Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 97 (13.12.1886)
- Date
- 1886-12-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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icsii wolle. Ter zweite nengewähtte Vicepräsident behielt sich indes; eine Bedeut',eit vor, ob er gleichfalls vom Amte znrncktreten solle oder nicht. Eine Spaltung in unserer (Gemeinde wurde daher allgemein befürchtet. Zum Glücke jedoch, als der Gcmcindcsekretär am anderen Tage die Wahlzcttcl nochmals rcvidirte, da fand er, das; die Scrutawren beim Zählen der Stimmen einen Jrnhnm begangen und das; einer der Gewählten teinesfatls so viel Stimmen ans sich vereinigt hatte, wie man allgemein annahm. Ter Sceretär theilte nun seine Entdeckung dem Präsidenten mit, der dessen Ansichten sogleich beipflichtcte. Es wurde daher eine außerordentliche Generalversammlung der Gcmcinde- Ntitglicder einbernsen, in der beschlossen wurde, das; sammtliche neugewahltcn Vorsteher abdanken sollten, waS auch richtig geschah. Nach dem Hnttcnfeste wird nun abermals eine Generalversammlung stattfinden, um nun neuerdings die Wahl des VorsteherkollegiumS vorznnchmcik. — AnS Melbourne wird hierher gemeldet, das; an dem vergangenen Neujahrsfeste und VcrsöhnttngStage die Synagogen daselbst die Zahl der Besucher kaum zu fassen vermochten, so stark war Heuer der Andrang zu denselben. In Folge der Abnahme des Handels in den in der Umgegend von Melbourne gelegenen Ansiedelungen, wie auch durch die eingctrctcne Erschöpfung der Goldminen in Ballarat nnd Sandhnrst haben nun die meisten der daselbst angesiedelten Juden ihre Geschäfte geschlossen und sind nach der crstercn Stadt gezogen, um sich daselbst einem treuen Erwerbszweige znzuwenden. In Melbourne wurde jetzt auch ein jüdisch-literarischer Verein (.Zle!i»onnre Jewisli Literary Society) gegründet, der zum Hauptzwecke hat, durch öffentliche Vorträge unsere Jugend mit dem Geiste, den Lehren und der Geschichte des Judeuthums bekannt zu nracheu. Tie erste Vorlesung in diesem Vereine hielt Reverend Blau bäum, der über den „Stand der Arbeit bei den alten Juden" sprach. Ihm folgte ein junger Mann auS Melbourne, Namens W. T. Benjamin, der über „Tie jüdische Race nnd ihren Einfluß auf die Eivilisatiou der Menschheit" las. Beiden Vorlesungen wohnte ein zahlreiches, distinguirles Publikum au, unter dem sich auch niedrere Damen befanden. AuS Auckland auf Neuseeland wird hierher gemeldet daß auch die dortige Synagoge während der vergangenen hohen Festtage sehr gur besucht war. Rabbiner Reverend S. Gold stein wrack sowohl am ersten Neujahrsrage, wie auch vor ^ol-Nidrc und dann am Versöhnungsrage selbst. Dadurch eben, daß das kleine Häuftein der Inden über der ganzen Erdoberfläche, von Petersburg bis Auckland im Süden, und voll Shangai ti» Osten bis Lissabon im Westen zerstreut ist, kann sich das Wort des Psalmisten erfüllen: ijcs ny trssr jtod 'i er (Vom Aufgange der Sonne bis zu ihreur Untergänge wird der Name Gottes gepriesen). — Ter „Ncw'Zcaland Herald" vorn 14. d. M. tOktbr.) widmet der kürzlich in dem nahe von hier gelegenen Petersham verstorbenen Frau F r a n c e s Vro w n, Wittwe des Herrn -samucl Brown, die durch ihren großen Wohlthätigleilssinn allgemein geehrt und beliebt war, einen höchst warm empfundenen Nachruf. Tie Verstorbene lebte nahezu drei Tecennicn in Auckland, zog sich aber nach dem Tode ihres (hatten nach dem genannten Petersham zurück, wo sic auch starb. Sie hinterließ eine Tochter und fünf Söhne, die alle im Wohlstände leben. — Die in der Nähe von Melbourne gelegenen zwei jüdischen Gemeinden Gcelong nnd Sandhurst. welche zwei Ortschaften auch durch ihre Goldminen bekannt sind, werden nun, da diese GoLdguetten langsam zu versiegen beginnen, tagtäglich kleiner und bald dürften auch die Synagogen in diesen beiden Ortschaften verödet und leer dastcheu. — In Melbourne bat vor einigen Tagen die Wahl eines VürgermeisterS (Mayor) statigeftlnden und war als Eandidat für diesen Posten vom Stadtrathe daselbst nnserGlanbensgenoye, Alderman Benjamin, in Aussicht genommen. In der letzten Stande stellte jedoch der Sladtrath einen anderen' Eandidaten auf, der auch gewählt wurde. Ta jedoch Letzterer fein Amt nicht behalten will, so hat wieder Aldermanu Benjamin alle 'Aussichten, den cnrnlischen Stuhl in Melbourne besteigen zu können. Am zweiten Tag von Elwl-Hamoed verschied in Melbourne in seiner Stadtwohnung Sr. Vincent Place. Herr Michael Easchmore, im Alter von 72 Jahren. Ter Verstorbene war einer der ältesten Eolonisten von Victoria, in welcher Provinz er sich schon lsss ausiedelre. nachdem er einige. Jahre vorher in Sydney gelebt harre. Er war eines der hervorragendsten Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Melbourne, deren Vorsteher er einige Jahre hindurch war. Auch war er bis zu seinem Ableben Verwalter der Bonrke Street Synagoge, und seinerzeit der erste Jude, der im Sladtrath saß und ein öffentliches Arm in der Eolonic bekleidete. Er gehörte nämlick niedrere Jahre hindnrck als stirnmberechrigteS Mitglied dein Gerichtshöfe in Melbourne an und als solches pft»'gre er nur äußerst selten auf seinem Platze zu fehlen. Siebenzehn Jahre hindurch fungirre er auch ans dem Markte der Stadt als Flcifchauffeher und ließ