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Der Israelit · 1887-01-06 · Heft 2 (6.1.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 2 (6.1.1887)
Date
1887-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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XXV1IL Jahrgang. Kerlage zu Nr. 2 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. München. Der Münchener Parsüme.ic-Fabrikant Krön hintcrlicß cm Legat von 139,000 M., deren Zinsen alljährlich zur Hälfte an israelitische Bedürftige, zur anderen Hälfte an die Stadtarmcu zu vertheilen sind. Mayen, Ende Dezember 1886. Der hier seit -4 Jahren bestehende Verein zur Unterstützung auswärtiger durchreisender jüdischer Armen wurde im Lause des nunmehr abgclaufcncn Kalenderjahres von 400 Armen besucht und wurde» im Ganzen M. 853.15 hierfür verausgabt. — Im Interesse der Armen wäre jedenfalls zu wünschen, daß ähnichc Vereine allerithalbru bestehen würden. Pose«, im Dezember. Statu man den Antisemitismus sich breit machen und in der Presse das dem Juden Heiligste in den Staub zerren sieht, so muß wohl Jeder, der nur ein Fünkchen von Liebe für das Judcnthnm hat, cs für seine Aufgabe halten, zur Stärkung des Judenthums bciznrragcn: denn 'y *c *:n ln. Und wodurch geschieht dies in erster Reihe? Indem man für Verbreitung der die Interessen desselben vertretenden Blätter sorgt. — Hierin inächt man in Posen keine guten Erfahrungen: denn hier, wo von jeher der Hort des Jndcnthums war, herrscht in dieser Beziehung eine Indifferenz, wie sic nicht krasser gedacht werden kann. Bon den zahlreichen hiesigen Juden hält nur ein verschwindend kleiner Theil ein jüdisches Blatt und selbst in den 4 jüdischen Rest auro Ms und in dein zum groben Theil von Juden srrqucniirlen Lokalen sucht man vergebens ein jüdisches Blatt; findet aber berüchtigte Auriscmmnblätter. — Kein Katholik oder Pole würde ein Lokal besuchen, indem er nicht seine Blätter findet; den Juden 'aber lässt es kalt, wenn er fast überall seine Blätter vermißt. Nm - das bekannte (5 oft* Tomski macht eine rühmliche Ausnabmc: hier ist wenigstens der »Israelit* zu haben. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, daß die Verhältnisse sich hier bessern. y. Rußland. Warschau, 27. Dez. In der Angelegenheit der ausländischen jüdischen Kauflcutc meldet die .Pos. Z.* noch, daß die Magistrate von Warschau und aller ankeren polnische» Städte die Ausfolgnng von Handclskonzessione» sog. Patenten an ausländische Juden mit der Erklärung verweigern, da solche künftig nur auf spcciellcn Befehl des FinanzministerS ansgcgcbcn werden dürfen. In Folge dessen haben sich die betroffenen Kaufleute thcils direkt an das Ministerium nach Petersburg gewandt, thcils durch Vermittelnng des Auswärtigen Amts in Berlin mit entsprechenden Bittschriften, deren Resultat nunmehr abzuwarten ist. Ter Finanzministcr ertheilt die Erlaublliß prinzipiell nur dann, wenn, der Bittsteller nachwerst, daß seine Thätrgkcit .dem Lande nützlich* ist. A l g e r i e u. Udschde, im November. Unsere Stadt hatte vor Kurzem die hohe und seltene Ehre, de« Scherif von Wazza», welcher das geistliche Oberhaupt der Mohamedaner Marokko'S ist, sammt dessen Frau, einer geborenen Engländerin, die früher Gouvernante in Gibcraltar war, in ihren Mauern begrüßen und beherbergen zu können. Ist nämlich der Sultan von Marokko das weltliche Oberhaupt und der erste Richter der Mohamedaner seines Reiches. so ist dessen Vetter, der genannte Scherif, der gleich dem Sultan vom Propheten Mohamed abstammt, deren geistliches Oberhaupt, deren Lehrer, Leiter und Ausleger der heiligen Gesetze. Aber trotz seines heiligen Amtes cntblödet sich der Scherif nicht, die Gesetze des Korans öffentlich zu übertreten, da er eorsm pnblico Wein und andere geistige Getränke zu sich nimmt und sich sogar, wie schon erwähnt, mit einer Ehristin vermahlt hat, die noch heule eine strenge Anglicancrin ist und hie und da auch für eine englische Zeitung corrcspondirt. Diese Gcsetzesübcrschreirnn.qcn rhu» aber dem geistlichen Ansehen des Scherif» nicht den geringsten Abbruch, da die Mohamedaner sagen, sein Ahnherr Mohamcd werde ihm schon mit einem Schwamme alle Sünden wcgwaschcn. He,»er wollte nun der Scherif mir seiner englischen Gattin die Brüder von Tafna im Westen Algeriens besuchen und legten sic die Reise dorthin aus Kameclcn zurück. Auf dieser Reise passirten sie auch unsere Stadt, die hart an der marokkanischen Grenze liegt und wurde der Scherif hier sowohl von de» Moslims,. wie auch von den Inden und den wenigen französischen Beamten auf's Ehrfurchtsvollste begrüßt. Bei den

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