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Der Israelit · 1886-12-30 · Heft 102 (30.12.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 102 (30.12.1886)
Date
1886-12-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1775 tauschen Unsinn, Schutt und Moder, wie Sabbat, Beschneidung u. f. lv. zn beseitigen, d. h. die heiligsten Geseire seines Glaubens, für welche die Ahnen gelebt und gelitten haben, auszurotten! Wie sagt doch der greise den Akiba in Gutzkows „Uriel Acofta"? „Alles schon dagcwescn, auch Acher war schon einmal da!" Ja, auch jene jammervollen Ach er-Gestalten, sie sind nicht neu, der Verrath und das Denunzianthum blüht im eigenen Lager, wie cs ehedem unter Hadrian geschehen. Nun, Gott sei Dank, unsere Religion hat das Licht der Ocffentlichkeit nicht zu scheuen, die Bücher unserer Vergangenheit liegen aufgeschlagcn vor den Augen der Welt; wie aber vor 1700 Jahren die Frevelthat eines Acher der Verachtung preisgegcbeu war, so werden auch sicher, heute alle Glaubensgcnoyen, denen das Ehrgefühl für Glauben und Treue noch nicht ganz erstorben ist, jenes verachtungswürdige Gebühren des Anonymus der „Volks-Zeitung" weit von sich weisen. Und wie naiv dieser Anonymus thut! Weiß der verehrte „Glaubensgenosse" wirklich nicht, daß die „thierqnälerischen Gebräuche beim Schlachten derRinder" von den bedeutendste» Fachautoritäten der Gegenrvart als die humanste Tödtungsart der Thiere auch den christlichen Schlächtern dringend ancmpfohlen wurde? Weis; der Herr nicht, daß die Deschneidung nicht eine Verstümmelung nnolündrgerKmder genannt werden darf, sondern selbst in sanitärer Beziehung von ärztlicher Seite rühmend hervorgehobcn wurde, und weiß der Herr nicht, daß die Beschneidung keine attorientalische Unsitte, sondern ein biblisches Gebot ist? Weiß der Herr nicht, da» keine Macht dieser Erde uns verbieten kann, den Ruhetag am Sabbat zu halten und unsere Geburtstage, wenn wir dazu Lust haben, nach jüdischem Datum zu feiern? Weiß der Herr nicht, daß seine Glaube ns Hetzereien gleichwohl den Staat zum Einschreiten veranlagen dürsten, zumal Fürst Bismarck erst im Sommer dem Rabbiner inKissiugeu sagen ließ, daß die Staatsregierung nie einer Verletzung der jüdischen Rcliglmrsvorschrlsten zustimmen wird? Weiß schließlich der Herr nicht, daß, wenn überhaupt uns irgendwie an dem Antisemitismus eine Schuld zuzumessen ist, nicht die jüdischen Ritualgeseye es verschuldet, sondern einzig und allein die Frivolitäten glaubensloser Re formen den? Tie Tendenz des Artikels tritt am Schlnyc noch deutlicher hervor,' wenn der Verfasser unverblümt zur Taufe auffordert und sagt: „Ter Jude, der mir seiner Religion gebrochen har und Ärr Satzung als für ihn verbindlich nicht mehr anerkennt, mu?, um ju fetsrifat, daß er sich nicht trotzdem immer noch alä Z»dc, d. h. als Jude von Ratio» ansteht, seinen A n ätritt au o bcm ii b t u t fiain ei kl ären inib sich je «ach seiner Uebersi'iigimg einer andern Religionogeiiosteiischast, di« von ttatiotiaicit Nigeiilhiiiiiiichleiirn srei ist, anschliesien oder auch von dein Rechie, als sogenannter „Dissident" ansiethalb der («laiibcnsbeseniitnisse j» leben. Gebrauch machen." Da der Anonymus in dieser Lage zu sein scheint, so würde er sich und seine bisherigen Glaubensgenossen gewiß zu innigem Danke verpflichten, wenn er aus seinem Verhalten die letzte Eons e q u e u z zog e. Wir schließen mit der Constatiruug der beide» Thatsacheu, daß der Verfasser jenes Artikels, wen» nicht persönlich, so doch geistig Herrn Emil Lehman» sehr nahe steht, und daß Herr EmilLehmann inDresden bis zurStunde noch Mitglied des Eentral-Comitüs des Deut sch-Jsracli ti sch eu Gemcindebund es ist, diesen Beitrag zum „reform-jüdischen Fanatismus". Äd. Bl. Literarische Anzeige. Der rühmlichst bekannte Gelehrt?, Herr R. N. Nabbiuowitsch in München, Berfasser der 'pnpn ü'-'&d, der sich schon seit einigen Jahren mit dem Verkauf werthvoller, seltener cnro befaßt, hat in diesen Tagen einen antiquarischen Katalog erscheinen lassen, der schon an und für sich als literarische Merkwürdigkeit die Aufmerksamkeit von Kennern, Gelehrten und Liebhabern bibliographischer Seltenheiten in ausgedehntestem Maße in Anspruch zu nehmen geeignet ist, und dem deßhalb in diesen weitverbreiteten Blättern einige Worte der Besprechung gewidmet sein mögen. Herr Nabbiuowitsch hat im Sommer dieses Jahres ausgedehnte Reisen nach den Ländern ,dcs Orients in Gemeinschaft eines Begleiters unternommen und hat daselbst eine reiche Sammlung kostbarer Werke und seltener Drucke käuflich an sich gebracht. Als Frucht dieser mehrmonatlichen Reise ist der jetzt ansgegebene Katalog zu betrachten. Um cs kurz zu sage», so dürste, so lange der hebräische Buchhandel besteht, noch nie ein so reichhaltiger, über alle Zweige der talmndischen Literatur sich erstreckender, die größcu Seltenheiten und besonders zahlreiche erste Drucke umfassender Katalog im Handel erschienen sein. Ter.Katalog ist an und für sich beinahe eine hebräische Bibliographie, in dem nur wenige ältere Werke fehlen.. Derselbe zählt an 5000 Nummern, wobei die zahlreichen mehrhändigen Werke nur eine Nummer haben, außerdem eine größere Anzahl Handschriften und Inkunabeln. Das Faktum selbst, daß aus den

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