Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1886)
- Date
- 1886-12-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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lfirtO M i A) a c f. Erzählung von S. Ko.hu, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „Das geht nicht!" erwiderte Golzingcr. „Ich selbst habe noch eine alte Rechnung mit seinem Pflegevater, Aron Brack, abzuschließcn, und es könnte ihm nichts Weheres geschehen, als'wenn ich ihn seines Pftegcsohncs, seiner Stutze beraubte: — aber es geht eben nicht! — (5s ist merkwürdig, ich kann den beiden, nicht bcikommen. Gleich als Brack den fünfjährigen Michael Man, dessen Mutter hier auf der Durchreise starb, in sein Haus anfnahm, wollte ich den Knaben ans W. äuswcisen, aber Brack drohte diese Grausamkeit, wie er die pünktliche Erfüllung des Gesetzes in diesem Falle bezeichnete, direkt zur Kenntnis; des Kaiser Josef zu bringen, der damals eben den Dhron bestiegen hatte und namenlich die erste Zeit nach seinem Regierungsantritte, der Schrecken aller jener Beamten war,, welche als gewissenhafte 'Familienvater im Interesse der Ihrigen, ihre Stellung zur Erlangung von Nebcncinkünften benützten. Ich war damals gezwungen, nachzugeben. Als Kaiser Josef starb und ich wieder gegen Michael Klein mit größerer Strenge hätte Vorgehen können, war dieser ein halberwachsener, ungewöhnlich kräftiger Bursche geworden, der sich mehrmals ausgezeichnet hatte. Er ist ein guter Naturschwimmer und hat zweimal mit Gefahr seines eigenen Lebens Ertrinkende gerettet. Diese heldcnmüthigcu Dharcn gelangten beidemal durch den llebereifer seines Prorektors, des Pfarrers Willibald zur Kenntnis; des Kreisamtcs und Michael Klein wurde von diesem jedesmal eine Belobung und die ihm gesetzlich zustehende Taglia errheilt. .Klein hatte ne das Erstemal den Stadrarmeu, das Zweiremal, den; Geretteten, einem verzweifelnden Familienvater, der den Tod in den Wellen gesucht, geschenkt. Es erschien vollkommen nnangänglich Michael Klein zur Belohnung für seine Gcmcinnützlichkeir ansznwcisen und hätten dies die Sbcrbehörden auch nicht geftarret. Als er seckrszchn Jahre alt war, ging Michael Klein nach Nikolsbnrg au das Licäum und kam erst als neun zehnjähriger Jüngling zurück. Mittlerweile aber hatte der kluge Brack die Stellung des fremden, heimathslosen, jungen Menschen zu befestigen gewicht. Kurz bevor dieser aus Nikolsburg heim-' kehrte, war jenem ein schwerer Unfall zugestoßen. Bei einer plötzlich eingetretenen lleberschwemmimg war die Hanna mit reißender Schnelligkeit in die niedrig gelegene Jndenstadt eingedrnngen. Brack wollte die Thorarollen ans der Synagoge retten, glitt ans den schlüpfrigen Stufen derselben aus und brach einen Fuß. Dieser mußte amputirt werden und Brack geht jetzt aus einem Stelzfüße. Er erklärte nun, seinem Haudlungsgeschäftc, von dem er eine relativ hohe Steuer zahlt, nicht vorsteheu zu können und schritt um die Erlaubnis ein, dasselbe durch seinen Pflegesohn fortführen zu dürfe». Trotzdem ich zur Abweisung rieth, erschien cs dem Kreisamte doch als hart, das billige Gesuch des unglücklichen Mannes adzuschlagen, auch die Finanzbehörde wollte sich die Steuer nicht entgehen lassen, und so ist Michael Klein jetzt hier ffenerzalMider Kaufmann. Das Gesetz befreit (Geschäftsleute, die eine gewisse Steuersumme zahlen, von der Militärpflicht und so könnte Michael Klein, auch wenn er österreichischer Nnterthan wäre, nicht zum Heeresdienst hcrangczogcu werden." „Das ist recht ärgerlich: . . . . Wenn Du cs nicht zu Wege bringen kannst, einen unbedeutenden mir mißliebigen Menschen in den weißen Rock zu stecken, mußt Du in den vierzehn Jahren meiner Abwesenheit sehr viel von Deiner früheren Machtfülle verloren haben! .... Bah' ich will mir den Genus; der guten Dinge, die uns die Mutter vorgesetzt hat, nicht durch diese unangenehmen Gedanken vergällen. Wenn Tu so machtlos bist, mir nicht für eine alte, unvergessene Beleidigung eines Inden Satisfaktion zu verschaffen, muß ich dies auf eigene Faust versuchen. Wenn meine Escadron längere Zeit in W. bleibt, wird mir dies hoffentlich in einer oder der andern Weise gelingen." „Dn unterschätzest meine Macht. Ich bin ja das Stadtoberhaupt, bin ja der Polizei-Ehes; aber ich muß cs gestehen, weder Brack noch.Klein haben uiir ja die geringste Veranlassung zu einer Rüge gegeben, allein ich beobachte beide mit Argnsangen. und sollte mir Michael Klein je eine Handhabe bieren. gegen ihn einznfckreiten, so würde er auch die alten Schulden feines Pflegevaters zu zahlen baden. Ich habe cs schon gesagt, ich könnte diesem nichts Schmerzlicheres znfngen, als wenn ich Michael Mein demülhige, imn etwa eine entehrende Strafe auferlege. Brack liebt Michael wie sein leiblich