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Der Israelit · 1887-01-03 · Heft 1 (3.1.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 1 (3.1.1887)
Date
1887-01-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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10 christlichen .Urturjtugungrnvrrnnbarlich finden, Secliorgtr einer — jüdischen «Gemeinde zu sein, das Aml eines .Rabbinerszu bekleiden und;u brba'.rcn? Durch sein .radkinisches- Aml allein. Lurch de» ralmudifchcn Titel, welchen er mit besonderer Bkionung vor der Ccricntlidiftit lrägl, negin und verleugnet er daS «^Kriüenrbum. zu dessen .Wahrdeirmer sich bcicnnr. Urin tzkwisftnhasur t'btift, welcher mir seiner religiöse« Uebcrzeugung es ernst nimmt, wird rS über sich gewinnen, .rabdrnische- »Znnclionrn zu verleben. Wir wissen nicht, vd Herr '.'ichienstein dir Tauft bereits «mpsangnr hat — wenn etwa dir Rncküchrrn für sein Aml ihn zurückgehalren haben, so wäre das noch weniger moralisch. Indessen, in wie weit dieser Herr den Pflichten gegen seine christliche Religionsüdrrzrugnng gerecht wird, rnt-iedl rech unserer Lrunhcilung. Was wir aber vor Allem nicht begreifen, was man von allen Leiten mit steigender Entrüstung fragt, und das religiöse t^rwisien zahlreicher l^laubensgerrossen beunruhigt und mit Bekümmernist eriüllr, ist, wie rin Mann. welcher öffentlich belennt, von Len Wadrheiren des Gbristcnihums durchdrungen zu sein, eS trovdrm für moralisch hält, verträglich mit den Bcgriiftn von Anstand und Rechtlichkeit, rin raddiniiLcs Amt :u behalten, dessen Ausgaben und Pflichten er, auch den guten Willen vorausgrictzl, nicht mehr gewachsen ist? Zwilchen den reljn/öirn Postulaten seiner alten «Gemeinde und der von ihm plötzlich gkwonnentn neuen Rrligionsüberzrugung bat sich ein sckarftr ^egeniap ausgebildet, welchen zwei Zalinanftnde nicht baden ansgleichcn können. Wie kann er fürder rin Amt verwalten, in welchem er berufen ist, das religiöse gewissen seiner Gemeinde zu »kpräftmirrn und Östenllich zu verdolmetschen? Gnu breite Jtlufx hat sich cirigttban zwischen ihm und dem Iudenthum. Wie will er rin Lehrer des Juderubums fein und (»in anderer Ghrgeiz ist es übrigens. welcher diesen Mann zu brseclen scheint. A:n ruddinischem «Gebiete zu unwissend, um sich einen Romen zu schaffen, nach welchem er sich in Sehnsucht verzehrt, mustre er «was anstellen. was noch kein Jude und kein tshrist grrhan, als .Rabbinerdas .Zeugnis:- — für das GKristenthum oblegen, um sich iolcher An .unsterblich-;u machen. Rur täuscht er sich, der Anne, er wird seinen Ruhm ganz gcwist überleben. Das Indcmhnm ba: leine .ftetzrrzcrichrr, keine kirchlichen Strafen ln neu unirrr Apostaten. Für den Deiencnr vor Andrnch der Schlacht bet die heilige Schrift {einerlei Straft verhängt; Herr pichrrnstein wird durch uns nicht znm Marinier werden, wiewohl er nach dem Ruhme eines solchen schmachi« und alle Anstalten genossen hat. .verfolgtzu werben. um bei seinen allzu mager gerarhenrn Kenntnissen in der Theologie und Wissenschaft wenigstens mit dem blendenden «^lanz eines bereits srnigen Heiligen in die Psorrcn der rcichdorineu Kirche cinzuzicdrn. Rein, kein Versuch sei unternommen. seine christliche .Urberzcugungzu crichüncri:; wir wünschen von ibm keinen Widerruf, und keinerlei Zwang sei seinem .tvcwisjenangerban; er bar an der christliiben