, das; die Juden seit issi schön selbst gehen: von Zeit zu Zeit gibt sie ihnen noch eine» Ernaswss, um die Lust zum Ausmandcrn nicht einschlafen zu lasse». TieS geschieht durch die in ihrem Belieben liegende Auslegung und Anwendung der nach gröstercn itfiuterii in s Rumänische kopirtcn Geseve, die im Anslande aber für ganze andere Verhältnisse geichassen wurden. So ist es auch mit dem Frcmdcngescy. Leit dessen Eittsührung 188! sind wohl mit einigen österreichischen (sogen, irridentischcn) Rumänen die Answkisnngru inaugnrirl worden, aber von da ab wurde er nur noch aus die Israeliten angcwcndcr. Zuerst traf eS die etwa zwölf israclilischen Ionrualiste« und als solche angesehenen, dann Herrn Ellmann in Tulrscha: ic$t sind rvicder drei Ausweisungen zu verzeichnen, die ganz ebenso willkürlich und mit den Bestimmungen des Frcmdengcftpes in gar keiner Verbindung sind. AuS B ottuschän wird gemeldet, dass den Herren 2. Lab in. H. I. Speyer und B. Moschkowik Ausweisuugsdckrcle zugestellt wurden und, Nachrichten zufolge, sollen noch mehrere Israeliten in Bottuschan damit bedroht sein. Tie ersteren Beiden haben das Land schon verlassen, während Moschkowitz, seines Zeichens Bankier, vorerst nach Bukarest gegangen ist, um auf. landesüblichem Wege die Rücknahme der ungerechtfertigten Maßregelung zu versuchen; es ist jedoch nicht sicher, ob ihm dies gelingen wtrd. — Lehr komisch ist die Begründung der Ausweisung: sie sollen bei den kürzlich startgefundencn Kommunalwahlcn — an die sie als Nichtrnmänen doch nicht thcilnehmen — dem BotLuschäner Oppositionskomite mir Geld bcigcstauden haben zur Bekämpfung der Rcgicrungskandidaren!! 3lumänische Juden sollen daS gctban haben, die froh sind, wenn man sie ungeschoren lässt, die seit zwanzig Jahren unvernünftig genug sind, zu glauben, dass sie, selbst bei den rumänischen Zuständen, liberal sein müssen, was doch gerade das Aushängeschild der bestehenden Regierung ist. rumänische Inden, von deren 2on,ouo in acht Jahren ganze 5« Mann die Rechte erhalten und nicht wissen, ob sic von der konservativen Opposition mehr zu erwarten haben, als von den jevigen liberalen Machthabern! Herr Ln bin war Korrektor und Administrator der allerdings oppositionellen „Voacca Bottoschaniler" (Bott. Stimme) und Sohn des 1880 naturalisirtcn Advokaten Benjamirl L. Tiefer Sohn ist jedoch, bei der in Rumänien beliebten Ausführung des Bcr- Ii.icv Vertrages, ebenso wenig naturaliffrt, wie der Handelsmaklcr Speyer. Beide sind also „Fremde" (was bci Ladin in Folge der Ratnralifation seines Balers eine Unnatürlichkeir). Dem Speyer ist übrigens durch das Börftngefttz die Lebensberechrignng entzogen und er hat sicher grössere Sorgen, als die Opposition, die ihn nichts angcht, „mit Geld zu nmerstüven", welches er als gewesener armer Makler gar nicht haben kann. — Tic Wahrheit über die neuesten Ausweisungen ist eine ganz airdcre. Labin wurde darum ausgewiefcn, weil die Regierung dem wirklichen Redakteur und Ekgcnthürnerder Opposirionszcitung, Senator Ena kW icz, nicht an den Kragen kan».' Speyer wieder ist cm Opfer des Bottuschaner Staatsanwalts, gegen welchen er. eines ihm zugcfügtcn Unrechts wegen beim Generolstaarsanwalr in Jassy Beschwerde geführt Hane; und Moschkowiy ist Bankier. . . Wie ungcrechtserligt die Ausweisungen sind, erhellt daraus, dass selbst das Bortnschäncr Regierungsdlart, der „Euricntl Rsmün" (Rumänischer Bote) sie als „ungerechte und unnörhige Opfer" erklärt.

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