Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-01-06 · Heft 2 (6.1.1887) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 2 (6.1.1887)
Date
1887-01-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449700--25668-2515436
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Juden erkundigte er sich auch nach ihrer sozialen Stellung und als diese ihm versicherten, daß dieselbe nichts zu wünschen übrig lassen, da druckte er sein tiefes Bedauern darüber aus, daß die Juden im Reiche seines Vetters, des Sultans von Marokko, noch so viel zu leiden habe» und noch so stark geknechtet werden: „Auch für Eure Brüder in Marokko, sagte er, werden bald bessere Tage kommen und sie werden daun ihren Brüdern in Algerien nicht im Geringsten nachstchcn. Betet zu Gott und hoffet, auf seine Gnade." Feuilleton. W i d) a e ft-rzähliiiig von L. Nohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „Hunderttausend»'.«! vcrfl . . . schrie Loren; Horncck, als er sich jcvt ganz allein mit dem am Boden liegenden blutüberströmten Mann befand, „einen solchen Ausgang Hab' ich am Wenigsten erwartet! Hölle und Teufel, was fängt mau da am gcschcidtcstcn au? . . . . Wohl den dummen Bengel da liegen lassen und nach der Stadt reiten! . . . . Was ist das? Tut Hnffchlägcn nach zu urtheilen, nähern sich die Reiter .... Herr und Gott! da sind sie ja schon in meiner Sehweite .... meiner Seel', weiße Kavallcricmäritcl, daS können nur Offisiere, Kameraden fein, die von Pofewip kommen. Wer sie sein mögen? Muß sie gerade jetzt der Teufel bierherführen.' Was soll ich thun? Mich aus dem Staube machen, forirciteu? Tas wäre für den Moment freilich das Gcscheidtcste; — aber in der Folge könnte mir das tcifl .... Schwierigkeiten bereiten. Wenn sie nach W. reiten und den Todten am Boden liegen, sehen, so werden sic mich ja fragen, ob ich ihn nicht bemerkt habe . . . . Verdammte Situation!" M'itllermcitc hatte sich das Wetter geändert, am Himmel waren Schnccwolken aufgezogen und hatten die Morrdesscheide verhüllt, es lag jetzt über die ganze Gegend ein unsicheres Halbdmrkcl ausgcdrcilkt. nur jene Gegenstände, die sich scharf von ihrem Hintergründe abhoben; z. B. die heranfprengrubcn Kavallcricosfizicre in ihren weißen Mänteln, waren deutlich erkennbar; so konnte cs geschehen, daß Rittmeister Graf Anheim und Licutenant Prinz .Balten - Moggrndors schon in einiger Enttcruung wohl den Baron, aber nicht den neben ihm am Boden dunkeln Zlörpcr bemerkten. „V.m soir!" rief Horneck ihnen einige Schritte entgegenrektend. „Irre ich mich nicht? Sind Sre'S wirklich, Prinz, und Sie Graf Altheim? DaS Bergungen, Sic heute nochmals zu sehen, hatte ich auf Ehrenwort nicht erwartet!" Tie beiden Offiziere hielten ihre Pferde an. „Weshalb sind Sie allein, ohne Reitknecht?" frug der Graf. „Auch waren Sie in einem Einspänner hcrauSgcfahrcn, wo haben Sie den gelaffcn?" Horncck beantwortete nur die zweite Frage. „Als ich Posewitz verließ, war es mondhell, und eS erschien mir angenehmer den Weg zu Pferd zurückznlegen, als in dem elenden Einspänner» dessen ich mich , kante äe mieux, zum Hinausfahren bediente .... Aber was konnte Sie, meine Herren, bestimmen, daS Fest, das Ihnen zu Ehren gegeben wurde, so zeitig zu verlassen?" „Sie sehen uns auf dem Wege zur galizischcn Grenze, und wir haben große Eile. Wir sind zu unserem neuen Negimeute cinbcruscn worden. Wie wir erfahren, wird der Krieg jetzt bald beginnen." „Ah!" stieß Lorenz Horncck auS tiefster Brust hervor, aber was den Offizieren als angenehme Ucderraschuug erschien, war nur der Ausdruck plötzlich ein getretener Beruhigung. „Ta müssen Sic zunächst die Richtung nach Olmütz cinschlaaen, nicht wahr?" sprach Horneck eifrig, und als die Offiziere dies durch ein Kopfnicken bejahten, fuhr er rasch fort, „da bin ich in der Lage Ihnen einen weit kürzeren und bessern Weg als über W. anzugeben. Ich bitte Sie, hier etwa hundert Schritte zurückznreiten, und das Schneefcld dort quer zu durchschneidcn. dann gelangen «sie aut die Hauptstraße, die sie Ihrem Ziele rascher näher bringen wird, als die von Ihnen beabsichtigte." Ter Graf und der Prinz hatten keinen Grund anzunehmcn, daß Horneck bezwecken könne, sie irre zu führen, sie aus ihrer Richtung abzulenken; sie ritten von ihm begleitet zu der von ihm angegebenen Stelle zurück, wo sich in der Thar rin Seitenweg befand. „Schönen Tank, Baron", sprach der Rittmeister, als sie sich trennen sollten. „Auf baldiges Wiedersehen vor dem Feind!" fügte der Prinz hinzu und reichte Horneck die Hand, dieser zog feine Rechte widerwillig und zögernd unter dem Tragoncrmantel, in dem er cingehüllt war, hervor, er wollte sie nun auch dem Grafen reichen; aber dicfcr schien sie nicht zu bemerken Mid sprengte nun ohne weiteres Abschicdswort davöst. .. „Sie, Graf", meinte der Prinz, nachdem die Beiden einige Minuten schweigend nebeneinander* geritten, „warum haben Sie denn nicht de» BarouS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.