Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1887)
- Date
- 1887-01-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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25 rasche Tödtungsart, sondern ist auch, bei gehöriger schmerzloser Vorbereitung als die am wenigstens schmerzhafte zu bezeichnen, weil es ohne Gchirnvcrlevung durch Gchirnverblutuug sogleich Bewußtlosigkeit herbciführt, folglich jedes Schmerzgefühl anshebt". Herr Dr. Hcrtwig schreibt: „Ich halte das rituelle Schlachten für keine Thicrquälcrci, sondern kann mein Gutachten dahin vervollständigen, daß ich das gedachte Tödtungsvcrfahren nicht für qualvoller, sondern weit eher für humaner halte, als die übrigen Schlachtmethoden .... Ich habe wiederholt gesehen, daß von 2 Rindern, welche gleichzeitig das eine nach jüdischem Ritus, das andere durch Stirnschlag getödtct werden sollte, das erste bereits ein e geraume Zeit todt war, als das zweite unter fortgesetzten Betau bungsversu chen,td.h. unter fortgesetzten wuchtigen Schlägen mit einem schweren eisernen Hammer) noch lebte und vor Schmerzen stöhnte." Medizi,lalrach Prof. Tr. Richter schreibt: „Ich halte die gut ansgcführte Schächtung nicht für ciucThierquälerei, förderen Annahme mir immer die Absicht ullcin entscheidend ist. Wie kann man die Jagd, namciitlich die der Sonntagsjäger erlauben, wenn man das Schächten verbieten will? Zur Qual gehört der Schmerz und ein todtwund geschossenes Thier empfindet ihn gewiß schwerer, als ein regelrecht geschachtetes. Ter Versuch, einer anerlannten, seil Jahrhunderten geduldete», feit fast Jahren als gleichberechtigt anerkannten 3!eligionsge»offenschaft die Ausübung ihrer Religionsgcbräuchc zu beschränken, halte ich für unsittlich und für eines der Zeichen verwirrten Rcchtsbcwußtscins im Volke. Prof.Zürn endlich erklärt in seinem ausführlich begründeten Gutachten: „Das Schächten ist eine der besten Schlachtmethoden, die cs gibt. Das Schächten dauert nur kurze Zeit und hat schnellen Tod zur Folge, denn das richtige Schächten genau nach den israelitischen Vorschriften ausgcsührL, dauert wenige, bis höchstens zwanzig Sekunden, das Verbluten I bis 2 Minuten; soviel Blut, daß da« Thier bewußtlos werden muß. strömt aus den zerfchnittcucu Halsadern innerhalb 20—30. h ochsten? 4T> Sekunden ..... So lange in Deutschland der Gebrauch des Veiles zum Fällen der Schlachtender geduldet wird, so lange noch der Bruststich oder Keblschnitt bei Schlachtschwcincn, ohne daß vorher in richtiger Weise Betäubung der letzteren ermöglicht wurde, nicht verboten ist, so lange man noch Kleinlhiere, die oft grausam geknebelt und roh aus den Schrägen geworfen werden, zu lödten sucht. indem inan bei ihnen ohne Weiteres eine» langen Schnitt in die Haut des Halses über der Droffelvcne, der Längsrichtung des Gesäßes entsprechend, macht, dann die Halsadern hervorzieht und von ihnen ein Stück ausschncidet, damit Verblutung er» folge, so lange haben wir die Mißstände im eigene« Hause zunächst zu beseitigen, damit unS das Wort „vom Sehen des Splitters im Auge des Nächsten und vom Nichlschen des Balkens km eigenen Auge" berechtigter Weife Glicht zugcrufen werden kann." Es ist ein hochcrhcbendes und ergreifendes Gefühl, von den gcfcicnstcn Fachgroßeu der Gegenwart die Dortrcfflichkcit des uns vor Jahrtausenden gebotenen SchächtenS rühmen zu hören in einer Zeit, wo verlogene Gehässigkeit auf der einen und schmachvolles Dcnunziantcnthum auf der anderen Seite dieses Ncligionsgefetz verkästem, verketzern und aushcbcn möchte. Auch dieser Ansturm wird unter des Allgüiigcn Beistand siegreich abgeschlagen werden; wenn nicht Alles trügt, wird die famose Bittschrift der Thierschutzvereine bereit? in der Pctilionscommissiou „auf ewig begraben" werden. Bl. Egypten. Kairo, 16. Dezember. Aus Alexandrien wurde Ihnen vor einiger Zeit geschrieben, daß der Antisemitismus auf seiner Rundreise um die Welt, nun eben in Egypten eingctroffcn sei, da zwei französische Journale des PharaonenlandcS jetzt ankündigen. daß sie Drumont'S „La France Juive“ als Feuilleton bringen werden, und besürchteu daher die egyptische« Juden, daß baldigst auch irgend ein Hofpredigcr hier in Kairo, statt von der Kanzel herab die schönen und erhabenen Lehren Mohamed's von Menschenliebe und Duldsamkeit zu predigen, gegen uns arme Nachkommen Iakob's kosdouncrn und zu unserer Ausrottung auffordcm werde. Unsere Glanbensbrüdcr im Abendlande dürften beim Lesen dieser Alexandriner Eorrespondcnz sogar schon geglaubt haben, daß baldigst auch in den Straßen Alexandriens und Kairos arabische Placate mit der Auffordrung: „Kaufet nur bei Mohamedanern" zu lesen sein werden und daß schließlich der Schcikhul- Islam (Oberhaupt der mohaulcdanischcn Religio«) hier, um dem Zcitgciste Rechnung zu tragen, einen mohamcdamschsocialen Arbeiterverein stiften werde. Weit gefehlt! Egnpten ist durchaus nicht der Boden dazu. in deoi der giftige Same des Antisemitismus Wurzeln schlagen und wo die böse Fmcht der Unduldsamkeit nnd des Glaubenshasses sprießm und gedeihen könnte. Jene zwei französischen Blätter, welche geglaubt haben, mit der Veröffentlichung von Drumont's Machwerk ein gutes Geschäft zu