Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 102 (30.12.1886)
- Date
- 1886-12-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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einem fiu?,cu Vorträge Ausdruck gab, bewegte sich der Leichenzitg nach denk Begräbmßplatze, woselbst Herr Nabb. I. Kutna eine gehaltvolle recht ergreifende Leichenrede hielt, in welcher derselbe die Große des Verlustes hervorhob. den die Gemeind.: durch den Heimgang dieses großen Talmudgelehrteu und wahren pns zu betrauern hat. Prctzburg, 26. Dezember. In Angelegenheit der Ertheilung des Dispenses vorn 2. nud 3. Aufgebot bei der Eingehung einer jüdischen Ehe bestimmt die Hofkanzlei-Berordnung vom 3. November 1803, daß einen derartigen Dispens derStadtrichter zu ertheilen hat. Nachdem jedoch die Institution der Stadtrichtcr bereits längst aufgehört hat, verständigte auf eine Anfrage des Bürgermeisters, der Cultnsminister die Sladtgemciude, das; in den mit Mnnicipalrechten bekleideten königl. Freistädten der Bürgermeister an die Stelle des Stadtrichtcrs getreten ist, demnach den Dispens vom 2. und 3. Aufgebot bei jüdischen Ehen im Sinne der erwähnten Hofkanzlei-Berordnung der Bürgermeister zu geben berechtigt ist. Triest, 21. Dezember. Der hiesige jüdische Privatgclehrte. Hcrr Moise Tedeschk, der sich zumeist vom Neligiousnuterrichte ernährt, erhielt vor einigen Tagen von den Leitern des Eollegium Nnbbinkcum in Nom die für ihn gewiß höchst ehrenvolle und schmeichelhafte Einladung, dem Profcssorenkörpcr dieses ucngegrnndctcu Instituts als Mitglied beizutrctcn und wurde ihm. für die Annahme dieser Stelle ein schönes Gehalt zngcfagt. Herr Tcdeschi glaubte jedoch, ans Familienrücksichten diese ehrenvolle Einladung dankend ablehnen zu müssen, und bleibt derselbe daher noch weiter unserer Gemeinde erhalten, die sich gewiß darüber freuen wird, daß dieser Gelehrte noch ferner unserer Jugend fein Leben, sein jüdisches Wissen und seine Kräfte widmen wird. — Die Ebolera ist mit dem Eintritt der kalte» Jahreszeit hier gänzlich erloschen und sind daher auch schon fast alle unsere Gemeindemitglieder, die vor der Epideuiie die Flucht ergriffen halten, wieder hieher znrückgckehrt. — Der hiesige Wohlthäligkcitsvercin „Äaskil El-Dal veröffentlicht jeyt seine Bilanz für das vergangene jüdische Jahr, in dem die Auslagen 1150 fl. betrugen, von denen 1020 fl. auf Unterstützungen für.Kranke und 130 fl. wieder auf Unterstützungen für Trauernde (Abelim) entfielen Es ergab sich foiuit ein Uebcrschnß von 415. fl. Das Gesarmntvermögen des Vereines beträgt jetzt 1.7,426 fl. von denen 4475 fl. der Waisen- und Wittwcnkasia angehören. Letztere wird mit der Auszahlung von Unterstützungen beginnen. so bald der .Kassastand die Höhe von 5000 fl. erreicht haben wird. — Die hiesige Eultnsgemeinde hat dieser Tage dem vor einigen Jahren hier verstorbenen jüdischen Lehrer Vita Iellmann, der auch als Hebraist bekannt war, einen Gedenkstein im Sitznngssaale unserer Repräsentanz errichten lassen, dessen Enthüllung unter den entsprechenden Feierlichkeiten stattsand. Eine hiereingeleitete Subscriptr'on ermöglichte es auch, daß die gefammten hebräischen Werke des Verstorbenen mm, in einem Bande vereint, der Oeffentlkchkeit übergeben werden können. Italien. Rom, 22. Dezember. Unser erlauchter Kronprinz, der Prinz von Neapel, wird gleich nach dem Eintritt des neuen Jahres eine auf drei Monate berechnete Studienreise nach dem Oriente antrcten und dabei vorzüglich Alexandrien, Kairo, Port- Said, Jaffa, Jerusalem, Damaskus, Beyruth re. besuchen. Tie königl. Familie hat sich nun, wie unsere Tagesblätter melden, durch den Hofkaplan, Monsignor Anzino, schon au den Vatican gewendet, damit derselbe die verschiedenen katholischen Prälaten, Geistliche, Missionen und Klöster in der Levante, zumal in der Terra santa, anffordern, den zukünftigen Beherrscher Italiens mit allen ihm gebührenden Ehren und Auszeichnungen zu empfangen. Nun ich glaube, der „Israelit" wird es sich auch unaufgefordert zur Ehre und Pflicht aurechnen, unsere Glaubensgenoncn in Egypten, dem heiligen Lande, Syrien u. s. w. einznladen, den Sohn des Königs Hnmbert und der Königin Margaretha, die ifjreu jüdischen Unterthanen dieselbe Liebe und dasselbe Wohlwollen eurgegenbringen, wie allen ihren übrigen Staatsangehörigen, mit allen Ehren zu empfangen, wie sie seinem Range und seiner Stellung unter den europäischen Regenrenfamilien gebühren. Uebrkgens dürfte cs dieser Einladung an die Israeliten des Morgenlandes gar nicht benöthigen, da dieselben wohl wissen, welchen Dank unser Volk dem nun seligen Großvater dieses Prinzen, dem unvergeßlichen Victor Emanuel, schuldet, der, indem er Italien befreite, zugleich auch die in diesem Lande lebenden Juden, soweit sie noch nicht emancipirt und gleichgestellt waren, befreite und ihnen alle Rechte italienischer Staatsbürger eknräunrte. Ehre seinem Andenken! Die Neuwahlen in den hiesigen Cultns-Vorftand (Universitä Israeliüea) sind nun beendet und gingen folgende Herren aus der Wahlurne hervor: Ascarelli, Jung. Diftgni, Sunaro, Levi. Modigliani, Ottoleaghi, Piperuo Sorem, Tcdeschi und dann je zwei Pomecorvo und Tagliucozzo.