Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1887)
- Date
- 1887-01-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Vätern. Niemand, selbst der Frömmste nnd Heiligste unter den Menschen, kann sich mit der Hoffnung schmeicheln, dem physischen Tode zu entgehen. Wohl heim es rr« mp „hoffe zum Ewigen." Ter Anne mag hoffen, da» er reich, der Schwache, da» erstark, der Kranke, da» er gesund werde, der im Kerker Schmachtende, da» er die Freiheit erlange; aber dem Tode zu entgehen, gibt es keine Hoffnung; denn selbst Moscheh, der göttliche Mann, mit dem der All heilige gesprochen vou Angesicht zu Angesicht, mutzte der Auflösung cntgegengchcn, da seine Stunde gekommen war. Daher soll der Mensch sein Leben nutzen, solange es noch Zeit ist. und so hat auch Salomo gesagt in seiner Weisheit (Kohcleth ('. 9, D. 10) mrx *2 nrp 722 n*r*;2 7p sscn, „Handle, solange du noch die Kraft hast, zu arbeiten," gieße Del in die Lampe, solange sie noch brennt; denn, wenn sie erloschen ist, so nützt das Oel ihr nicht mehr. Ta nun der Mensch den Zeitpunkt, in welchem der Tod an ihn heranlritt, nicht kennt, so ist er verpflichtet, jeden Augenblick seines Lcl ens zu nützen, um sich für das künftige Leben vorzubereiten; daher heisst cS zby t;* nnj® „von nun an, bis in Ewigkeit." Tie rasch verschwindende Gegenwart ist der Zeitpunkt unsres Handelns und Wirkens; der ungenützt vorübergegangene Augenblick kehrt nicht wieder, und doch ist die dahinflicgcnde Gegenwart das einzige Mittel, das ewige Leben zu erlangen, rvxs, sei jetzt thätig und erforsche dieGotteslcbre, versäume jcr?t nicht, das GottcSgcbot zu üben, das sich dir darbictct; rbjf nyi dann wird dein Forschen und Wirken die Brücke sein, die dich über den Tod hinaus der Ewigkeit zusührt. To lehren auch die Weisen (Ialkut zu Mischle E. V, B. 9): „Gehe hin zur Ameise, du Arbeitsscheuer:" Rabbi Ichuda sagte: Dereinst, am Tage des Gerichts, werden die Vcrurthciltcn sprechen zum Heiligen, gelobt sei Er: O, laste uns aufs Acne das Leben beginnen, und wir werden es bester gestalten! — Gott aber spricht zu ihnen: Ihr Thoren, die irdische Weil gleicht dem Nüstlage zürn Sabbat, und die künftige Welt gleicht dem Sabbat: wer am Rüsttage nichts bereiter hat, woher soll der am Sabbat zu effen nehmen- Wer aus dem Laude nicht für Proviant gesorgt hat, wie kann er auf dem Meere seinen Unterhalt finden - Wer im Frühling und im Sommer nicht gcsäet und nicht gccrntel hat. wovon soll er im Winter leben? — Daher warnt der weise .stönig und spricht: Gebe hin zur Ameise, du Arbeitsscheuer, siehe ihre Wege nnd tvcrdc weise: Mein Herrscher, fein Aufseher treibt sie zur Arbeit au, und doch sammelt sie im Somuicr für den Winter ihre Speise. Unsre Aufgabe auf Erden ist es, den Ruhm unsres Schöpfers hieniedeu zu verkünden, durch ein nützliches, thätiges, gottgefälliges Leben Seine» heiligen Zwecken zu entsprechen. Hat Er uns detzhalb so herrlich gebildet, mit so unendlich großen und wundervollen Anlagen ausgcstattet, uns Geist ckngehaucht von Seinem Geiste, damit wir leben, um zu srcrben, um nach einem unnützen Dasein in die Grube zu fahren? Ter Mensch, welcher nur lebt, um zu genietzen, dem alle höheren Zwecke des Daseins fremd sind — er lebt nicht, er stirbt fortwähreud; er steigt nicht empor, er fährt hinab; sein ganzes Dasein ist nichts als ein beständiges in die Grude fahren. Daher sagt der königliche Säuger: ren 'tv.' 22m wnc-nsn >6 nicht die, deren Leben ein fortgcscmcs Sterben ist, entsprechen den Zwecken des Schöpfers, auch nicht diejenigen alle, deren Dasein keinen andern Zweck hat. als zum ewigen Schweigen in die Gruft zu fahren, uruse* rä -gn nrj» rr 722. Wir aber wollen dem heiligen Ziele zustrebcn, Gottes Namen auf Erden zu verherrlichen, nnys, wollen jeden Augenblick unsres Erdenwallens benutzen *g;i, da» es uns zum ewigen Leben führe, von dem es heißt: „damit Dich preise meine Seele und nicht schweige erp sei, Herr, mein Gott, ewig will ich Dich bekennen." (Fortsetzung folgt.) Aas Kerrnächlniv Jakoös. Von David Mannheimer. Entzückend ist das Bild der Natur, wenn es im ewigen Wechsel am menschlichen Auge vorüberglcitct. entzückender, wenn es vom urenschlichen Geiste betrachtet ein Spiegelbild der Seele uns gewährt, die feinst und blüht und welkt, wenn ihre Frucht gereift, doch nie erstirbt, wenn sie auch ihres äutzere» Schmuckes beraubt. Die Natur, die uns so lange mit ihrer Blüthenpracht ergötzt, mit ihren Gaben gesättigt, sie muß, wenn ihre Früchte gereift sind, die Thätigkeit einstcllcn. Doch der Herbst geht dem Winter voraus. Tenn bevor die Natur in den tbaienloscn Winter einzicht, hat sie, was sie an Früchten gezeitigt, in vollem Matze dem Menschen gespendet, damit er von ihren Gaben genieße und frei von jeder ^Sorge um sein täglich Brod vou ihrem letzten Segen nbernänst» auch ferner froh im kahlen Winter sich erquicke, wenn sie, die Spenderin, zu wirken selber aufgchört. Achnlrch wirkt der Mensch. Er blüht nnd strebt und ringt nach irdischen Gütern, und stirbt sein Schmuck, ergraut sein Haar, und kommt die Zeit des ewigen ^Schlafs heran, die feiner Thätigkeir ein Ziel gescer. so spendet er zurrst noch rasch die Gaben, die er in seinem Leben mit Dküh und