Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1887)
- Date
- 1887-01-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449701--25679-2515448- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
40 und ßrofif Halme, goldne Achren vor sich erblickre. Nun begriff er, daß diese Achren und nicht jene grünen Sprossen der Lohn und die Absicht des Bauern waren. Toch ach. kaum glaubte er das Richtige gefunden zu haben, da lamcn Schnitter und schnitten die goldncn Achren ab. Nun war er wieder ganz enttäuscht, also hatte ja doch das Ganze wieder keinen Zweck gehabt? Er verfolgte dir Lache nun bis ans Ende, man drosch das Getreide, man mahlte, und schließlich das Resultat von Allem war das Brod. Ta am Ende von Allem sah er ein, daß nicht die grünen Sprossen, nicht die goldncn Achren, sondern das Brod der Zweck des Pflügend und Säcns gewesen sind. Wäre nun der Llädrer nicht mehr auf jenes Feld gekommen, nachdem er pflügen sah. so hätteer das Bewußtsein mit sich geführt, der Bauer habe unnütz den Boden verdorben, und Siörner verschwendet, oder wäre er. nachdem er die Lprosscn sah, nicht wieder hinansgcgangen, so hätte er die grünen Sprossen für den Endzweck betrachtet, kurz, hätte er nicht den Vorgang bis ganz ans Ende verfolgt, er wäre nie zur wahren Ncberzcngung gekommen. Und wie treffend ist das Gleichnis; zum menschlichen Leben! Wie oft können wir nur den Beginn eines Tinges oder dessen halben Erfolg 'beobachten und werden abgerufcn vom irdischen Sein, im Wahne, manches Unglück erlitten zu haben, das nie znm Glücke für uns sich gewendet hätte, oder inmitten des sich entwickelnden Glückes, den kleinen Anfang als Endzweck auschcnd. Eö ist uns sterblichen Menschen nicht vergönnt, in allen Tinge» und Lebensvorgängcn die Tiefe des göttlichen Waltens zu ergründen, cs ist uns nicht vergönnt, den Endzweck alles Werdens und Lrrcbens, alles Tuldcns und aller Leiden zu erfassen »»dnurzuweilen im kleinen können wir das Wirken Goncs im Großen bemessen, im tolciucn sehen wir ein irvrN*® mra« r®, t>af) nichts uns trissr, kein Wölkchen unsren klaren Himmel trübt, das nicht von Gottes gütiger Hand zu unserem eigenen Wohl gesandt ist, um unsres Glückes lickten Sonncng'an; nur nachher um so glänzender, nui so strahlender auf uns hcrnicdcrlcnchtcu zu lasten. Tics ist das Vcrmächtniß unsres Vaters Jäters Jakob. Lernen wir von jenem sterbenden Patriarchen die Regel, die wir in seinem eigenen Leben in so glänzender Weise veranschaulicht finden. Er hat gearbeitet, gerungen, er hat viel gelitten, viel geweint und ganz am Ende seines Lebens 2pt Th, dann erst lebte Jakob, dann erst begann sein rigrm- | lichcs Leben, begannen seine schönen Tage. Jakob hat das Wort des weisen König Salomo im Leben noch erfahren, und darum ruft er uns sterbend zu, die wir zuweilen nicht im Leben noch ans Ziel unseres Strcbcns gelangen können, er ruft uns zu: "uprx 'nVsnr* ysr, nie zu verzagen und stets mit Zuversicht auf Gottes Güte bauen, wenn auch des ^Lebens Mißgeschick uns öfters durch Torncnwcge führt, wenn auch des Schicksals Macht uns schwer gcbengt, cs ist ein Sckatten, der vorüberzicht, und bald im ncuvcrklärtcn Lickt erscheint das Glück und ruft »ns zu: tts?* nro nye-o irjrwu Die mit Thränen säen, werden mit Freuden ernten. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz. 9. Januar. Wir erhalten von der Redaktion der „Israelitischen Wochenschrift" die nachfolgende Zuschrift: Magdeburg, 7. Januar 1887. An die Rcdaclion des „Israelit" in Mainz. Indem ich Ihnen hierdurch mittheile, daß die im „Israelit" Nr. 1 g. 11 von meinem ehemaligen Schüler Tr. Bloch ausgestellte Behauptung, „der (mir völlig unbekannte) evangelische Missionsprcdiger Schönberger sei der Wiener Eoncspondeut der „Israelitischen Wochenschrift" eine arglistige Löge mid infame Berlaumduug ist, stelle ich cs Ihnen zunächst ohne Berufung' aus das Prcßgesey. sondern auf das Ihnen höher stehende bibl. Gesetz fron ipr? -q-®, * * * t«r v-v sm anheim, nunmehr das zu Ihn», was die Pflicht einem ehr- und wahrheitsliebenden Ncdactcur in solchem Falle vorschrcibt. Ergebenst Tie Redaction der Jsr. Wochenschrift. Nab. Tr. Raymer. Indem wir obige Zuschrift unverändert zur Kunde unsrer geehrten Leser bringen, glauben wir, „das gcthan zu haben, was die Pflicht einer ehr- und wahrheitsliebenden Redaction in solchem Falle vorschreibt." Tic Red. des „Israelit." Lesterr.-Nngar. Monarchie. - Wien, 3t. Dezember. Ende vorigen Monats erschien ein bcjahner Arbeiter unter der Anklage vor Gericht, dem Tirektor der Fabrik, bei welcher er beschäftigt war, einen Drohbrief geschickt zu haben. Die Verhandlung gegen ihn wurde vertagt, weil eine Anzeige cingclauscu war, wonach sein Sohn