Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1887)
- Date
- 1887-01-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449700--25669-2515437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
31 Hand angenommen, als er sie Ihnen reichte. Das schien mir nicht absichtslos. ... Sie waren auch — so kurz die Zeit war, Hab' ichs doch bemerkt — plötzlich wie umgcwandclt gegen ihn ... . was hat das zu bedeuten?" „Das hat zu bedeuten, daß ich in dem Momente erkannte, daß unser ehemaliger Kamerad Horncck — ein Schurke ist. Als er uns die Hand zu reichen seinen Maure! lüstcie, sah ich, daß er unter dcorsclbcn nicht die Uniform, sondern die Kleidung eines Försters trägt. Der Offizier unseres Regimentes, der irr Pesth ein Mädchen verführte und sein Wort gebrochen, hatte sich, wie Sie, Durchlaucht, sich noch niniidi: werden, inner falschem Namen und der falschen Angabe, er sei ein Förster, in die Familie cingeschlichcn. Ich kenne jetzt den schändlichen Verführer: Horncck wandelt offenbar auch jetzt nicht auf rechten Pfaden. In Postwitz trug er die Uniform, er hat in der kurzen Zeit unterwegs seine Kleidung gewechselt .... das hat etwas, und zwar nichts Gutes zn bedeuten Es ist ein Glück für Horncck, das ich übersetzt wurde, mit dem Alrhcrm schluckte eine derbe Bezeichnung hinunter, «hätte ich nicht eine Minute länger zusamurcngcdrcut." «Lieber Gras, sollen Sic nicht unsere braven ehemaligen Kameraden von den Dragonern davon verständigen?" «Durchlaucht, ein Altheini ist kein Delator — ganz bestimmt auch ein Koltern-Moggcudorf nicht — nicht wahr?" «Graf Allheim!" rief der Prinz enthusiastisch, «mein Großpapa halte recht, als er mir Sie zum Muster empfahl. Sie sind ein echter Edelmann, wie er im Buche steht .... ich bin hall doch nur ein turbnlantcr Bursche ohne Erfahrung, der stets seiner ersten Eingebung folgt. . . . Jede Wette möcht' ich halten, der Großpapa hat cS deßhalb durchgesctzt, daß ich zu den Uhlanen transscrirt wurde, damit ich nicht von Ihnen getrennt werde." ♦ * . * Wieder athmetc Horncck rief auf, als er allein auf dem Schauplatze fernes mißglückten Verbrechens geblieben war. «Der Angstschweiß ist mir ausgcbrochen", murmelte er. «als die Beiden hcransprcnglcn. Wenn sic den Klotz da auf der Erde bemerkt hätten, hätte dies zu verfluchten Auseinandersetzungen geführt, ich mich trotz meiner Schlauheit verreden können. Hm! was war das, Allheim, sonst die pcrsonisicirte Höflichkeit, das zuckersüßeste Wohlwollen, wies meine Hand zurück? .... Herr Gott sapperment! jetzt fällt« mir ein! Trotzdem ich den Dragonermtmlel möglichst wenig lüftete, nmß er doch meinen Försterauzng erblickt haben. Allheim hat Augen wie ein Luchs! Das mußte ihm doppelt euffallen, einmal die Verkleidung überhaupt, und dann gerade der Förstcranzug! .... Aber ich hatte keinen aodem Eivilanzug, der vermaledeite Schneider Tufchek hatte mir den von mirbcstcllten noch nicht gebracht fatale Situation!" er zerrte an feinem langen Schnurrbarte, daß er sich ganze Haarbüschel ausriß ... . «Herr Gott! .... freilich vom lieben Herrgott, darf ich bei solchen Dingen auf keine große Unterstützung rechnen .... so soll mir diesmal der Teufel glücklich aus der Patsche helfen, sonst könnte bei Gott, die Geschichte ein miserables Ende nehmen! Wenn die schöne Sara vor Schrecken den Tod davon trägt, so würde der starke Bär, das höchst ungnädig aufnehmen, er hat mirs ja heilig versprochen, und ich kenne ihn ja ... . der wiirhcnde, gewaltige Mensch würde sich nichts daraus machen, mir mit seinem Knittel, wie einem tollen Hunde den Schädel zu zerschmettern. Wenn er cs aber vorzicht beim RcgimentSkommandanlcu eine Anzeige gegen mich zn erstatten, so kann cs mir auch da verzweifelt schlecht ergehen! Wenn man die volle rnude Wahrheit erfährt, kann ich infam kassirt und auf zehn Jahre auf die Festung kommen. Der Nikolaucr kann auch plaudern und auf die richtige Spur führen. Herr Gott, das war dumm und lcichtsiuuig von mir, daß ich dem hulldSföttischcn Trunkenbold zu viel. Einblick in die vermaledeite Geschichte gewährte; — aber dcr.Duurmkopf ist mir daun zu fürchten, wen«! Michael ftlrin gegen mich austrilt; dem muß ich so rasch als möglich zuvorkommen, der muß unschädlich gemacht werden. Zum großen Glücke ist mein Vater Bürgermeister und Iustizchcs in W. — Vor allem muß ich, damit kein Verdacht geweckt wird, rechtzeitig zur Visirirronde eintrcffcn. — dann weck' ich meinen Allen aus dem Schlaf. Seine Zärtlichkeit gegen mich hat allerdings sehr stark abgcnommen, und ich bin nicht ganz schuldlos daran; aber er wird feinen Einzigen doch nicht in einer so jämmerlichen Patsche stecken lassen. und meiner Rettung zu Liebe eine kleine Unregelmäßigkeit nicht scheuen; — es ist nicht die mir feines Lebens, und wird, wenn ihm Gott langes Lebens schenkt, auch nicht die letzte bleiben!" Ter herzlose Mensch wandte sein Pferd der Stadt zn und sprengte, — ohne sich um den erkauften Genoffen seiner Schandthat zu kümmern, im schärfsten Galopp davon. (Fortsetzung folgt.)