Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1887)
- Date
- 1887-01-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449699--25644-2515411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVNI. Jahrgang." Erste Beilage zu Nr. 1 des Israelit. Leitender Artikeln Ein ungarischer HZezirKsraööiner als Missionar und dessen Beschützer in Magdeöurg. (Dom Reichstagsabgeordneten Dr. B l o ch.) Wien, 27. Dezember. Erlauben Sic mir, Ihren geschähen Lesern, überhaupt der öffentlichen Meinung des deutschen Iudenthums, eine Angelegenheit zur Kcurrheilnug vorzulegen, welche zahlreiche glaubensgcnössische Kreise in Oesterreich und Ungarn schmerzlich berührt und auch Ihre Aufmerksamkeit und Ihr reges Interesse verdient. Es war vor einigen Wochen, daß ein geachteter Mann aus Triest mir über eine „mit hebräischen Eitaten und Zuthatcu" voll gespickte Missionsschrist, welche dort in zahlreichen Exemplaren colvorürt wird, mit dem Ersuchen Mittheilnng gemacht: ich möchte über den Autor dieser sonderbaren Schrift, als welcher sich ein I. Lichten stein, angeblich amtircnder Bczirksrabdiner in Tapio-Szcle onsgibt, Auskunft erthriten. Bald kanr diese Missionsschrift auch in Wien in zahlreichen Exemplaren zum Vorschein und eingehende Erkundigungen über den Verfasser ergaben, nach genauen Informationen von maßgebenden Persönlichkeiten in Budapest, daß derselbe thatsächlich in Tapio-Szele, einem Torf von 4—5ooo Seelen, in der nächsten Nahe der ungarische» Residenz gelegen, als „Vc.zirksrabbincr" amnrtll Die Flugschrift führt den Titel: „Mein Arugnist von L. Lichtrnstein, Seurksrabliner zu ZLpiü-Czrle. JL Heft. Budapest. Buchdruckerei von Birror HornyanLkp 18S6." Aus dem Inhalte der Brochure citircn wir nachfolgende Sätze: Mein Zrugniß. Vas mich beim Nirdrnchrriben dieser Zellen einschüchren. ist — well mein Zeugnis; für.io einfach, allgemein, selbflonftäudlick rlscheinl. dos-, wenn ich schweigen möchte, die Steine «2 austchrricn würden". „ Lar in denn eigentlich der Grund nnd Eckstein der erhabenen chri,:!iLen Lrbre. der Himmelethau. der dar glänbige, geängstigle. verzag», gequälte, arme Her; erfrischt, die innersten Saite» mitleidsvoll erbeben wacht bei den beiden Anderer...." 5.) „Ja.ist die Grundseste der 8ahrh.rit. der herrlichste Himmelbschax' die stolzeste Zierde der Schöpfung, der erhabenste Menickensohn, der - je auj Erden gewandelt — die. verlöt pcne Gercchrigkell — der Welrheilaud — der Sdu mcssias,.. (2. 8). „Co wie das Leltmeer alle Ströme und Flüsse in sich ausnimnlk, cito finden wir alle diese erhabenen, göttlichen Eigenschaften in himmlischer Harmonie mit . . . ."vermählt, von dem More töricht: „„Einen Propheten aus deiner Mine, von deinen- Brüdern, wie ich es bin. wird der Ewige, dein Hott dir erwecken, ihm sollt ihr gehorchen."" VI, 33. 2JL 18, 15,... (S. 9.) „Das Gesck ist durch Mose grgrLen, di« Gnade und Wahrheit ist durch ......... geworden." Zsdanais 1. 17... <2. 13) Das sind die Kcrnsätze des „bezirksrabbinerischen" ^Zeugnisses". Diese Lehrsäve versucht der „Bczirksrabbiner" allen Ernstes — aus dem Talmud nnd Midrasch zu erweisen, als ob die Rabbiner! alle heim, liche Ehristcn, oder, tvie der Herr-„Bczirksrabbiner" in TLprö-Lzele, nnr verkappte Missionäre gewesen wären. Da dies bereits die zweite Flugschrift unter demselben Titel von ^demselben Amor war, eine dritte unter der Presse sich befand, während außerdem eine vierte unter dem Titel: „Der Talmud auf der Anklagebank, vom Bczirksrabb i n e r I. L i ch t e n st e i n" in Ä reisen der Missionsgcscüschaft circulirte, ohne daß man jüdischerscsts davon auch nur ciuc Ahnung halte, so war es wohl höchste Zeit, diesem sauberen „Bczirksrabbiner" össcntlich cirtgegcrl zu treten. Es mußte vor Allem gefordert werden, daß dieser Mann das- „rabbinische" Amt, rvclches er zu Missions-Zwecken mißbraucht, zurücklegt oder daß die Behörde ihn entfernt. Unter der Nebcrschrift: „Ein christlicher Bczirksrabbiner" publicirtc ich in diesem Sinne einen Artikel — den einzigen, den ich überhaupt gegen die Missionsgcsellschaft je publicirr habe — von welchenr ich Ihncn nachstehend einen Ausschnitt ßcbc. ' Man wird es uns zu Gute Helten, wenn wir mit diesem sonderbaren talmudisck christlichen Theologen in leine Polemik einrrrten und aus eine Widerlegung seiner sunkelnagelnencn »Prweis'ühningenverzichten. Das .kann untere Ausgabe nickt' sein, gegenüber einer Brochüre, welche die zahllosen ö.lliährlich aut «osten divrrter GeteUtckasirii iu die Welk gejehlr» Mittwns- . tcknsten nach keiner Richtung überragt, sondern in vielen Be zirhnngrn hinter denselben zurückbleibr. Wir lassen dem Herrn seine. ,Ued«r;tngunzo,;xr laste uns die unsere. Ein Anderes ist es. was ötsrnilich zur Sprache gebracht werde» must, was von Ehristen nichr minder alS von Juden gefragt wird. Wie kann »er Herr Lichrrrrftris ei mil »einen