Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 102 (30.12.1886)
- Date
- 1886-12-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1783 Die (Mcmdiibc von tfafube hat für das hier neu errichtete Rabbinerscminar einen Jalncsbeitrag von 200 Lire gcrvidinct. Der Ober-Rabbiner von Cuneo, M. Sorani, wurde znm Professor au diesem Seminar ernannt. Dagegen ist cs vor» der schon angekündiglen Berufung des Jungbnnzlaner Rabbiners, Dr. Grünwald, der von Wien ans aufs wärmste empfohlen wurde, zum Docenten an das Seminar, plötzlich wieder stille geworden. Wahrscheinlich haben die Procuratorcn dcS Seminars an der Geschichte ein Haar, möglich ein nationales, möglich ein religiöses oder wissenschaftliches, gefunden, und sie standen daher von dcr Berufung des Dr. Grünwald wieder ab. Ju Florenz starb vor einigen Tagen Gioacchimo Muffatti im Alter von 82 Jahren. Derselbe war als Tondichter sehr berühmt und hat er auch mehrere hebräische Gebete und Pijntim in Musik gesetzt. Sein Vermögen im Betrage von 100,000 Lire tcstirte er der dortigen jüdischen Gemeinde, damit sie die Zinsen davon zu wohtthäligen Zwecken, besonders aber zur Förderung des religiösen Unterrichtes und Geistes unter der Florentiner jüdischen Jugend verwende. In Livorno verschied vor etlichen Tagen der Mitbesitzer der dortigen indischen Lnchdrnckcrci Benamozeg, Herr Angel» Fmzr. — Ter Sohn des bekannten Livorneser Rabbiners Bcnanozcg (;*cn p), Dr. Emanucl, bekleidet jcvt in dieser Stad: die Stelle eines Lice-Polizcldirectors. — Hier verschied vor wenigen Tagen der Rosch-Hakahal dcr Gemeinde von Reggio Emilia, Herr Aügnsto Liuzzi. im Alter von 54 Jahren, derselbe war hieher gekommen, um hier Heilung von einem Leiden zu finde», fand jedoch den Tod. Seine Leiche wurde nach Reggio überführt und dorr mit großen Ehren zur ewigen Ruhe bestattet. Ter Bürgermeister der Stadt trug dabei einen Zipfel des Bahrtuches. — Ter Kaufmau von Livorno, Herr Leone Beneziano, wollte vor einigen Tagen von einer Geschäftsreise nach Spezzia nach seiner Vaterstadt zvrückkehren. Unterwegs wurde er jedoch von der Cholera befallen, und wurde er daher in allen Stationen, wo er anssteigen wollte, znrückgewicscn. Endlich kam er nach Pisa, wo er in dem dortigen Lazarethe Aufnahme fand und dort auch verschied. Seine Leiche wurde gleich neben dem Lazarethe auf freiem Felde bcigesetzt. Rumänien. Bukarest. Wiederum hat die Regierung srci hervorragende Israeliten in Botschann plötzlich ohne Angabe des Grundes ausgewiesen. Ter eine, Herr Simon Labnl war Mitarbeiter der „Balna Bottochanny". imi> der andere Jacob Speyer, Advokat. F r a n k r e! ch. Paris. Der bekannte Finanzier Osiris Jffla hatte vor Jahren ans eigne Kosten die hiesige portugiesische Synagoge erbauen lassen. Derselbe hatte nagträglich verlangt, dass an dcr Außenseite derselben, sowie vor der heiligen Lade Gedenktafeln mit von ihm bezcichnctcn Rainen angebracht werden sollen. Diesem Ansinnen widersetzte sich die Verwaltung dcr Synagogen, weil Name» vorgeschlagen waren, die der Würde eines Gotteshauses nicht entsprechen. Hierüber emspann sich nun ein langjähriger Prozeß, der von dem obersten Gerichtshof dahin entschieden wurde, daß die Inschrift an dcr Außenseite nach dem Willen des Herrn Jffla, und die vor der hl. Lade nach dcr Anordnung der Verwaltung der Synagoge angebracht werdest sollen. Nonen. Die Israeliten in Nonen haben das Recht, ihre Leichen auf einem besonderen Friedhof, aber auch auf dem Commnnalfriedhofe zu beerdigen. Jüngst verweigerte der Rabbiner, Herr Abraham Eahen bei dem Leicht r.'begängnisse eines Kindes, dessen Leiche ans Wunsch des Paters auf dem Commnnalfriedhofe bestattet werden sollte, officiell als Rabbiner zu folgen. Darob entstand in dcr liberalen Presse großes Geschrei, Intoleranz und Fanatismus wurde dem wacker» Manne vorgeworfcn. Rach jüdischem Rcligionsgesetze ist bei einem Leichenbegängnisse die Anwesenheit eines Rabbiners überhaupt nicht nöthig, und wenn diese von den Angehörigen des Verstorbenen gewünscht wird, so haben sie sich auch den Vorschriften der Religion, die der Rabbiner anszuführeu verpflichtet ist, zu fügen. Belgien. Auttverpen. Tie Gesellschaft „La Libre Fensee“ dahier hat gegen die von dem antisemitischen Eongrcs; in Bukarest ausgestellten Thesen im Namen dcr Humanität prottstirt und diesen Protest znm Abdruck in den gleichgesinnten Zeitungen durch ein Circular veröffentlicht? M n ßlan d. Warschau, 12. Dezember. Mau schreibt der „Pos. Ztg." : Gleichwie in anderen polnischen Fabrikstädten ist auch in Lodz die Verfügung des Finanzmimsiers zur Kenntnis: gebracht worden, wonach ausländische jüdische Kaüfleme, die keine Berechtigung zur Ausübung ihres Gewerbes in Rußland haben, ausgewiesen werden sollen. In Lodz würde