Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1887)
- Date
- 1887-01-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sieht in Gottes Hand, mit Ausnahme der Gottesfurcht." Da also auch der Frömmste, solange er aus Erden ringt und kämmt, des Beharrens auf dem.rechten Wegenicht sicher ist, da Gort selbst .die Freiheit desselben nicht beschränkt und der Mensch immer noch Mensch bleibt, das heißt, der Sünde zugänglich bleibt, so gesicht ihm Gott die Bollkoinmcnhcit nicht zu, solange der Mensch hrcnicdcn lebt. Diesem Gedanken entsprechend führt uns Rabbi Tanchum drei Beispiele vor: 1) unsre Bälcr: Abraham, Iizchak und Iisracl, 2) unsren großen Lehrer Moschch, und 3) den erhabenen Sänger der Psalmen, den Mann nach den« Herzen Gottes, David, den völlig von Israel. Israel war aus Mizräjim gezogen; Gott hatte cs mit großen Wundern von seinen Unterdrückern befreit, harre cs nrir großen Wundern von seinen Verfolgern errettet, in der Wüste cs versorgt, ihm Waffer ans dem Felsen fließen, ihm Brod vom Himmel regnen lassen; hatte die Amalckitcr vor ihm in die Flucht geschlagen. Daun trug es Gott wie ans Adlcrschwingcn und brachte cs zu sich crnpor. Gr, der allmächtige Schöpfer von Himmel und Erde, offenbarte Seine Herrlichkeit ans dem Berge Sinai vor den Augen von ganz Israel, und begeistert legten die Israeliten das heilige Versprechen ab: „Alles, was Gott gesprochen, wollen wir thnn und hören." Allein, wie bald war diese Begeisterung entflogen! Sie vergaßen nur zu schnell, daß Gott gesprochen: „Ich bin der Ewige, dein Gon: cs sollen dir nicht sein andere Götter vor Meinem Angesichte." Sie machten sich ein goldenes Kalb, umlanztcn cs und sprachen: Tics sind deine Götter, Israel, die dich ans Mizrajim geführt haben. — In niricfcüdicr, fast unbegreiflicher Weile hatten die Israeliten denZorn Gottes hcransgesorderr, und sic wären verloren gewesen, wäre nicht Moschch, der treue Hirte, für sic eingelreten. Gr wirst sich vor Gottes Dhron nieder n:rd betet und fleht unablässig für die Rettung seines Volkes. Wiewohl Gort zu ihm spricht: „Laß ab von Mir. und Ich will sic vertilgen." hat er doch dcn Mnth, nicht abzulasten und zu bitten und z» flehen. Weiß doch Moschch, daß Gott ein liebevoller Vater ist, der, .wenn auch Seine.Binder Ihn erzürnt haben, dennoch cs gerne sicht, daß Sei» Freund für diese .Kinder sich verwendet. — Moschch betet und flcbr nicht nur. er spricht auch den Entschluß aus, für sein Volk zu sicrbcn, sich für die sündige Menge zu opfern. „Wenn Tu ihre Sünde nicht verzeihst, so lösche auch mich aus dem Buche, das Tu geschrieben." — Kennt die Weltgeschichte eine» größeren Charakters Sie berichtet uns vou vielen Männer» iu;b Frauen, die für ihr Volk oder ihr Vaterland sich geopfert haben, aber von Niemanden, dessen That der unsres Lehrers Moschch nur in entfern* teuer Weise glcichkämc. Tie großen Helden und Heldinnen der Geschichte starben für des Vaterlandes Ruhm, Ehre oder Rettung, mochte ihr Volk groß und herrlich oder schwach und elend sein; immerhin war cS solch eines Opfers wcrth und würdig. Damals aber waren die Israeliten, nach all dem Großen, was sie gesehen und erlebt hatten, in die schrecklichste, hastenswertheste Sünde verfallen. Gin anderer Führer, der solch traurige Erfahrungen gemacht, hätte diese Sünder verachtet und sich von ihnen abgcwcudct. Sticht so unser großer Lehrer Moschch; er will für sein Volk sich opfern, wiewohl cs eines solchen Opfers nicht wcrth erscheint. — Wer könnte um Moschch sich messen, wer kömmt ihm gleich au Scelengröße, an Edelmuth, an Heiligkeit? Gleichwohl findet er nicht Gehör um seiner selbst willen; erst da er betet: „Gedenke dock Abraham's, Iizchaks und Iisraels, Deiner Diener!" erhört ihn Gott um dieser Verstorbenen willen, die ihre Aufgabe auf Erden bereits vollbracht hatten, während Moschch» trotz feiner unvergleichlichen Vollkommenheit, zu jener Zeit noch ein Lebender war, der noch, gleich den andern Menschen, auf Erden kämpfen und ringen mußte. (Fortsetzung folgt.) Aas 'Dermächlniß Jakoks. Boa w David Mannheimer. (Schluß). Was lernen wir ans dieser Regel, ans diesem Testament unseres sterbenden Patriarchen? Ter werfe König Salomo hat cs ausgesprochen in den Worten: *.Thr: c**o n'2~ cn ir'rx'r ,nr» 31c „Bester ist das Ende einer Sache als ihr Anfang und der Tag des Sterbens als der Tag der Geburt". Wer hat noch nicht im Leben die Wahrheit dieses Satzes erfahren in'-vT? in mnx 3®? Wer hat in fernem Leben nie geweint, noch nie den bitteren Kelch des Leids gekostet, da er vom schweren Schicksalsschlag getrosten, seinem Jammer Ausdruck gab irr dem Seufzer: „L Gott, wie konntest Tu mir das thnn, wie konntest Tu mich so verlassen?" Wer hat nicht andererseits nach langer Zeit von selber crugcsehen, daß jenes große llnglüik nur zu seinem größrcn Glücke aüsgeschlagcn, daß es so kommen mußte, von Gottes weiser Hand, der ja den Ausgang der Tinge im Voraus berechnet