Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 98 (16.12.1886)
- Date
- 1886-12-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449692--25509-2515348- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Noch blutet fehl Herz uns der Wunde, die ihm der.Tod der flcliebte» Wuttiu uchblaucu. Auch diese vernarbt, und Jakob will endlich, endlich aiivruhen mm all den Rümpfen und Miiiiimeriiiffcn; du übcrkömmt ihn der schmerzensreichste MmnuuT seinem l'cbeuc, der Wram um den verlorenen Joseph. Die Ge.chicke unsres Vaters Jakob sind ein Bild der schmerzensreichen beschichte Israels. Das -Volk, welches nach unsrem Vater Israel sich nennt, -mutzte schon in der srnhesteu Jugend seines Volkslebens den Kelch der Leiden bis auf die Hefe leeren. .Kaum der Knechtschaft in Aegypten entronnen, bedrohen es die nachsetzcndcn Aegyptcr mit Vernichtung. Wer nennt die Namen all der Völker, die seitdem Israel vom Erdboden hinweg vertilgen wollten? Amalek fällt es ans der Reife an. ebenso der große .Kriegsheld Sichon, der König des Emori, und der gewaltige Riese Og, der König von Baschan. Midjan und Moab dingen den heidnischen Propheten Bileam, Israel zu verfluchen, und als unser Volk das gelobte Land in Besitz genommen, hatte es Feinde ohne Zahl zu bekämpfen: Kanaaniter, Moabiter, Philister, Armenier, Midjaniter, Ämmoniter, Edomiter — sie alle trachteten darnach, die Nachkommen Jakobs zu vernichten. Ten Affyrern gelang eS, den größten Theil der Stämme Israels aus dem Lande zu vertreiben, und die Babylonier führten den llcberreft in die Gefangenschaft. Auch die Meder und Perser, im Ganzen den Israeliten günstig gesinnt, versäumten cs nicht, durch den mächtigen' Haman das ganze Geschlecht Israels ausrotten zu wollen. Rach vielen Mühen und Kämpfen war aufs Rene ein kleines jüdisches Reich erstanden : da wurde Israel von einer Gefahr bedroht, die größer war als alle vorangcgangeuen: das Gricchenthum wollte die Religion Israel» vernichten, die nur noch glimmende Kohle Jakobs sollte gänzlich verloscht werden. Von zwei Sekten kam diesmal der Feind: feine Uebermacht sollte Juda erdrücken, und die herrschende GeisteSrichtung drohte unsrem eigentlichen Wesen, der Religion unsrer Vater, Verderben. Ta ereignete sich ein großes Wunder: -fromme.'gottbegeisterte Priester griffen zum Schwerte, verjagten den übermnthigen Feind und stellten den. alten Glauben und die alten Institutionen wieder her. Wunderbare Liege sind es, welche die Hasmoiiaer errungen haben. Eine kleine, fchlechrbewaffnete, kricgsungewohnte Schaar besiegte den übermächtigen, wohlbewaffnetcn, kriegskundigcn Feind. Sie eroberten Jerusalem wieder und den heiligen Tempel. Ter letztere war halb zerstört. die goldenen und silbernen Gefäße waren geraubt» der heilige Altar verunreinigt. Rim wurden die Risse des Gebäudes wieder ansgebessert: der Altar wurde abgerkssen und durch einen neuen ersetzt. So arm war Inda durch die Ranbsnchr der Griechen geworden, daß man den siebenarmigen Leuchter ans .Holz anfertigen mußte; aber es war kein heiliges Cel vorhanden, und alle Israeliten waren im todesmnthigen Kampfe durch Berührung mit Tobten verunreinigt worden, so daß sie vor Ablauf der sieben ReiniglmgStage kein heiliges Tel pressen konnten. Ta fanden sie ein Krüglein, besiegelt mit dem Siegel des Hohenpriesters, gefüllt mir heiligem Tel, das aber nur für eine Nacht ansreichte. Und der allgütige Gott that ein Wunder, der Inhalt des Krügleins gewährte dem Leuchter acht Nächte hindurch das lichtspendende Tel, bis wieder in Reinheit gepreßtes vorhanden war. Tiefes Wunder haben die Weisen jener Zeit zum Ausgangspunkte unsres Festes gemacht. In Bezug nnf die achttägige Dauer des Festes sind von den Später» zwei entgegengesetzte Fragen aufgeworfen worden. Tie Einen fragen, warum soll das Fest acht Tage dauern, da doch nur sieben Tage der Leuchter in wunderbarer Weise leuchtete t War doch für die erste Nacht das Tel vorhanden. — Die Andern fragen, warum feiern wir außerhalb des heilige» Landes nicht neun Tage (*9*20 ncv-i), wie wir ja auch zu den übrigen Festen stets einen Tag hinzusctzen? Tie Antwort auf die zweite Frage ist einfach. Tie Einsetzung des Ehannkah-Festes ist eine raödiuische Einrichtung, und da gilt der Grundsatz ‘b't-pb *:--n sp'so, daß man bei rabbinischen Einrichtungen in zweifelhaften Fällen nach der leichteren Seite hin entscheidet. — Auf die erste Frage sind mannigfache Antworten ertheilt worden. Man hat gesagt, das; die Erhaltung und spätere Auffindung jenes einzigen Krügleins selbst ein Wunder war und dadurch die achttägige Feier motivirt ist: man hat ferner gesagt, das: Gott seit der Schopfungszeit nichts Neues schafft, das; daher, wenn das vorhandene Tel in der ersten Nacht zu Ende gegangen wäre, das Wunder nicht möglich gewesen: es erstrecke sich demnach das Wunder auf acht Nächte. — Eine dritte Antwort ist, daß man ohne das Lichlwunder zur Feier der Siege und der Rettung ja doch einen Festtag, analog dem Pnrimfeste, eingesetzt harte und zwar den 25. Tag des Monats Kislcw, und daß die andern sieben Tage in Folge des LichtwnnderS bestimmt worden feien. — Eine vierte Antwort scheint uns die richtige zn sein. An jedem Nachmittage mußte der Hohepriester den