Aaxva der Seligkeit Gefallen gesunden,, so folge er ungrstön dem Zuge seiner, fcommen G'cmülbes: das Zudenthinu verliert in ihm weniger als — nichts. Möge er in Frftven aus unserer Mine ziehen' Wir wollen ihm' sogar gute Gmpsehlungen mitgeden! Als .Bczirksradbinrrater die .Wahrheitendes Gbristentbums predigen, hristt das Penrauen seiner «Gemeinde, die ihn gewählt bat, schnöbe mi>:d«r»chcn. Girren solchen Prnraunrsbruch wird und must jeder sLlichre Meirich, vd Jude oder Gdrist, als unmoralisch, als Pcrrug v'rdarnmrn und vrrurrdcileu. Kaum war die „Ocsterrcichische Wochenschrift" mit dem vorfrchcnden Artikel versendet, als mir die sogenannte „Israelitische" Wcchenschrist des sogenannten „Nabbiners Dr.R a hmer in Magdeburg" zugcstellt wurde, in welcher ich folgendes wörtlich lese: .Uebrigrns m-:chl Heer Dr. Bloch jetzt wieder durch einen sehr urivorstchrigrn ausfälligen A.rikel gegen die protestantische Mission in sehr unliebsamer Weift hier von sich reden. Man gibt sich lvon jüd. Seile Mühe, die Angelegenheit gütlich bei» zultgen. sollte es jedoch nicht gelingen, so dürfte ne vor dem Richter zum Ausrrag gelangen: Solche sensationelle Rrligionsprozefft mögen dem Federheldcn. der gern von sich reden macht, willkommen sein, der jüd. Eeiamm'heit sind derartige Provokationen. besonders in grgcnwäriigcr Zeit von grostem Rachlheit. sie stören dm couftssionellen u»td sozialen Frieden, dessen wir so sehr bedürscn.- Ich betone nochmals, daß ich abgesehen von obigem Artikel gegen L. eine Enuuciation, welche allerdings der Missionsgesellschast unwillkommen sein mag — gegen diesen Lettern im Lause des ganzen Jahres keinerlei Artikel publicirt habe; der unwürdige Aawnrf zielt also nur gegen diesen, und ihn nennt der Magdeburger „Rabbiner" eine Provokation. Nach der Meinung der „Israelitischen" Wochenschrift soll nian demzufolge auch Missionäre im rabinischen Amte belassen, und nur ein „spcderheld, der gern von sich reden macht", kann daran öffentlich Anstoß nehmen. Durch einen notorischen Missionär, durch einen Apostaten jüdische Trauungen und Ehescheidungen vollziehen zu lassen, wird zweifellos die sattsam bekannte theologische Gelehrsamkeit des Magdeburger „Rabbiners" zn rcchtfertigcn wissen. Indessen ist cs eine Lüge, dass die Angelegenheit jenes Artikels „vor dem Richter znm Ansrrag gelange" und „daß man sich von jüdischer Leite Mühe gibt, die Angelegenheit gütlich beizulegen." Diese erlogene Darstellung hat offenbar den Zweck, die öffentliche Meinung, welche mir Ungestüm die Entfernung jenes famosen „Bezirksrabbiners" fordert, durch die Drohung mit einem Prozeß cinzufchüchtern, für welchen jede Basis diesmal fehlt. Nebenbei erzählt die „Israelitische Wochenschrift" ihren Lesern eine Unzahl anderer Lügen: Ich dankte meine Wahl in den Rcichsrath bloß dem Prozesse Rohling, die Wahl wäre noch nicht agnoscirt, weil „erwiesener Maßen und wie aus den Erhebungen hcrvorgcht, über 200 Tobte M_ jenem Wahlakte mitgcstimmt" hätten; ferner hätte ich „einen geistlichen Herrn Kspaczvns!:, den: die Berichterstattung über die Wahl zustehl, darum ersucht, die Lache doch endlich vor das Plenum des Hauses zn bringen" bei welcher Gelegenheit ich erklärt hätte: Tic Juden glauben nicht an die Amersrchung! Lelbstverstäudlich ist das Ganze vom An-

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