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Der Israelit · 1886-12-30 · Heft 102 (30.12.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 102 (30.12.1886)
Date
1886-12-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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N77 Wiedereroberung des Vaterlandes" zn gründe» mit Titeln, wie Knappe, Landsknecht Ritter, Momptiir, ja Großmeister, „Ordensschwestern mit entsprechender Rangordnung müßten ebenfalls initfechten dürfe»!" Ein anderer Vorschlag des Herrn Liebermann geht dahin, „eine Sammelbüchse in Form des goldenen ttalitci, welches ihm auf die Zunge gelegte Geldstücke verschlingt," zu konstruiren. Alle antisemitischen Skatspieler im Reich mutzten einmal im Monat zum Vesten der antisemitischen Bereinigung spielen. Vor Allem aber dürfe das gesammelte Geld nicht wieder ausgegeben werden. Alle Gesinnungsgenossen mützten eS beherzigen, „das; auf Jahre hinaus keine Geldfordcrnngen irgend welcher Art au die Ecntralstclle gerichtet werden dürfen." Der Hauptvorschtag des Herrn Licbermann von Sonnenberg geht dahin, „aller Orten im Baterlande Acrgermßkommissionen" zu bilden, „deren Mitglieder täglich planmäßig die jüdischenZeituugrn daraufhin lesen, ob darin Vergehungen gegen den § 166 Strafges.-B. enthalten sind." Dieser Paragraph bedroht die Erregung von öffentlichem Aergcrniß durch Beschimpfung von Einrichtungen oder Gebräuchen der christlichen Kirche. Die betreffenden Komrnissionsmitglieder mußten es sich nun zur Aufgabe machen, stets „mit gutem Ge-' wissen bezeugen zu können, daß der betreffende Zeitungsartikel bei ihnen Anstoß und Aergcrniß erregt hat." Daraufhin sei dann eine Denunziation bei dem Staatsanwalt cknzureichen. Wer aber gar nichts anderes könne, der möge wenigstens „eine kleine unpolitische Vereinigung (Stammtisch, Ranch-, Kegelmrd Skatklub, Lese-, Turn- oder Gesangverein, Tanzkränzchen, Llebhabertheatergesellschaft u. dgl.)" begründen. Nur das eine Merkmal muffe allen diesen Vereinigungen gemeinsam sein, daß Juden prinzipiell von der Theilnahme ausgeschlossen sind." Allerdings, in dieGcscllschaft gehören sie auch nicht hin! Frankfurt a. M, 24. Dezember. Unsere kunstgewerbliche Ausstellung (im mitteldeutschen Kunstgewcrbevercin) wird, wie man der „Kl. Pr^ schreibt, nach NeuZahr eine zweifache Bereicherung erhalten. Die Baronesse Hanna v. Rothschild hat die großartige Sammlung von altem chinesischen Porzellan, welche sie von ihrem versiorbencu Barer geerbt hat, dem Verein aus mehrere Jahre zur Ausstellung überlassen, und sich damit um das Ännstgewerbe in hohem Maße verdient gemacht. Die Kollektion umfaßt 500—600 alt-chinesische und japanesische Vasen, darunter eine große Zahl äußerst seltener Exemplare. F r a ii f v c l ch. Paris. Jüngst starb in Fleurtz-sur-Andelle Fräulein Mager, die seit vielen Jahren eine Stelle an der Post bekleidete. Im Kriege 1870/7i hatte sie sich durch besonderen Patriotismus ausgezeichnet, worüber viele Zeitungen ausführliche Erzählungen brachten. Türkei. Der Generalgouverneur der Insel Ereta hatte vor zwei Jahren die ital. Negierung ersucht, ihr einen tüchtigen Ingenieur zur Leitung der öffentlichen Arbeiten zu senden. Die Wahl siel auf unser» Glaubensgenossen Ritter Raymond Rava ans Modena. Anfangs Dezember hat genannter Herr diesen Posten wieder aufgegeben, um in sein Vaterland zurückzukehrcu. Die Zeitungen aller Parteien, sowie der Generalgouverneur in seinem an die Kammer gerichteten Bericht, gaben dem scheidenden Ritter großes Lob, der sich um das öffentliche Wohl der Insel verdient gemacht, nicht allein durch sein Amt, sondern auch dadurch, daß er durch reichliche Unterstützung der höheren Schulen zur Entwickelung des Schulwesens wesentlich beigc- ' tragen habe. Palästina. Jerusalem. Endlich haben wir den schon längst heiß ersehnten Regen bekommen, der einen Tag und zwei Rächte andaucrte und die Felder genügend bewässerte, so daß wir nunmehr hoffen dürfen, eine gesegnete Ernte zu erhalten. Der hiesige russische Konsul hat auf Grund des türkischen Gesetzes, wonach Fremde nur 60 Tage dahier sich aufhalten dürfen, alle russische Unter* thanen, die diesem Gesetze unterliegen, zur sofortigen Abreise nach ihrer Heimath aufgefordcrt und bei Nichtbefolgung dieser Aufforderung Strafen angedroht. S i b i r i e n. Wladivostock am Weltmeer. Obgleich wir weit oben im Norden wohnen und von unseren übrigen- Glaubensbrüdern, theils durch die Eisgefilde Sibiriens, theils wieder durch die Wogen des großen Weltmeeres geschieden sind, so Hallen wir dennoch die hohen Feiertage: das Neuiahrcsfest, den Versöhnungstag und das Lauöhütteusest so strenge und so vorschriftsmäßig, gleichsam als läge unsere winzig kleine Gemeinde im Herzen Deutschlands, wo mau bekanntlich Alles, was der wahre Jude zu diesen hohen Festtagen benöthigt: Vorbeter, Gebet-

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