Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 102 (30.12.1886)
- Date
- 1886-12-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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177« Länder« des Orients eine so große Anzahl älterer Werke ansgesührt werden kann, ist kein erfreuliches; denn es zeigt, das; die G'".£3 dort ansangen entbehrlich zu werden, daß das gründliche Talmudstudium in Abnahme begriffen ist. Erfreulich dagegen ist es, daß in den westlichen und nördlichen Ländern unseres Erdtheils noch eine solche Vorliebe für unser heiliges Schriftthum herrscht, wie es die Aufnahmefähigkeit für solche bedeutende und kostbare Sammlungen, die rege Nachfrage und der große Absatz solcher nnsa unwiderleglich darthut. Dem Herausgeber wünschen wir, daß auch der erhoffte Lohn für seine Mühen und Kosten nicht ausbleiben möge. -u. Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenze». Deutschland. Mainz, den 26. Dezember. Wie die „Oest erreich ische Wochenschrift" berichtet, fnngirt in einem kleinen Orte in Ungarn, Tapio-Szele, ein Bezirksrabbiner Namens L. Licht enstein, welcher zugleich — Missionär ist, nnd zwar nicht etwa heimlich: derselbe hat vielmehr eine Broschüre herausgegeben, in welcher er für den Stifter der christlichen Religion Zeugnis; ablegt und die Lehrsätze des Christcnthums aus Talmud und Midrasch zu erweisen versucht!!! Hoffentlich genügt die Veröffentlichung dieser Thatsache, um diesen originellen Kauz aus seinem Amte zu entfernen. Mainz, 27. Dezember. Herr Prediger Dr. Jellinek in Wien eifert in der jüngsten Nummer der „Neuzeit" mit vollem Rechte gegen die immer mehr nbcrhandnehmende nnsüdische Sitte, die Särge der Todten und die Gräber mit Blumen und Kränzen zu schmücken. Außer den religiösen Motiven macht Herr Dr. I.. noch andere geltend, von denen wir w das folgende hervorheben. Herr Dr. I, schreibt: „Wie viele große Summen werden nur im Laufe eines Jahres in unserer Residenz (kn Wien) für Todten kränze verausgabt, die rasch verwelken und vermodern? Wie viele Wiltwen nnd Waisen könnten durch dieselben verpflegt, von Kummer nnd Sorgen befreit werden? Im Garten des Judenthums blüht, eine der schönsten, lieblichsten duftreichsten Blumen, das ist d i e jüdische W o h lthätigkekt. Durch einen Kranz ans solchen Blumen gewunden, oder jbnrd) Werke jüdischer Mildthätigkeir, ehrt man bester das Andenken eines Todten als durch jene Blumen, die rasch dahiuwelten und keine Spur ans Erden zurttcklassen." Die Rachahmungssncht hat bei unseren nlodernen Brüdern bereits einen so hohen Grad erreicht, daß selbst Reformprediger sich veranlaßt sehen, dagegen Front zu machen. Möge diesmal die Stimme Jellineks nicht ungehört verhallen! 'os nssn fep .nw Mainz, den 27. Dezember. Herr Rabbiner Jizchak Elch an an Spector zn Kowno in Rußland ersucht uns, den edlen Spendern, welche in Folge seines Briefes, ' den wir im „Israelit" veröffentlicht haben, für die durch Feuersbrünste in Rußland Verunglückten ihre Gaben uns eingefandt, seinen und der Unterstützten Dank ausznspreche». — Der Ertrag unserer Sammlung betrug 820 Mark. Seitdem wir die genannte Summe Herrn Rabbiner Spector eingeschickt, find bereits wieder einige Spenden eingelaufen, so daß wir Gelegenheit haben werden, eine zweite Sendung nach Kowno zn übermitteln. Da das Elend und die Roth der durch Feuersbrünste geschädigten, fast ausschließlich von Juden bewohnten Städte, noch inrmer sehr groß, so bitten wir unsere mildthätkgen Brüder und Schwestern , um weitere Gaben. - Berlin, 26. Dezember. Die „Freisinnige Ztg." schreibt: In der unter der Ueberfchrift „Diskret" versandten „Antisemitischen Korresp." erklärt Max Liebrrmann von Sonnenberg denjenigen für einen Schurken, „welcher sein Exemplar jedesmal Herrn Eugen Richter aushändigt." In der betreffenden Nummer macht sodann Herr Lkebermann von Sonnenberg allerlei Vorschläge, wie man am besten gegen die Juden agitireu soll. Rach dem Muster der Freimaurer nnd des Tngendbundes müjie inan eine antisemitische Vereinigung auf Gegenseitigkeit tu großem Stil zur Unterstützung der Mitglieder unter einander in allen erlaubten Dingen schaffen. Sehr viel könne man in der Agitationsweise von Engen Richter lernen bei Errichtung einesantisemitischen Preßbureaus. Aitch ein kurzgesaßtes antisemitisches Vademccnm ntüste heransgegebe» meroen. Herr Lieberrnann von Sonnenberg klagt hierbei darüber, daß die Opferwilligkeit der Wohlhabenden unter den Antisemiten von zu vielen Seiten im Laufe der Bewegung m Anspruch genommen ist nnd dadurch nicht unbedeutende Summen ohne entsprechenden Erfolg in zusemmenhangskosen Erverimemen aller Alt verzettelt worden seien, was dann Mißstimmung und linlust zu weiteren Opfern zur Folge gehabt habe. Vielleicht enrpsiehlt es sich, meint derfelbe Artikel, einen „deutschen Fechtbüud zur