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Der Israelit · 1886-12-09 · Heft 96 (9.12.1886) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 96 (9.12.1886)
Date
1886-12-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1672 Breslau kam, seinem Lcheim ein von ihm verfaßtes Werk, vKn fzd? by m*n *m*n vorlegte. Nadln Wolf war eiitaunt über den Scharfsinn und die Belesenheit, womit ein so junges Kind einen so großen und schwierigen Traktat behandelt hatte. Er ftudirte sorgfältig das Mannscript und'behielt cs. um cs vor aller Welt zu verbergen, damit Ruhmsucht und Eitelkeit, dem so großartig begabtenKnaben serubleiben möchten. Rur wenige Jahre vergingen, und der Ruhm des Jünglings wurde weit und breit verkündet. Tie größten Gelehrten Breslaus, von denen wir nur den weltberühmten Rabbi Iesaias Berlin (Pick) erwähnen wollen, behandelten ihn wie einen Gleichstehenden. Ein reicher Mann ans Lina, Rabbi Isak Margolioth, holte ihn von Breslau fort, um ihn mit seiner Tochter, Glnckchen, zu verheirathen. Er richtete ihm ein eigenes Haus mit angrenzendem schönen Garten ein und kaufte ihm eii^"umfangreiche -unb werthvolle Bibliothek. Hier lebte nun Rabbi Akiba, ungehindert und ungestört, nur seinem Studien hingegeben - er wäre wohl für immer in Liffa geblieben, hätte nicht eine Feuersbruust' die Stadt zerstört und auch den Wohlstand seines Schwiegervaters Vernichter. Run schickte die israelitische Gemeinde zu Rawirsch eine Deputation nach Üifffl, um Rabbi Akiba einzuladen, seinen Wohnsitz in ihrer Mitte zu nehmen. Es war selbstverständlich, daß sie ihn dort mit allem Röthigen versorgten. Rur wenige Monate blieb er in Rawitsch. Tie israelitische Gemeinde zu Märkisch- Friedland beeilte sich, ihm den dorr vaeanlen Rabbinersir; anzutragen, den er auch aunahm. 22 Fahre wirkte er ais Rabbiner in der genannten Gemeinde in der segensreichsten Weise. Als cinst der Tuphns dort würhere und viele Mütter starben, die ihre Säuglinge hilflos znrücklicßen. sorgte er für dieselben in rührender Sorgfalt. Er selbst, der große Lehrer in Israel, besuchte allwöchentlich die mutterlosen Waisen, um sich persönlich von der Reinhaltung derselben und ihrem Gedeihen zu überzeugen. Bon Friedland ans verbreitete sich fein Ruf über die ganze 'Welt, und als in Warschau eine Versammlung der Rabdine» und Vorstehern der israelitischen Gemeinden des Königreichs Bolen znsammenlrat, um Einrichtungen für das allgemeine Wohl zu treffen, beschloß man. den Rabbiner» von Märkisch Friedland zum Präsidenten der Versammlung In berufen. Tie schickten sofort eine Eanipage nach dem 60 Meilen entfernten Friedland, um den bescheidenen Gclednen derbeizulwlen. den man als den größten Mann seiner Zeit veredne. Fa, bescheiden und demuthsvoll mar Rabbi Akiba Eger in bewunderungswürdigster 2l>eise. 2lll die großen Ehrenbezeugungen, die man ihm erwies, konnten die geringe Meinung, die er von sich selber hegte, nicht umstoßen. Als der große Rabbi Moscheh Soser, der mit ihm ungefähr in gleichem Alter und auf einer gleichen Höhe des Ruhmes stand, sich in zweiter Ehe mit der Tochter des Rabbiners von Märkisch Friedland verloben wollte, schrieb Rabbi Akiba seinem zukünftigen Schwiegersöhne: „Hochbeglückt über den meiner Tochter gemachten ehrenvollen Antrag. fürchte ich, daß der Realisirung desselben eine große Schwierigkeit entgegenstebr. Tie werden sicherlich, dem Rathe unserer 'Weisen gemäß, die Tochter eines Talmid Ehacham heirathcn wollen, und soweit habe ich es leider noch nicht gebracht." — Ter zukünftige Schwiegersohn überrraf, womöglich, den Schwiegervater an Bescheidenheit: er antwortete : „Taß Sie, der Stolz lmö der Ruhm Israels, ein Talmid Ehacham sind, dafür übernehme ich die Garantie. Aber eine andere Schwierigkeit dürtte sich nuferer Familienverbindnng emgegenstellen' Sie werden Ihre Tochter wohl nicht einem Am Haarez, wie ich es bin. geben wollen." — Rarürlich übernahm Rabbi Akiba mir gutem Gewissen die Garantie, daß Rabbi Moscheh Soser kein Am Haarez sei, und d.e Verbindung kam zu Stande. — Einst schrieb Rabbi 'Akiba seinem Freunde, dem berühmten Rabbincn von Lina. Rabbi Jakob, dem Verfasser des scharfsinnigen 'Werkes zyi rv\ mit dem er eine ralmudischc Eontroverfe hatte: r rx z?- r*r '*22 pr irre „'Auf einem kleinen Stein, wie ich bin, soll der fromme Jakob sein Hauvr legend" — Unwillig legre der Rabbiner von Lina den Brief aus der Hand und rief: Er weiß doch, daß ich weiß, daß .er weißk-ZEr-sollte doch wissen, wie sehr ich seine große Gelehrsamkeit achte.» In Friedland srarb ihm das Weib feiner Jugend. und wiewohl die reichsten Leute ihm 'Anträge machen ließen, wählte er eine Schweirerrochrer »einer Frau, die Tochter des Rabbiners Rabbi. Feiwelmann von Samrer. zu »einer zweiten Garrin. Rabbi'Akiba baue bis jeyr jede Berufung nach einer andern Gemeinde zurückgewiefen. Alsihn jedoch im Iabre .v»74 (1*14» die große israelitische Gemeinde zu Posen zu ihrem Rabbiner erwählte, konnte er dem Ändrängen seiner Freunde nicht länger widerstehen und nahm die Berufung an. In B o s e n schaarren sich um ihn die Schüler in großer Menge, rbeilwene ans weiter Ferne. Auch hier pflegte er nickt nur mir unendlichem Fleiße das Studium der Gonesleüre, lebte er mit der größten

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