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Der Israelit · 1886-12-30 · Heft 102 (30.12.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 102 (30.12.1886)
Date
1886-12-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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besiehe»! ia in jener Richtung die »veitgehe,idsien-Verschiedenheiten. Das Iudrnthum bat aber bis \u diese»», Lage eine Menge von Elgn»thü»nlichfeite,l srstgrl,alten, die mit religiösen Anschauungen an sich gar nichts zu rhun haben, denen jedoch durch die Verqnicknrrg mit Glaube,lsvorschriften eine anßerordentliche 'Widerstandsfähigkeit gegeniiber de» Eiiisti'ijscii der Zeit mld der Unrgebuug verliehen »vorder» ist. Die Beschneidnng, die Feier des siebenten Tages als Ruhetages, die hebräische Gebetsprache, die Zeitrechnung nach dcnr Mondenjahr, das Verbot des Schweinefleisches und die Beobachtung besonderer Sitten beim Schlachten u. A. m. sind solche aus orientalischer Zeit überkomrnene Tinge, die lediglich als ebcnsoviele soziale und nationale Scheidewände wirken. Tie möglichst rasche Beseitigung aller solcher in die jüdische »Religion" eingedrungenen, zum religiösen Denken und Ginfinden aber langst in keinem Zusammenhänge mehr stehenden fremdländischen Sitten und Unsitten liegt nn dringendsten Interesse der Juden selbst, die sernere Aufrechrerhaltung des Veralteten und Ueberlebren kann nur schaden — hier gilt Gölhe's Wort im vollsten Maaße: »Vernunft wird Unsinn, Wohlrhat Plage." »Daß, was einst, vielleicht um deS Klimas eines heißen Landes willen, in gesundheitlicher Beziehung sehr vernünftig war, in Nördlichen Breitengraden Unsinn geworden ist. haben in Bezug auf die wichtigsten der in Frage kommenden Einrichtungen Juden und Richlinden oft genug nachgewiesen, und die Erneuerung der Judenhetze beweist den Erstercn, daß Sitten. die, als sie noch ein Volk waren, wohlrhätig wirkten, ihnen heute, wo sie unter verschiedenen Völkern leben und in denselben ausgehen müssen, zur Plage werden. Es ist gm. daß jüngst wieder ein hervorragender Mann aus jüdischen Kreisen, Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden, die Beseitigung der heute in jeder Hinsicht zu Unsitten gewordenen orientalischen Sitten der Juden gesorden hat; in seiner auch sonst lesenswerthen Schrift: »Die Juden jetzt und einst" stellt der Genannte nach eingehender Begründung ein förmliches Programm der »deutsch-jüdischen Reformpartei" auf. wonach dieselbe »alle asiatischen und orientalischen Gewohnheiten." »die hebräische Sprache als Gebctsprache, wie als Zweig des Religionsunterrichts," »die Zeitrechnung nach dem Monoenjahre," »die chauvinistische Betonung der Erwählung Israels," »die bisherige Art der Sabbat- und Festfeier, durch Verlegung derselben aus die christlichen Sonn- und Festlage." endlich »die Beschneidung" ablehnt. Es gibt keine wirksamere Bekämpfung des Antisemitismus, als eine Säuberung des Judenthums von all' diesem Schutt und Moder der Jahrhunderte sein würde. Denn nur aus diese Weise ist die national-soziale Besonderung der Juden, wie wir gesehen haben, die Hauptvorausfttzung der Judenhetze.;» deicitigen." »Es ist allerdings mehr als fraglich, ob Herr Emil Lehmann und seine Gesinnungsgenossen in absehbarer Zeit die Mehrzahl der Juden für die Sache der Reform gewinnen werden. In der Emil Lehmann schen Schrift selbst wird von den neuerdings erzielten Erfolgen der „kamvibereiren und sehdesüchrig orthodoren Eiferer" erzählt, welch letztere zur Zeit bestrebt seien, „alle strenggläubigen Juden in Deutschland zu einer Vereinigung zuiamurenzrnasstn. gerichtet natürlich gegen die freisinnigen Juden". So kann die Frage noch lange unentschieden und dabei immer