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Der Israelit · 1887-01-10 · Heft 3 (10.1.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 3 (10.1.1887)
Date
1887-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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41 der Schreiber jenes Briefes war. Der Sohn wurde cruirr und verhaftet. Ta ergab cs sich nun, daß derselbe junge Mensch in einem Vororte Wiens eine Fabel colportirt hatte, welche in einzelnen Kreisen der Bevölkerung dieses Lnes Aufregung hrrvorrief. Er hatte nichts Geringeres colponirt, als daß ein jüdischer Arzt sowie ein jüdischer Oberlehrer sich an die Spitze einiger Juden gestellt hätten, welche den Versuch wachte«, ihn in den Tempel der Gemeinde zn locken, wo irgend ein Attentat an ihm ver übt werden sollte. Dieses alberne Gerücht, welches durch die systematische Verbreitung von Person zu Person ging, haue sogar zur Folget daß der erwähnte Arzt von einigen Leuten niedriger Bildungsstufe ernsthaft bedroht wurde. Tie cingcleitctcn Erhebungen ließen cs als wahrscheinlich erscheinen, daß der junge Mensch geisteskrank sei und in solchem Zustande dieses Märchen erzählt habe, obwohl cs auch nicht völlig ausgeschlopen ist, daß er die Geschichte nur zu feinem Bcrguliugcn und aus Bosheit ersann. Derselbe bcsiudct sich gegenwärtig unter Beobachtung der psychiatrischen Sachverständigen des Landesgerichtcs: bis zur Abgabe des ärztlichen Gutachtens über ihn ist selbstverständlich die Untersuchung wegen des Drohbriefes unterbrochen worden. Pardubitz. Tie N. Fr. Pr. meldet: Ein Abonnent schreibt uns: Ta ich eben heute von Pardubitz zurückgckonnnen, wo ich Gelegenheit gehabt, mit dortigen Persönlichkeiten zu verkehren, erlaube ich mir unter Bezugnahme auf die Notiz ^Erzherzog Eugen" im Abcudblatre der „Neuen Freien Presse" vom 29. Dezember folgende Mitthcilungcn über die Beziehungen des, Erzherzogs zum dortigen Eantor, Herrn Jakob Bader, zu mache», welche wohl auch in weiteren Streifen einigen Anrhcil erwecken dürften: Ter Herr Erzherzog, welcher seit seinem 18. Jahre Zögling drS Gesangproferiors Baron Viktor Rokitansky ist, garnifonittc bekanntlich vor einiger Zeit in Pardubitz. Ton wurde ihm der Ldcr-Eantor Herr Jakob Bader, welcher ein tüchtiger Musiker ist und eine prächtige Baritonstimme besitzt, vom Prinzen Rudolph Liechtenstein, der in Pardubitz feinen ständigen Wohnsitz hat und seit Jahre» Zither-Stunden bei jenem Eantor nimmt, dem Erzherzog Eugen als Gcfang-Ncpclitor cmpfoblen. Ter Erzherzog, der eine sehr schöne, äußerst sympatische Baritonstimme hat, ließ Herrn Bader nun zu sich berufen, um bei demselben seine Gesang- Übungen fortzusctzcn. Sehr oft nmßtc auch der Eantor die alten israelitischen Fcienagsgcsängc Vorträgen, die das musikhistorische Interesse de« Erzherzogs erregten. Bei gelegentlichen Gespräche« über die verschiedene« Äonfessiouco bekundete der Erzherzog stets die liberalsten Gesinnungen. Erzherzog Eugen war übrigens der fleißigste Gast des Eantors, er versäumte nur dann eine Hebung, wen« er durch Tienstesverhältuisse daran verhindert war. Ermüdung verdient wohl noch, daß. angeregt durch das Beispiel des Erzherzogs, mehrere Offiziere deS Pardnbitzer Hnsaren-Regiments sich lebhaft mit Gesang und Musik unter Leitung des Lber-EantorS beschäftigen. Als der Erzherzogs rrach Güns versetzt wurde, überreichte er dem Eantorzum Andenken sein Bild mir einer srcm-ölichcn Widmung, und auf die briefliche Gratulation des Eantors bei der Ernennung des Erzherzogs zum Gcneralstabs-Hauptmanu erhielt der Eantor ein eigenhändiges Schreiben, in welchem der Erzherzog in der herzlichsten Weise seinen Tank für den Glückwunsch ausdrückt und hinzusügt, daß er stets mit Vergnügen an die musikalischen Stunden in Pardubitz zurückdenke. Ans Siebenbürgen, im Januar. Heute wird mir die besondere Freude zu Thcil ein Sträußchen duftiger, auf dem edlen Acker der ungcheuchelrcn Toleranz gewachsener Blüthcn zu winden. Die israelitische Gemeinde zu.Bistritz entsendet gewöhnlich am I. Januar eines jeden Jahres eine Deputation an den jeweiligen Lbergcspan, um demselben die Glückwünsche der jüdischen Gemeinde darzulcgen. Diesmal wurde dieser Akt unter Anführung des Rabbiners Hörowitz vollführt. Me Deputation, welche noch ans den Herren: S.Rohrlich, T. Brecher und A. Goldstcin bestand, wurde vom Herrn Obcrgcspan Baron DesiheriuS Bannfy auf's freundlichste empfangen, und nachdem Rabb. Horowis, in ungarischer Sprache, eine dem Zwecke entsprechende Begrüßungsrede, in welcher er auch den Patriotismus und die Loyalität seiner Gemeinde für das ungarische Vaterland zum Ausdruck brachte, abgchaltcn, antwortete der Herr Lbergcspan etwa folgendes: Es freue ihn sehr', die warmen Worte des sehr geehrten Herrn Redners cntgcgcnznnchmcn und wünsche er nur, daß solche Gesinnungen den jüdischen Bewohnern in Bistritz wahrhaftig eigen sei» mögen, um iu dieser Beziehung auch als Richtschnur den Inden des ganzen Storni* lates zu dienen. Er — der Herr Lbergcspan — mache keinen Unterschied zwischen Juden und Richtiudcu, er achte die Religion eines jeden Menschen, ja, er wünsche, daß jeder seine Religion nach eigenem Ermessen ausübcn möge und wenn in seinem Storni* rare diesbezüglich etwaige Schranken noch existiren, werde er gewiß dieselben beseitigen. Er werde die Juden nicht mir in weltlichen Dingen unterstützen, sondern ihre religiöse Sachen auch gerne pflegen und wünsche der ehrsamen Gemeinde auch in Eul-

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