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Der Israelit · 1887-01-03 · Heft 1 (3.1.1887) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 1 (3.1.1887)
Date
1887-01-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 „Exccllenz hatten diese Eventualität bereits gestern in'« Angc gefaßt und mich beauftragt, den Betreffenden mitzuthcilcn, daß Sic sich nur dann als Pathin erbieten, wenn Ihnen das .Kind vollständig übergeben würde und die Eltern aller Ansprüche an dasselbe entsagen." fragte die Gräfin. „Tie Frau war offenbar nicht vorbereitet auf ciiicji derartigen Vorschlag, und bewies durch ihr ganzes Verhalten, daß Erccllenz mit gewohntem Scharfblick sofort die Sachlage durchschaut. Ausangs erklärte sic, daß sie mit dem besten Willen sich nicht -darauf cinlaffcn könne, das Kind von sich zu geben; daß ihr Mann zwar hoffnungslos, doch nicht immer bewußtlos sei, er könne nach dem blinde verlangen, da müffe es zur Stelle sein. Ucbrigcns wollte sie sich mit den heiligsten Eiden verpflichten, daS Kind zur frommer Ehristin zu erziehen und sobald ihr Mann für immer die Augen geschloffen haben werde, wolle sie cs uns gerne übergeben, denn sic habe seit jeher eine besondere Vorliebe für die christliche Religion und als Wittwc werde sie sich höchst wahrscheinlich auch zum Ucbcrtritt entschließen. Als ich ihr jcdcch bedeutete, daß ich in diesem Falle nicht in der Lage wäre, ihr eine Tauspathin zu vermitteln, da zog sic noch einiger lleberlegung ganz andere Seiten aus. Es wäre ihr zwar sehr schwer, sich von dem .Kinde zu trennen, und mit ihrem Manne werde sic einen sehr schweren Kampf zu bestehen haben, doch ans Liebe zu dem Kinde, dessen Bestes sie im Auge habe, wolle sic auf meine Bedingung cingchen, uns das Miiib vollständig zu überlassen, doch nur gegen eine Vergütung von tausend Gulden." „Das ist eine Unverschämtheit", erklärte die Gräfin. „Ich habe daffclbe gesagt", cntgcgnctc der Geistliche „nnd habe die Person auch dahin gebracht, sich eventuell auch mit dem Drittel des Geforderten zu begnügen. Auf weniger wollte sie sich jedoch nicht einlaffen; es stünden ihr allzugrobe Unannehmlichkeiten bevor; sie müffe wiffen, für was sie diese auf sich nehme." „Und wie sind Sie mit ihr verblieben?" ^Obgleich mir die Opserwilligkeit Ihrer Excellenz bekannt ist und ich im Vorhinein überzeugt war, daß der Geldpunkt kein Hiuderniß sein werde, so wollte ich der gnädigen Gräfin doch nicht vorgrcifen. Ich habe der Person daher erklärt» ich könne ohne Zustimmung meines Auftraggebers nichts Tcnnitivcs mit ihr vereinbaren, sie »möge am heutigen Abend wiederum in jener Schenke sich einfinden und das Kind gleich mitbringen." „Gut, sehr gut", lobte die Gräfin, „Hochwurwürden haben detnuach meinen Namen nicht genannt." „Das hätte unter den obwaltenden Umständen keinen Zweck." „Freilich nicht, und ist es auch am besten, er bleibt den Leuten vollständig verschwiegen. So wäre diese Angelegenheit demnach in höchst einfacher Weise erledigt. Ich gebe Ihnen sofort die verlangte Summe und Hochwürden übernehmen noch heute das Kind und übergeben, es meiner Bertram, die Sie in die erwähnte Schänke begleiten wird." Pater Anselmo neigte zustimmend das Haupt. „ES geschehe, wie Excellcnz befehlen. Und wohin sollte daS Kind dann gebracht werden?" „Für heute Abend hierher. Ich will die Kleine, deren Seele ich für das Himmelreich errette, doch auch kennen lernen. Für diese eine Nacht mag die Bertram es bei sich behalten und morgen nberbriugt sie eS der Priorin des.Klosters." Tic Gräfin übergab hierauf dem Geistlichen die erwähnte Summe, und nachdem Ort und Zeit bestimmt war, wie und waim die Kammerfrau den Priester treffen sollte,-entfernte sich derselbe. (Fortsetzung folgt.) »Ter Israel«- crjcbtint wäLemlich zweimal» Mou.agS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs für Tenrfchland und Ccitcrwidb 12 RciLS-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnin gan^ jährig, baldjährig oder virneljädrig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de» Suchhundes hejirhrn bei (k. F. Klein ucker. tripiig. Dohplad 16. — Inserate 25 Pfennige die drrigrspaltrne Pctilzrile oder deren Raum. — Oest»rreichische Banknorcn laut i»vurS: — T »teere ssrancozuienduug unter Etrei-dartd vro Jahrgang für Deutsch!««» und Oesterreich 14 Reichs Mark ober tt st. Ssterr.. für'« Ausland 1« Reichs-Mark an die tJn>sbüion franco etJimf'nbcu. Inhalt «tauplbkatt): Leitender Anikel: Unsterblichkeit. — Zeitungsnachrichten nnd Eonefvondenzen: Deutschland: Ans der Altmark. — Frankreich: Paris. — Holland: Amsterdam. — Rußland. — Amerika: Neto-Sjork. — Feuillewn: Tie ^onveNitin. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Anikel: l*in ungarischer Bezirksroddiner als Missionär und dessen Beschüher in Magdeburg. — Zeimngsnachtichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Frankfun a. M. — O-rstcrr.-Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg. — Feuilleton: Michael. — Inhalt der zweite» Beilage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten nnd Eorrrspondenzen: Verantwortliche Redactivn: vr. Lehmann io Mainz. — Expedition große Mnche Rr. <». Truck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz. (Hierzu zwei Beilage».)

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