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Der Israelit · 1887-01-03 · Heft 1 (3.1.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 1 (3.1.1887)
Date
1887-01-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 in den 3cffcl iiicbcrlicB und in demselben in höflicher, leicht vorgcnciglcr Haltung verharrte. „Ich wünschte mich vor Allem von dem Wohlbefinden Ihrer (mrilnij zu überzeugen: gestern, wie ich zn meinem aufrichtigen Bedauern vernommen —" „Gin unbedeutender Kopfschmerz." fiel die Gräfin ein, „an den ich ohne Ihre freundliche Erkundigung vielleicht schon vergessen haue. Heute ist er Gottlob vollständig vorüber." „Gott sei Tank!" stimmte der Geistliche salbungsvoll ein „und nun. nachdem ich über die Haupt- und Herzenssache beruhigt bin, zum Geschäftlichen und erlaube mir der gnädigen Gräfin die hcntigc Nummer des D... k P.... y zu überreichen und Hochdicsclbcn zu ersuche», jene rothangcftrichcuc Annonce gürigsr durchlcsen zu wollen." Tic Gräfin nahm das Blatt, das er ihr bot und las: „Taufparhcn gesucht für ein Mädchen zwischen vier und fünf Jahren von seltener Schönheit. Zu erfragen in der Redaktion dieses Blattes." Tie Dame hatte laut gelesen nnd blickte dann fragend aus den ihr gegenüber Sitzenden. „Hochwürdcn meinen? —" Barer Ansclmo neigte Haupt und Blick gegen die Brust und hob dann beide wieder. „lleberztttgl von der innigen Religiosität, der hochherzigen Opserwilligkcit Ihrer Excellenz in allen jenen Fällen, wo cS sich darum handelt, unserer heiligen Kirche eine Seele zu gewinnen, glaubte ich nicht unterlassen zu sollen, aus vorstehende Annonce aufmerksam zu machen nnd darauf hinzudeulcn, daß cs sich allem Anscheine nach darum handelt, eine reine unverdorbene Kindcsscclc dem ewigen Heile zuzuführen. Tas wäre so recht eine That nach dem Sinne Ihrer Excellenz." Tic Gräfin durchlas die bezerchncte Annonce abermals. „Tanfparhen für ein Mädchen zwischen vier und fünf Jahren — freilich, freilich, um eine geborene Ehristi» handelt es sich hier nicht." Ter Geistliche schüttelte das Haupt, „freilich nicht, freilich nicht — hier handelt es sich, das ficht außer allem Zweifel, um ein israelitisches Kind." „Aber warum nur um ein Kind?" fragte die Gräfin nachdenklich, „wenn die Eltern bereits getauft worden, so wäre cs das Kind vcrmuthlich auch — Paier Anfclmo zuckte die Achseln. „Diese-Frage bin ich nicht in der Lage zu beantworten — doch wenn Excellenz cs wünschen. wäre ich mit Freuden bereit, die genauesten Erkundigungen cinzuzichen." „Darum mußte ich ersuchen. Tenn um der Sache näher zu treten, ja, um sie auch nur m Erwägung zu ziehen/ ,ist Klarheit vor Allem erforderlich." V “ „Wahr, Excellenz, sehr wahr; indessen, dass cs sich hier um ein israelitisches Kind handelt, da» in dcu Schoo» der alleinseligmachenden Kirche ausgenommen werden soll, das stehr außer allem Zweifel." „Dem kann ich allerdings nicht widersprechen; dennoch muß ich wiederholen, wenn ich der Sache näher treten soll, muß ich vor Allem vollkommene Klarheit haben über alle in Betracht zu ziehenden Verhältnisse. Hochwürdcn kennen mich als abgesagte Feindin jedweder Halbheit." Reipectvoll lächelnd nickte der Geistliche seine Zustimmung. „Wenn alle Katholiken gleich Excellenz mit ganzem Herzen ihrem Glauben anhingen, eS stünde wahrlich besser um unsere heilige Sache." „Tas glaube ich selbst, und eben dcßhalb will ich auch in diesem Falle meinen Principicn getreu bleiben. Sind und bleiben die Eltern des betreffenden Kindes Israeliten, so wurde ich nur dann mich zur Taufpathin erbieten, wenn die Eltern sich aller Rechte auf daffclbe begeben, wofür ich mich jedoch anheischig machen würde, sowohl für die Erziehung als auch für die fernere Zukunft dcffelbcn zu sorgen." „Es wäre schwer zu entscheiden," cutgegnete der Geistliche, den Blick gen Himmel richtend, „was mehr bcwuudcrswcnh, ob die rieft Einsicht Ihrer Excellenz oder deren edle Hochherzigkeit." „Lassen wir da», lassen wir das, Hochwürden, mein einziges Streben geht dahin, meine Pflicht zu thun, und ob ich derselben auch vollkommen genüge? —" Sic zuckte seufzend die Achseln. Mild lächelnd wiegte Parcr Anftlmo das Haupt. „O, diese Bescheidenheit! — diese Bescheidenheit! —" „Sie mißverstehen mich. Hochwürden," fiel die 7'üsin ein, „wohl strebe ich mit meinen schwachen .Kräften da» Gute zu fördern, wo immer sich mir Gelegenheit dazu b'etcr, doch immer und immer muß ich'des Ausspruches gedenken, daß eher cm Kamee! durch ein Nadelöhr ginge, denn ein Reicher in das Himmelreich." „Excellenz können doch unmöglich im Ernst daran zweifeln, daß Ihnen das ewige Heil gesichert. Jene Reichen, über die jener Ausspruch gefällt ist.

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