Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 102 (30.12.1886)
- Date
- 1886-12-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1778 bncher, Gebetmäntel, Schofar, Lnlab nnd Eßrog gleich bet der Hand hat und es auch um einen Spottpreis haben kann, sind doch nrnsfen wir, idcim toiv z. B. ein paar neue Tephillin belwthigen, darum erst nach der nächsten russischen Gemeinde, nach Orenbnrg, das circa 1200 deutsche Meilen von uns cutfcnii liegt oder sogar nach San Francisco, das jenseits des großen Weltmeeres an der kalifornischen töuftc liegt und wieder ungefähr 1100 Meilen von uns entfernt ist, schreiben. Zwar eristirt 130 Meilen von uns entfernt eine jüdische Gemeinde, nämlich die zu Yokohama in Japan: dieselbe ist aber noch sehr klein nnd auch noch recht jung, die ffelbst alle religiösen Lehelfsmittel ans England, Australien oder gleichfalls aus San Francisco kornrnen lassen muß. Und dennoch dienen wir Gott mit vollem Herzen und erfüllen freudig seine Gebote, selbst, wenn sie uns große Muhen und große Geldopfer anfbnrdcn, wissen wir doch; w yiNMi'Ti cn 'r, daß dieselben unser Leben und die Verlängerung unserer Tage sind und uns auch daran erinnern, daß wir jenem Volke angehören, das vonder Vorsehung dazu anscrwählt ward, .die Lehre von der Existenz eines einzigen Gottes in die Welt hinaus zu tragen und dieselbe allen Völkern der Erdenrnnde mitzutheilen. Wir gehen hier zu Selichoth recht zeitig des . Morgens, trotzdem cs bei uns im September schon sehr kalt ist — Wladiwostok liegt blos 500 deutsche Meilen vom Eismeere entfernt — und am Erew Rosch-Haschanah gehen wir, in Ermangelung einer Mikwah, hinaus an das Gestade, um uns in den Wellen des Weltmeeres zu baden und rein zu waschen. Unser Gotteshaus ist eine einfache schlichte Kammer, die durch ein einfaches Holzgitter in zwei Abheilungen, eine für Männer und die andere für Frauen, geschieden wird nnd als Vorbcter fungireu unsere Gemeindemitglieder, die sich mit Freuden zu diesem heiligen Amte hcrgcben. Am Rosch-Haschanah und Jom Kippur tragen wir die üblichen weißen Sterbegcwänder und auch unsere Frauen tragen sich an diesen heiligen Tagen ganz weiß. Auch Kaporus schlagen wir uns ums Haupt nnd werden die dazu nöthigcn Hühner aus dem benachbarten Königreich Korea, das ein Tributstaat Ehinas ist und von dem wir nur durch einen schmalen Bergrücken getrennt sind, oder aus der nahen mongolischen Stadt Tzin-kuta. die in der chinesischen Mandschurei liegt, geholt. Wir selbst züchten kein Geflügel hier, weil cs uns an dem nöthigcn Futter dazu gcbrichr. Wir besitzen eine Thorarolle, einen Schofar und im Hofe unsere Synagoge steht auch eine kleine Sukkoh, welche Gemeingut aller hier lebenden Juden ist. Unweit der S.adt stießt ein kleines Bächlein mit krnstallreinem Wasser, an dessen Ufer wir Taschlich machen. Da bei uns der jrwo (Polnische Vitus) herrscht, so haben wir auch die polnischen o%rir: (Synagogen - Gesänge) mit hieher an die Gestade des Weltmeeres getragen, und Kol-Ridre wird vielleicht in Wilna nicht schöner und weihevoller gebetet als bei uns. llnd als wir dann beim Manbgebcte zu der Stelle kamen: llnd mögest Tn Deine Liebe nie von uns entfernen; gepriesen feiest Du, Ewiger, der sein Volk Israel liebt", da waren wir alle tief ergriffen und in den Augen manches Andächtigen glänzten Thräncn. Das Sukkothsest wurde Heuer hier besonders herzig und innig begangen, da an demselben alle unsere Gemeindemitglieder, die Väter mit ihren erwachsenen -söhnen, zusammen in der Sukkah an einer Tafel speiste», und gedachten wir während des Mahles auch fleißig unserer entfernten Gtaubensbrüder, von denen wir nur selten etwas hören und mit denen wir dennoch im Geiste stets vereint sind. Zwei Lulabim und zwei Eßrogim hatten wir aus.Siugapore in Indien erhalten, nnd so konnten wir sogar die nieprr (Umkreisungen des Almemorsvollziehen. Amsimchas- Thora statteten wir uns gegenseitig Besuche ad und am Sabbat darauf gab der Kaufmann, Herr Moses Kalman, am Nachmittag ein Mahl (Scholausch- Sudaus), zu der alle Gemcindemitgliedcr geladen waren. — Zwei Mitglieder unserer (Gemeinde haben sich vor Kurzen: nach der Hauptstadt von Korea, Se-ul, begeben, da sie hofften, vcn dem Minister des Auswärtigen daselbst, Herrn Mö-len-to (derselbe ist eigentlich ein Deutscher und heißt Freiherr v. Möttendorf) einen Auftrag zur Tuchliesernng für die koreanische Armee, die jetzt nach europäischem Muster equipirt wird, zu erhalten. Leider trafen sie Herrn v.Möüendorf nicht mehr km Amte, da er kurz vorher demissionirt hatte, und so mußten sie unverrichteter Sache heimkehren. Herr v. Möllendorf, der früher Zolldirektor in der chinesischen Hafenstadt Tien-tzin war, wurde vom dortigen chinesischen Bicekönig, Li-hong-yang, dem König von Korea empfohlen, der ihn dann in sein Ministerium berief. — Bezüglich der von mir soeben erwähnten jüdischen Gemeinde in der japanesischen Hafenstadt Yokohama muß ich nochbemerkc», daß dieselbe erst vor siebzehn Jabren gegründet wurde, und besteht sie fast durchwegs ans eingewanderten amerikanische», englischen und deutschen Inden. Die Amtssprache dieser Gemeinde ist das. Englische.