Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1886)
- Date
- 1886-12-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitnrrgsnachrichten und Korrespondenz» n. Deutschland. Snlzburg (Baden). Die Trauer in der Gemeinde, um den Verlust unsres verewigten Rabbiners, Rabbi Mendel Drevfuß T’& ist um jo .größer als man vielfach fürchtet, der Rabbinarssitz werde nicht wieder besetzt, sondern der Snlzbnrger Bezirk an daS Freiburger Rabbinat angeschloffen werden. Tie allgemeine Stimmung ist nun entschieden gegen einen solchen Anschluß und mir vollem Recht. Wir brauchen einen Rabbiner ganz und können uns nicht damit zufrieden geben/ wenn ein Rabbiner, dem schon die Verwaltung eines Bezirks anvcrtraut ist, ein oder zweimal im Jahre zu uns kommt, und kaum daß er einen Einblick in unser Berhältniß gethan, uns wieder verläßt. Wir haben aber auch einen Rabbiner sehr uothwendig. Den verhältuißmäßig günstigen Srand unsrer.Religiosität verdanken wir nur der Thatkraft unsres bisherigen Rabbiners und der großen Ehrfurcht, die er Allen einfiößte. TaS Fehlen deS Rabbiners würde sich n u r allzubald fühlbar machen und waS Reb Mendel mit so vieler Mühe erhalten, würde schneller zerstört sein als mau glaubt. Gerade bei uns,' wo in den meisten Familien noch die Frömmigkeit hochgeüaltcu wird, könnte ein frommer und tüchtiger Rabbiner sehr viel Gutes wirken; durch Belehrung der Erwachsenen, durch llcbcrwachuug der Schulen, in denen „unsre Ankunft" heranwachst, könnte er BicleS und Trefftiches leisten; am meisten würde aber sein Vorbild wirken. Ja, ich kann eS wohl sagen, schon das Bewußt f e i n, daß ein frommer Rabbiner unter uns weilt, würde zur Hebung der Religiosität außerordentlich viel beitragen. Ein zweiter Haupt-Rachtheit beim Anschluß der Landgemeinden an die Israeliten der Stadt besieht darin, daß die letzteren meistens unfromm, die ersteren meistens noch fromm sind. Und das mm auch in diesem Falle zu. Die Freiburger Gemeinde ist streng — nnfromm. Eine Lrge! spielt dort am Sabbat und Feiertage: gesinnungStüchligen, principrenircucn Rabbinern war alw die Bewerbung unmöglich gemacht. Run, wie es ein altes Sprichwort ist, daß wie die Gemeinde, so der Rabbiner, so hat auch die Freiburger Gemeinde einen Rabbiner bekommen, der seiner „Richtung" nach vollkommen für sie geeignet ist. Und wir sind tolerant genug, den Freiburgern ihren Rabbiner zu gönnen; nur eines wünschen wir, daß er uns nicht aufgedrängt werde. Er paßt der ganzen Stellung nach, die er zu unfern ReligionZgeseveu nimmt, durchaus nicht für uns. Es wäre doch ein zu großer Abstand und ein zu krasser Gegensatz, wenn wir nach unsrem seligen Reb Mendel — den Freiburger Rabbiner als „religiösen Führer" erhielten, der vielleicht auch nnS wie die Freiburger mit seinen letzten .veldenthaten, Abschaffung rcsp. Kürzung der Gebete an den heiligen Feiertagen, und dafür Einführung von Pansen am Jom Kippur beglücken würde. Schreiber dieser Zeilen ist zwar nur ein cinfachcr Äann, aber als er die sichtliche Ergriffenheit bei dem Begräbniß unsres verstorbenen Rabbiners wahrnahm, so konnte er sich des Gedankens nicht entschlagen, wenn diese Trauer wirklich eine aufrichtige ist, so sollte sie sich darin am ehesten kundgebe», daß die Gemeind»« von Sulzbnrg, Müllheim, Lörrach, Kirchen u. s. w. sich znsamment h li n. auch ein Geldopfer nicht scheuen und mit Genehmigung des Oberrathes, die wir gewiß, wenn wir ernstlich wollen, erlangen werden, einen eignen Rabbiner hier oder in Müllheim anznftcllen, einen Rabbiner nach unsrem Sinne und einen würdigen Nachfolger unsres verstorbenen Rabbiners. Berlin, 6. Dezember. Die Lippmaun- Tautz-Synagoge in der Aleranderstraße, in der, wie die Leser wissen, in der Nacht znm Versöhnuugstage ein Feuer ausbrach, ist, da sie nur einen Eingang und Ausgang hat, polizeilich geschlossen worden. Die Besucher dieser Synagoge haben in der „Wolff-Synagoge" in der.Landsbergerstraße ein neues Heim gesunden. Die R c p r äse ura Uten wähl in der hiesigen jüdischen Genreinde ist für die „liberale Partei", d. h. für die Reformer günstig ausgefallen, gleichwohl haben die Eandidare» des „Eentral-Eomites" eine sehr bedeutende Slimmcnanzaht auf sich vereinigt. Bonn. In der Macht von Donnerstag zn Freitag den KiSlcv verschied dahier nach längerem Leiden der Konsistorial-Rabbiner Tr. Ahron. Auerbach im 77. Lebensjahre. Mit ihm erlischt die Institution der Kommorial-Rabbinate, die, bekanntlich aus der französischen Zeit stamuiend, die indischen Bewohner der Rheinprovinz in drei Kon- Moriat-Bezirke: Trier, Erefcld und Bonn eiuthcilre. Während die zwei erstgenannten Konsistorien schon vor länger als einem Jahrzehnt mir dem Tode der damaligen Rabbiner sich anstöstcn, bestand das Konsistorium Bonn — freilich mehr dem Namen als der Sache nach — bis heute fort. Ter Verblichene war der Sohn des noch jetzt in der Rheiuprovrnz in segensreicher Erinnerung stehenden, durch seine