Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-01-10 · Heft 3 (10.1.1887) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 3 (10.1.1887)
Date
1887-01-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449701--25681-2515450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

42 tuseinrichtungen die besten Erfolge. Der Herr Obergcspan dankte noch für die Aufwartung und entließ die Deputation in herzlicher und höflichster Weise. 'Solche Worte ans dem Munde eines so hochflcftcHtcn Hcnn dürften wohl geeignet sein, einen bedeutenden Thcil der Scheidewände, die Wahn und Vorurthcil zwischen Menschenbrüdcr aufgeworfen, nieder.',nrcißcn. Mögen diese Blnthen ihren Dust in solche Streite verbreiten, in denen dieser bisher nur selten wahrgenontmen wurde. Das; der Lbergespan Herr Baron Desidcr Bannfy nicht nur leere Versprechungen gibt, beweist auch folgende Thatsache. Namens des hiesigen Komilals-VcrwattungsausschusseS wurde an das hohe kgl. ungarische EultuSminißkriiim eine Eingabe gerichtet, in welcher angcsncht wird: die Zöglinge mosaischer Konsession in den Elementarschulen aut Sabbat und Feiertagen gänzlich zu befreien und wurde empfohlen, diese Verordnung im ganzen Laude ergehen zu lassen. Wer die ungar. jnd. Vcrhältnittc nur halbwegs kennt, wird auch die Tragweite einer solchen Verordnung ermessen und den besieri Erfolg wünschen. Aufrichtige Anerkennung gebührt aber unstreitig auch dem Herrn Referenten in Schulsachen Schulirlspeetor Dr. Julius HawoS. Dieser edle, hochgeachtete Herr umerslüst stets die religiösen Wünsche deS Rabb. Horowiy und bedarf cs namentlich in Bistritz bloß eine Erinnerung, daß jüdischer Feiertag in, um die israelitischen .Kinder der Elementar- und Bürgerschulen vom Schulbesuche zu befreien. Selbstverständlich daher, daß die hiesigen israel. Kinder auch Feste wie Hofchanah-Rabah und Ercw-Iomkiprir feiern. Möge» solche Akte der Humanitär und Toleranz nicht die lehtcn sein, und Schreiber dieses noch oft Gelegenheit haben, darüber rcfcrircn zu können. Wichses. Stzäblung von S. Kobn. Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Treinndzwanzigstes Kapitcl. Aron Brack war. als Sara und Michael fein Haus verlassen hatten, in großer Aufregung zurückgcdlieben. Es besteht zwischen den Eigenschaften des Körpers und jenen der Seele zuweilen eine weit größere Wechselwirkung als man gewöhnlich anzunehtnen pflegt. Große Körperkraft stärkt das Selbstbewußrsein, läßt das Andrängcn peinlicher Lebensercignisse minder furchtbar als dem Schwachen erscheinen. .Körperschwäche, Unbchilflichkcit, Unselbstständigkeit wirken auch ans einen starken Geist bedrückend. Als sich Aron Brack von den beiden einzigen Stützen seines Lebens, wenn auch nur auf kurze Zeit verlassen sah, überfiel ihn plötzlich ein intensives Gefühl entsetzlicher Augst. Er konnte wohl auf seinem Stelzfüße mit einer Krücke allein gehen, aber sich, seine Person, sein Eigenthnm zu schützen, vermochte der arme Mann nicht. Ein Kind, das ihm seine .Krücke aus der Hand schlug, konnte ihn widcrstandsnnfählg machen, ihn in den Zustand größter Hilflosigkeit versetzen. Es gibt Momente im Leben, die vollkommen geeignet sind, den Menschen trübe zu stimmen, ihn Alles im ungünstigsten Lichte erscheinen zu lassen. Eia solcher war rdc» über 'Aron Brack gekommen. Er lebte in einem civilisirtcn Staate, er mußte Steuern und Abgaben zahlen und Pflichten erfüllen, wie alle andern Staatsailgchörigcn — aber er besaß nahezu keine Rechte, und was ihm jetzt noch härter erschien, auch keinen ausreichenden Schutz. Wenn er die Sachlage mit klarem Ange betrachtete, mußte er sich's gestehen, daß er sein einziges , herrliches Kind wcgschickcn mußte, weil er befürchtete, ein frecher Bube, nicht einmal ein Mensch von hochhervorragcndcr Lebensstellung, könne cs cs wagen, einen unerhörten Schurkenstreich zn verübe«!! Es war schon das allein ein Gedanke von dcinürhigender Peinlichkeit. An diesen reihte sich, scheinbar außer Zusammenhang, ein zweiter eigcnthüinlichcr an. Seine Varergemcinde war schon zweimal in seinem Leben von Elementarcrcigniffen von Wasser und von Feuer hcimgcsucht worden. Beidemal hatte er durch seine Energie, seine körperliche Rüstigkeit, großes Unglück verhütet, das Zweitemal dabei seinen Fuß, die Integrität seines Körpers cingcbüßt. Wenn jetzt in dem Momente, wo er sich allein in seinem Hause befand, plötzlich eine Ueberschwcmmung cinrräl, eine Feuersbrunst ausbrach, so konnte er nickt nur nicht Anderen helfe», sondern bei dem geringsten unglücklichen Zwischenfalle, der cmtrcrcn konnte, in elendester Weise verderben, in den Finthen. i«« den Flammen «mkommcn. Dabei siel cs ihm ein, — daß alles Hebel, das er in seinem Sieben erfahren, stets unerwartet über ihn gekommen. Als fein lieber" Neiner Knabe, sein erster Michael,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.