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Der Israelit · 1887-01-06 · Heft 2 (6.1.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 2 (6.1.1887)
Date
1887-01-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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26 machen, hatten sich gewaltig getäuscht, da ihre jüdischen Abonnenten ihnen sogleich den Nucken zuzukchrcn anfingcn und die Mohamedancr, die doch gleichfalls Semiten sind und daher wohl wissen, dass der Antisemitismus auch gegen sic gerichtet ist, diese Blätter mit Bcrachtung beiseite legten. Sagte doch Sc. Hoheit der Kcdive selbst zu einem hier etablirten italienisch-christlichen Banqnicr: „Tic Rcdacteure dieser zwei Blatter, die doch nur cingcwandcrte Fremde sind, vergelten sehr schlecht die ihnen von meinen duldsamen Untcrthancn erwiesene Gastfreundschaft, da sie jetzt zwischen denselben, die bisher, trotz der gewaltigen Verschiedenheit ihrer Nationalitäten und ihrer Konfessionen friedlich und ruhig nebeneinander gelebt haben, Zwietracht, Haß und Verfolgungswahn säen wollen." Nun, cs hat sich deutlich gezeigt, daß der Antisemitismus das egyptische .Stlinm nicht zu ertragen vermag, und daß er am besten im Norden und Lstcn Europa'» gedeiht, wo bigotte Pastoren und fanatische Popen dadurch ihr Ehristcnthum zu manisestircn glauben, wenn sie Bürger gegen Bürger, Menschen gegen Menschen Hetzen und zugleich auch hoffen, den bei ihrer Heerde langsam erkaltenden Glanbensfanatismu» durch Hcpp - Hepprufe wieder anfstammen zu lassen. Aber nebst dem Antisemitismus kann auch eine andere au» dem Norden Europa'» nach Egypten ringcführte Frucht hier nicht gedeihen, und dieses ist die Lcclcufängcrci. Merkwürdig.' Im bcnachbartcn Palästina, das doch beinahe unter demselben Breitengrade liegt, wie Egypten, kann sich der Missionsschwindcl nach Belieben breit machen und Wurzeln treiben, während er hier am Nilnser elendiglich verkümmern muß. Welchen itötcr werfen doch die englischen Missionäre hier täglich aus, um irgend eine jüdische Seele zu fangen, aber immer vergebens. Man siebt ctz deutlich, daß eine gute Schulbildung und ein ordentlicher Brodcrwerb die besten Schutzmittel gegen die Machinationen und Lockspeisen der englischen Missionäre sind. Ter egyptische Jude, der gewöhnlich aus einer höheren Bildungsstufe steht, als der palästinensische, rumänische und polnische Glanbensgenone, und von Jugend auf zu einem anständigen Broderwcrb ungehalten wird, lacht dem englischen Missionär, wenn dieser ihm seinen verlockenden Köder vorhält, keck in» Gesicht und sagt sogleich: Sie, Reverend selbst, der sie doch gewiß früher ein polnischer Bettler oder sonstiger Vagabund waren, haben sich ja nicht ans Ueberzeugung.' sondern des lieben Geldes halber taufen lassen; behalten Sie daher den Ihnen mit Gyldleim aufgcklebtcn Glauben, und ich behalte den von meinen Voreltern ererbten!" — Vor einigen Wecken weilte ein Jude aus Italien in unserer Sradr,. der sich mit dem Plane trug, hier eine jüdische Wochenschrift in italienischer oder französischer Sprache erscheinen zu lassen. Man rieth ihm jedoch ernstlich von diesen! Vorhaben ab, da er schwerlich in Egypten die für ein noch so bescheidenes Wochenblatt nöthige Anzahl von Abonnenten finden werde. Er begab sich hierauf nach Alexandrien, wo cr eben noch weilt, um dort die jüdisch-localen Verhältnisse zu prüfen. Jedenfalls wäre cs praktischer, hier eine jüdisch-arabische Zeitschrift in'S Leben zu rufen, die nicht nur in Egypten, sondern auch in Syrien. Arabien, Tripolis, Tunis, Algier und Marokko Leser finden würde, und erhielten unsere Glaubensgenossen in diesen Ländern so zugleich auch ein Mittel an die Hand, um sich auch die arabische Schriftsprache gehörig eigen zu machen. — Seitdem die Engländer Egypten förmlich in eine von ihnen abhängige Eolonie nmgewandelt haben, wird ihre Sprache nun auch in unseren Schulen eifrig gepflegt und auch in den jüdischen Familienkreisen sängt das Englische jetzt an, aus Kosten dcS Französischen und Spaniolischcn, Umgangssprache zu werden. Läßt doch jetzt auch unser verehrter Ehacham-Bafchk seine Kinder in der Sprache AlbionS unterrichten, damit dieselben so mit der Sprache, die bald die zweite de» Niüandcs sein wird, bekannt werden sollen. — Tic Gemeinde in Suez^ wo noch vor zwanzig Jahre« nicht ein Jude anzutreycn war, vermehrt sich. Dank der Lage d». '°r Stadt am Rothen Meere und am Snczkanale, zusehends von Tag zu Tag und denkt dieselbe schon daran, sich ein anständige» Gotteshaus zu erbauen und in demselben zugleich einen ordentlichen Hasan anzustellen. Feuilleton. Die Corrvertttin. von Friedrich Rott. 2. Kapitel. Es war in den späteren Abendstunden, die Donmhr hatte bereits zehn geschlagen, als Pater Ansclmo mit seiner Begleiterin das mehrfach erwähnte Schaukloka! betrat. Ter Geistliche verlangte in das Zimmer geführt zu werden, in dem er gestern die Iudenfrau gesprochen, und schien sehr enttäuscht, als cr dieselbe noch nicht anwesend fand. Sollte die Jüdin sich eines Andern besonnen haben? — Er hätte da» zwar nicht fiir möglich gehalten, d«m die Habgier hatte der Elenden aus den verschmitzten Augen geleuchtet. — Aber sie hatte zugesagt, um drcivicncl auf Zehn mit dem Kind an £rt und Stelle zu sein, und nun war zehn Uhr vorüber, und sie war noch nicht da. „Wer wird von solchen Leuten Pünktlichkeit erwarten." meinte die Kammerfrau, höhnisch die

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