Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 97 (13.12.1886)
- Date
- 1886-12-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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j«8r> viertel ein Feuer aus, das drei hölzerne Häuser daselbst einäscherte. Die Bewohner derselben, fünf Familien, wurden sogleich bei anderen Glanbeusgcnosscn einquartiert, bei denen sic nun über die ganzen Festtage verblieben und von denselben größtcutheils auch verköstigt wurden. Dieselben konnten daher, trotz des Unglückes, das sie betroffen, die Feiertage in Freuden und ohne Sorgen verbringen. — Früher war es hier üblich, das; bei den rv:cetj (Scclengcbetcn), die am Vorabende des Versöhnungstagcs abgehalten werden, die Namen unserer Heimgegangenen Großrabbiner (cnr6 tdjt cnoO nur in der großen Synagoge erwähnt wurden. Seit einigen Jahren wurde jedoch der Brauch hier cingefnhrt, das; die Namen dieser n*3 (Säulen des Hauses Israel), die uns doch Licht und Leuchte auf dem Pfade des Lebens waren, in allen Synagogen bei den Haschkaboth erwähnt werden sollen. Heuer wurden nun in den Haschkaboth auch die im verflogenen Jahre in sämmtlichen Khanaten Mittelasiens Heimgegangenen großen Lehrer unseres Volkes genannt. Wie . noch jedes Jahr am Simchas-Thorafeste, so wurden auch Heuer am Nachmittage dieses Festes in allen Synagogen die Thorarollen in ihrem vollen Schmucke auf mit Seide bedeckte Tische gelegt, damit die Frauen und Mädchen kommen und dieselbe küffen sollen, um so auch ihrerseits die Thora ehren zu können. Durch Ungeschicklichkeit eines Mädchens fiel jedoch eine dieser Thorarollen vom Tische, was unter den Anwesenden großen Schrecken verbreitete. Der Vater des Mädchens hat jedoch sogleich als Sühne für die Ungeschicklichkeit seiner Tochter zwei silberne uw-, (Granatäpfel) für diese Thora zu spenden gelobt, was hier allgemein befncdigtc. Am Simchas-Ttwrafcsie ist cs hier auch üblich, daß während des Vorlesens aus der Thora die Besucher der einen Synagoge der anderen einen Besuch abstatten und so an diesem Tage alle unsere Gotteshäuser, die übrigens in einer Gasse vereint liegen, der Reihe nach besuchen. Auf dem Wege zu den Gotteshäuser« wird nun gesudelt und getanzt und dabei zugleich auch zu Ehren des Tages manches Gläschen Fcuerwaner, das übrigens hier sehr rhcner ist, hinabgcschürtet. Im Abendlande wird man über diesen Gebrauch zwar lachen, aber hier beißt cs: ländlich, sittlich. Ueberhaupl wird der Branntwein hier nicht für gewöhnlich gcttuukcu, sondern nur an Festtagen und bei einem freudigen Familienercignine. Auch die Mobamedaner, Lenen ihr Glaube das Branutwcintrinken verbietet, pflegen, wenn sie ein Gläschen „Feuerwaycr" verkosten wollen, einen Sprung in das Jndcnvicrtel zu machen, um sich dort ein wenig „begeistern" zu können. Den Inden ist cs zwar nicht gestattet, an die MoslimS „Feuerwasser" zu verkaufen; wenn dieselben aber leidend sind, so darf man ihnen schon dieses Getränk verabreichen. Will daher ein Bekenner Mohamed's ein Schnäpschen zu sich nehmen, so stellt er sich krank und eilt in's Judenviertcl, wo er sicherlich die erwünschte Heilung auch findet. Auch unser Emir besitzt in seinem Paläste einen Keller, der mit Wein- und Schnapssäßchcn gefüllt ist. Die Bewohner des Palastes betrachten mm diesen Keller als eine Art Apotheke und pflegen sie nur dann etwas von den dort anfgcspcicherlcn Getränken zu verkosten, wenn sie krank sind, was aber bei ihnen fast nach jeder Mahlzeit der Fall zu sein pflegt. Vom Branntweinverschlciße erhebt unsere Gemeinde eine kleine Abgabe, und so hat auch das „Feuerwaffer" seine gute Seite. A u st r a l i e n. Sydney, im Oktober. Die hiesige indische Gemeinde ist bekanntlich die älteste Australiens und haben ihre Mitglieder stets auch ihren Stolz darcingcsetzt, daß das Decorm". und der gute Ruf dieser ältesten Tochter Jsracl's in der Amipodenwclt nie eine Schädigung oder Schmälerung erleiden sollen. Seit Kurzem hat unsere Gemeinde jedoch einen Zuwachs an einigen Individuen erhalten, die hier ausschließlich Geldgeschäfte machten, und zwar ans eine Weise, die den Worten der heiligen Schrift und den Pflichten eines Juden gerade entgegengesetzt ist. Dieselben wurden daher sogleich von jedem Ehrcnamte der Gemeinde ausgeschlossen. Da jedoch bald darauf noch einige solche Biedermänner hier auftauchten, so konnte man leicht voraussehen, daß dieselben eines Tages dennoch in das Vorstandscollegium unserer Gemeinde cindringen und hier manchen Sitz an sich reißen werden. Was nun so erst für eine spätere Zeit befürchtet wurde, ist indes; leider schon jetzt zur Thalsache geworden. Einige Tage vor dem Neujahrsfeste fand nämlich eine Generalversammlung unserer Gemeinde stall, um das Vorftehercollegium für das kommende Jahr zu wählen. Eine solche Wahl geschieht hier immer durch Wahlzcttel. Als -man zum Scrutinium schritt, da zeigte es sich, daß einige von diesen dunkeln Ehrenmännern mir geringer Majorität in den Vorstand gewühlt worden waren. In Folge denen rcngnirte auch sogleich der neugewählte erste Vicepräsident des Vorstchercollcgiums aus sein Ehrenamt, da er, wie er zu seiner Entschuldigung ansührte, mit Wucheren! nicht in einem Ralhe fitzen