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Der Israelit · 1886-12-30 · Heft 102 (30.12.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 102 (30.12.1886)
Date
1886-12-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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177» S C II i i i C * 0 II. Michael. Erzählung Do» S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Die frische Wiuterluft schic» insoferne günstig auf Nikolauer einzuwirken, als der Wcinraujch sich nach und nach zu verfluchten begann, und er jetzt schon etwas zusammenhängender sprechen konnte. „Der Teufel werde ans dem verrückten Mensche» klug! Ich hatte mich ihm, wie Ihr wißt, nur zur Hinausfahrt verdungen, ich bin ja ein ehelicher Kerl und Hab' ja Euch, Herr Klein, zugesagt Euch heute nach Neuhof zu fahren. Ich ließ Euch ja durch meine Alte sagen, daß ich Euch um neun Uhr, Abends, holen würde, da hätte ich ja langst schon vor Eurer Hausthüre stehen können, wenn mich der Lieutenant nicht mit Gewalt zurückgehalten hätte." Während des Sprechens waren bei Nikolauer die Folgen des Rausches fast ganz verschwunden. und als einziger Nest war ihm nur noch eine große Schwatzhaftigkeit, das Bedürfnis; sich mitzutheilen, zurückgeblieben, und er fuhr mit großer Ausführlichkeit fort. „Ich hatte den Auftrag ihn Schlag fünf von feiner Wohnung, dem Hause des Bürgermeisters abzuholen. Ich kain pünktlich, fuhr schnell wie der Teufel und setzte ihn Schlag sieben Uhr in Posewitz ab. — Als er aus dem Wagen stieg, nahm ich, wie es sich schickt, hübsch manierlich meinen Hut ab, und streckte die Hand aus, wie ich das so gewohnt bin, weil ich erwartete, er werde mich, wie jeder solide Fahrgast beim Aussteigen bezahlen. Ader der Mensch machte Augen, als wolle er mich lebendig mit Haut und Haaren verschlingen und gröhlte mich mit einer Stimme an, als ob ich stocktaub wäre und Lausend Schritte von ihm entfernt stände: „Geld willst Tu? Hnndeseele! Nichts bekommst Du jetzt — Du mußt hier bleiben, wär' mir grad recht, wenn Du mir die schöne Jüdin," da meinte er Sie, Jungfer Sara, „wegführen wolltest, dagegen kriegst Tu statt eines Thalers, zehn Dukaten Fuhrlohn!" Dabei zog er eine Handvoll Goldstücke — wie ich später in der Bedientenstube hörte, hatten alle Offizier^ des Spieles wegen Goldstücke mitgcbrachr — und ließ sie im Scheine der Pcchfackeln, die im Hofe brannten, vor nieinen Augen glänzen, und das, hatte mich seine vermaledeitcn Flegeleien ganz vergeben lassen und ich sagte ganz erfreut: „Wenn Sie, Euer Gnaden, Herr Baron, befehlen, muß ich halt gehorchen." Uebrigcns hätte Widerspruch auch nichts genutzt," fügte er, sich entschuldigend hinzu, „denn ans Befehl des Lieutenants spannten die fürstlichen Lakaien mein Pferd aus, führten es in den Stall, mich in's Bedientenzimmer, wo viele fremde Diener, Neitknechte, Kutscher und Dienstlente an langen Tischen saßen und reichlich bewirthet wurden." „Ist das Fest zu Ende? Ist Baron Horneck noch in Posewitz?" frug Michael. „Das Fest ist nicht zu Ende, und der Baron ist nicht mehr in Posewitz," erwiderte Nikolauer, der jetzt schon vollkommen nüchtern war. „Ich habe, weil er mich dort zurückgehalten, geglaubt, daß er meinen Wagen bei der Rückfahrt benützen würde, und war daher nicht wenig erstaunt als um nenn Uhr doch Martin Tuschek, der Ossiziersdiener des Lieutenant Horncck, angeritten kam und auch das Pferd seines Herrn mitvrachte. Ich erschrack, Lieutenant Horncck, den hier in W. Jedermann von Kindheit auf kennt, ist ein gewaltthäriger Mann, und wenn mir jetzt Jemand für die versprochenen zehn, einen einzigen Dukaten gegeben hätte, wäre ich in Gott froh gewesen. Nur Eins war mir auffallend. Martin Tuschek eine ehrliche Haut, der sich das Leben verwünscht,' weil er dem Lieutenant als Diener zugetheilt ist, sagte, er müsse nach dem Befehl seines Herrn, sofort nach W. znrückreiten. Warum wollte der Lieutenant den weiten Weg in der Nacht allein znrückreiten? — So vor einer Stunde kommt der Lieutenant in den Hof herunter und läßt mir befehlen gleich anzuspannen; das war bald geschehen, und ich warte mit meinem Wagen auf dem Hose. Aber der Lieutenant schwingt sich auf sein Pferd und befiehlt niir, ihm langsam nach dem einschichtigen Wirthshaufe zum goldenen Bären nachzufahren. Ich thn' das. Tort angekommen finde ich ihn vor dem Hausthore neben seinem Pferde stehen. Im ersten Augenblicke Hab' ich ihn gar nit erkannt, er halte die Uniform abgelegt und ttug die Uniform eines Försters. „In der Nähe des Hauses standen drei Männer in weite Mäntel gehüllt, die Mützen tief in's Gesicht gedrückt, und hielten sich im Schatten des Hauses, als wollten sie nicht erkannt werden. Zuerst glaubte ich, daß sie nicht zum Baron Horncck gehörte», aber dann rief er einzelne Worte hinüber und erhielt Antwort. „Ich werde nicht fahren," sprach der Baron, „aber Tu sollst statt der versprochene» zehn, zwanzig Dukaten bekommen, wenn Tu zu Fuß nach W. gehst, und mir Deinen elenden Karren und Deine Schindmähre bis morgen

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