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Der Israelit · 1886-12-13 · Heft 97 (13.12.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 97 (13.12.1886)
Date
1886-12-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Juden treffen sott, isi bi» heute noch nicht niifflcklärt. Vor zehn Jahren hätte eine solche Konvention allgemeine Eutrünnng hervorgernfen. Hoffen wir, das; die Sonne der Toleranz und der Humanität bald wieder am Horizonte erscheinen und der Welt ihre leuchtenden und erwärmenden Strahlen senden möge. Berlin. Als der K r o n p r i n z bei Anwesenheit in Straßburg zur Zeit der Manöver in Elsaß- Lothringen die Loge „Zum treuen Herzen" besuchte, hielt er eine Ansprache, aus der folgende erst jetzt bekannt gewordenen Sätze aufbcwahrt zu werden verdienen: „Zwei Grundsätze bezeichnen vor Allem unser Streben: Gewissensfreiheit n n d D u lduug. Au ihnen lassen Sie nuS fcsihalten mit unserer ganzen Kraft. Das; dieselben bei uns imnrer vollkommener werden, dazu lassen Sic uns allezeit mithelfen. Nicht nur loben wollen wir diese Tugenden, sondern sie auch fleißig üben." Berlin. „Ter heilige Gral" der Antisemiten, so wurde" rin silberner Becher genannt, den der deutsche AuLisemitenduno einstmals seinem Vorsitzenden, dem früheren Stadtv. Pickcubach, verehrte und Lcr bei besonders feierlichen Gelegenheiten benutzt wurde. „Ter heilige Gral" ist nun, wie das „Neichsblatt" meldet, neulich durch einen Gerichtsvollziehcr abgepfändet und zur gerichtlichen Auktion gebracht worden. Christliche wie jüdische Trödler baren darauf. Eine Trödlerin aus der Mauerstraße erstand ihn für 50 Mark. Frankfurt a. M. Schon seit langer Zeit hat sich hier die Sitte eingebürgert, daß arme jüdische Frauen regelmäßig an den Neumondslagcn die jüdischen Häuser besuchen, um Almosen zu empfangen. Längst schon ist dies als ein großer Mißstand empfunden worden, indem erstens durch das zuweilen schaarenweisc Hcrunttvandern der armen Frauen von Hans zu Haus allerlei Unzuträglichkeitcn und nicht selten Chilul Haschen! entstehen und ferner gerade die Würdigeren, die verschämten Arnien dadurch zu kurz kommen. Dem „Israelitischen Hilfsvereinder sich bis jetzt in Bezug aus die Bernlinderung des Wandcrdcttcls schon große Verdienste erworben har, ist cs indeß bisher noch nicht gelungen, diesem unangenehmen Gebrauch ein Ende zu nrachcn. Ans diesem Grunde hat sich nun in Folge dankcnswerrber Anregung verschiedener hervorragender Damen eine Vereinigung wohlrhänger Glandcnsgenonen gebildet, welche bezweckt, die mouarlichen Svenden «Nosch-Ehodcsch-Gelder) gemeinsam zu verihcilen, nm den Dürftigen einerseits das traurige Loos des Bettelns von Hans zu Hans zu ersparen und andererseits eine gerechtere Zuwendung Platz greifen zu lassen. Bereits har eine große Anzahl von Glaubensgenossen, und worauf cs hier ljaupisächtlich ankommt, besonders viele Damen ihren Beitritt erklärt; namhafte monatliche Beiträge sind gezeichnet worden, und mit dem nächsten Monat, dem kommenden Tewcs, wird versuchsweise ein Comitä die Verthcilung der Gelder übernehmen. Hoffentlich wird das woülthätige Unternehmen von dem besten Erfolge gekrönt sein, und wird cs gelingen, die beabsichtigte gute Wirkung vollkommen zu erreichen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, lO. Dezember. Ter Taglöbucr Gerhard Keitter, welcher den Buchdruacreibcsitzer S ch l o f; berg in der Wollzeile erstach, wurde wegen Meuchelmordes zum Tode durch den Strang vcrurtheilt. Prag, 0. Dez. Der isr. Freitisch-Verein in Prag hielt am 8. d. Mts. im Sitznngssaale des neuen Tempels unter dem Vorsitze seines Präses- Stellvertreters.^ seine Generalversammlung ab. Ter vom Geschäftsleiter Herrn S. Angel verlesene Geschäftsbericht betont zunächst mit besonderer Befriedigung den nie geahnten Aufschwung, den dieser Verein von kleinen Anfängen an in den siebennudzwanzig Jahren seines Bestehens genommen, und weist darauf hin, daß sich auch im abgelaufenen Schuljahre ein großer Fortschritt zeigt. Ter Verein zählt mit Schluß des Vereins- resp. Verwallungsjahrcs 1885/6 98 gründende, und löst) beitragende, zusammen 1687 Mitglieder (gegen 155!) im Vorjahre-; ausgetreten und durch Tod abgcgangcn sind 7 l, ncubcigetrclen 199 Mitglieder. Tie Jahresbeiträge betrugen ö. W. fl. 4197.— und die Spenden ö. W. st. l 891.85; das Vereinsvermögen beziffert sich gegenwärtig mit ö. W. st. 24,617.08 und zw. ö. W. st. 20,000 in -Ltaarsobligationen und ö. W. ff. 4617.08 in Svarkaffacinlagen. Tie Kost wurde mit einem Auftvande von ö. W. st. 5758.42 kr. an 165 Studirende, worunter mehrere Gewerbe- und Zeichenschüler, verliehen, und erreichten die verabreichten Speifeporlioucu die Zahl von 33.902. Seit dem Schuljahre 1859 60 bis zum Schuljahre 1885 86 hat der Verein rür 325,512 Kostpornonen im Ganzen ö. W. st. 49,438 69 kr. verausgabt. Von den Kostnehmcrn entfallen auf. Böhmen 153, Mähren 2, Niedcrösterrcich l, Ungarn 5, Galizien 3, Deutschland 1.

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