Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1886)
- Date
- 1886-12-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449690--25465-2515302- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1656 dem Irdische« zugewandt. Ehe Jakob mit dem feindliche« Bruder zufammeittraf, mußte er die höchste Vollkommenheit minneit. Wir sagen iu unsrem täglichen (Gebete: pn*i’ hVn ,crn^ nVx 2j?L" h^xi. „Hott Abrahams, Hott Iizchaks und Gott Jakobs." Man hat die Frage aufgeworfen, warum mau nicht einfach sagen soll: Galt Abrahams, Iizchaks und Jakobs.' Die Antwort ist die, daß nicht nur Abraham die Gottheit durch eigenes Erforschen erkannt hat, während Jizchak und Jakob mit der von Abraham stammenden Tradition sich begnügten, sondern, das; jeder unsrer heiligen Stammväter sich aus sich selbst zur Erkenntniß des einzigen Gottes entporgerungen hat. — „Und Jakob blieb allein, da . rang ein Mann mit ihm, bis daß der Morgen heraufzog." — Jeden Menschen, lehren unsre Weisen im Sohar, begleiten zwei Engel durch das ganze Leben, der Engel des Guten und der Engel des Bösen. Der Engel des Guten ist sein treuester Freund, der Engel des Bösen sein erbittertster Feind. Wohl dem Menschen, wenn er stets dem Rache seines treuesten Freundes folgt, nur thut, was gut und recht ist, in Gottes Wegen wandelt und seinen Mitmenschen Gutes zu erweisen sich bemüht. Dann wird der Feind, der ihn stets begleitet und ihn zu verderben bemüht ist, ihm unterworfen; wider seinen Willen muß er die Feindschaft anfgeben und Frieden schließen, wie es heißt: rymsr nr ,'pn zbzr n: :rN-rn #-sn:sr» „Wenn des Menschen Wege Gnade finden vordem Antlitze des Ewigen, so zwingt Er selbst den dösen Feind, Frieden mit ihm zu schließen." — „Und Jakob blieb allein," den Kampf auszuringen in der eigenen Brust und zur höchsten Vollendung sich emporzuarbcilcn. id p jnnrv 12x1 wp r*s pzjn : tOp' 'Clp *7>* iuT^.n2 pPN 'P'^DT “2^2 „Ter Streit drang gleichsam empor bis zum Throne der göttlichen Herrlichkeit," das heißt, es handelte sich um die erhabensten Grundsätze unsrer heiligen Religion. „Bis der Morgen hcraufzog." Als Jakob in diesem Kampfe siegte, da brach für ihn und seine Nachkommen der Morgen an, da ward aus Jakob ein Jisracl. „Und als er sah, daß er ihm nicht beikommen konnte, da berührte er seine Hütte." Unsre Weifen erzählen, daß. als Esra und Nehemiah und die Männer der großen Sunode den jüdischen Staat wieder einrichteten, sie sich iu heißer Büre zu dem AU gütigen wandten und Ihn anflehte». Er möge doch den Trieb zum Götzendienste aus den Herzen des jüdischen Volkes bannen. Und ' Gott erhörte ihr Gebet, und seitdem ist Israel in ' seiner grom.» Mehrheit nie wieder in den Götzendienst zurückgcfalten. Als mm die weifen Führer unsres Volkes sahen, daß ihre Bitte Erhürung gefunden, da beteten sie zu Gott auch um die Verbannung der übrigen Leidenschaften. Und als auch das gewährt wurde, siche, da hörte jedes menschliche Streben, jede nutzbare Thätkgkeit plötzlich auf; denn es fehlte jedes bewegende Element in der Menschen Brust. Als die Weisen das sahen, sichten sie zu Gott, daß Er die menschlichen Triebe wieder beleben möge. Und es geschah also.— Ter Glaube an den einzigen, allmächtigen Gott, den Schöpfer des Weltalls, kann nie aus den Herzen der Söhne und Töchter Israels weichen; aber die andern Leidenschaften, von denen der heißeste der geschlechtliche Trieb ist, haben noch Raum in denselben. Der beim Kampfe aufgeworfene Staub war cmporgedrungcn bis zum Throne der göttlichen Herrlichkeit. Jakob war Sieger geblieben im Kampfe, und der Glaube an den einzigen, allmächtigen Gott konnte nicht mehr entwurzelt werden ans feinem Herzen. Ta nun der böse Feind sah, daß in dieser Beziehung all sein Blühen vergeblich, da berührte er die Hüfte Jakobs, das heißt,?r beschränkte vo.: nun an sein Mühen auf die Erregung der übrigen Leidenschaften, namentlich des geschlechtlichen Triebes. „Teßhalb dürfen nicht essen die Kinder Israel die Spannader, welche an dem Becken der Hüfte, bis auf diesen Tag; denn er hatte berührt das Becken der Hüfte Jakobs, die Spannader." Ter allgutige Gott hat uns geheiligt durch feine Gebote. Er hat uns den Genuß derjenigen Speisen verboten, die unsre Herzen verstockt machen und unsre Leidenschaften erregen, und deßhalb sollen wir auch nicht cffcn die Spannader und was dazu gehört, weil sie ein Symbol ist der leidenschaftlichen Erregung des gcschlcchllichen Triebes. „Und er sprach: Entlasse mich: denn der Morgen ist herausgezogen." Unsre Weisen erzählen uns, (Ehuliu 9t b.) Jakob habe den Fremden gefragt: Bist du ein Räuber oder ein Wurfelspieler. daß du das Tageslicht scheuest? Ter Fremde aber antwortete: Seit den: Tage, da ich erschaffen worden. ist die Reihe noch nicht an mich gekommen, den Ruhm des allmächtigen Gottes in den höchsten Sphären zu verkünden, bis zu diesem Augenblick: deßhalb entlaffe mich, denn der Morgen ist krerümgezogen-" — Dieses merkwürdige Zwiegespräch wollen wir. so Gorr will, im nächsten Kapitel erörrern. (c-chluß folgt.)