Veschneidung. Sonnabendicier, Koschrressen. Mondkalender als omzielle Einrichtung der jüdischen Gemeinden, als Abionderungsmt..el gegenüber der übrigen Bevölkerung Deutschlands, als Angriüsvunkl. Beweisgrund Und Beförderungsmittel des Äntiftmirisrnns in Kraft bleiben. Wir möchten deshalb denjenigen Juden, welche die Rorhwendigkeit der baldige« Beseitigung jener Un»men erfannr haben, »nhrlegen, zu erwägen, inwieweit sie zur Bern s »r „ g d e S st a a t l i ch e n Eingreifens sich e »r>. schließen k ö n n e n. da sonst an eine 'Besserung bis ans Weiteres nicht zu denken iss. Mannigfache Beweggründe würden den Slam veranlassen, seine Hilfe nicht zu versagen. In dem einen Falle handclr es sich um eine p husiologisch nicht unbedeutende und durchaus nicht gefahrlose Verstümmelung unmündiger Kinder, im andern um eine in volkülvinhschaftlicher (O fl enhalruug der Läden jüdischer Kanfl-ule an Sonntage»), erzieherischer ('Weigerung jüdischer Schulkinder, am Sonnabend zu arbeiren) u. a. Hinsicht störende Trennung der Bevölkerung bezüglich des Wochcnruhemges, im dritten um rbierqualerische Gebräuche beim Schlachten der Rinder :c. :c. Wo, wie hier, unzweifelhafte Resormbedürsnisse hervorlreten. an eine Befriedigung derselben auf dem 'Wege der Freiwilligkeit aber nicht zu denken ist. da »vird nur der unverbesserlichste Manchestermann vor der Beschreitung des einzig gangbaten Weges der Sraatshilse zurückschrecken." Eine tiefgehende Erregung und Erbitterung tu weitesten jüdischen — und nicht allem strenggläubigen Kreisen — war die nächste Folge des Hetz- Pamphlets. Eine zweite Folge war eine lange, lange Reihe von Abonnementskündkgungen der freisinnigen „Volks - Zeitung," und m der heutigen Sonnabend-Rmnmer dieses Blattes eine Entgegnung, welche vrincipiell sich vollständig mit dem ersten Artikel deckte aber gegen die Anrufung der „Staats- Hilfe" proteftirt. Weit wichtiger als diese Entgegnung ist folgende Anmerkung der Redaktion: „Die Bennurhnng des .v*etm Einsenders, eines alten bewährten und verehrten Freundes unseres Blattes, ist insofern richtig, als wir auS reform-jüdischen Kreisen gebeten worden waren, eine ausführlichere Anzeige der Schrift von Ernil Lehmann z» bringen 'und auf unsere Zusage den in 'Kr. 300 vom 22. Dezember d. I. als Leitartikel verönentlichlen Aufsatz erhielten. D i r b e d a u t t n, es bei der Aufnahme desselben insofern au der erforderlichen redaktionellen Sorgfalt haben fehlen lassen, als sich mehrere Punkte — so namentlich dieAnregnng zu einem staatlichen Einschreiten gegen jüdische Kul rusgebräuche — in demselben befinden, welche in der Schrift von Emil Lehmann nicht erönerl werden und den bisher stets von der ..Volks-Zeitung" vertretenen Grundsätzen nicht nur nicht entsprechen, sondern auch scharf widersprechen. Die Schuld an dem Versehen trifft ein jüngeres Mitglied der Redaktion, das übrigens den Stöcker und den Wagner in unseren Svalren zu oft zerzaust har. als daß ihn auch nur an feinem persönlichen Theile der Verdacht antisemitischer Neigungen belasten könnte. Wir Hüsten mir dieser Bemerkung und dem unveränderten Abdruck der obigen Entgegnung gleichzeitig eine Reihe von Zuschriften erledigt zu haben, die uns — abgesehen von einzelnen komischen Droh- und Schmädbriefen — ein erfreuliches Zeichen von der Anhänglichkeit unserer Leser an unser Blatt und — was mehr sagen will — an die von demselben seit mehr als einem Memchenalrer vertretenen Grundsätze waren." (Die Redaktion der„Volks-Zeirnag.- Wir haben nur wenige Worte noch hiuzuzufügen, das Stückle!:! bedarf keines großen Eommeutars. Also ein Resormjude forderte in der Maske eines christlichen Redakteurs die Polizei und den Staar auf, den altorien-

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