Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1886)
- Date
- 1886-12-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449690--25464-2515301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
XXVn. Jahrgang. j\lf!)tt. E i n Aenlrak - Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgcgcbcn von ttr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den ». Dezember 5647 (1886). Leitender Artikel. IctKoö. IV. Mainz, V. Dezember. Als Jakob sich genugsam vorbereitet hatte, dem feindlichen Bruder entgegenzutreten, da ereignete sich etwas Wunderbares. Er brachte seine ganze Familie und alle feine Habe über die Furth des Baches Jabbok. Er selbst, als sorgsamer Hausvater, kehrte noch einmal an das andere Ufer zurück, um zu sehen, ob nicht Kleinigkeiten zurückgeblieben seien. (Vergleiche Raschi zu 1 B. M. E. 32, V. 25). „Und als nun Jakob allein war, da rang ein Mann mit ihm , bis daß der Morgen heranfzog. Und als er sah, daß er ihm nicht beikommen konnte, da berührte er die Pfanne seiner Hüfte und verrenkte die Pfanne der Hüfte Jakobs, da er mit chnl rang. Und er sprach: Entlasse mich, denn der Morgen ist heraufgezogen. Und er sprach: Nicht werde ich dich entlassen, du habest mich denn gesegnet. Und er sprach zu ihm: Wie ist dein Name? Und er sprach: Jakob. Und er sprach: Nicht Jakob soll fürder dein Name genannt werden, sondern Jisrael, denn du hast gestritten mit göttlicher nnd mit menschlicher Kraft und hast vollbracht. Ta fragte Jakob und sprach: Verkünde doch deinen Namen I Und er sprach: Warum fragst du nach meinem Namen? Und er segnete ihn daselbst. Und Jakob nannre den Manien des Ortes Peniel; denn ich bade gesehen ein göttliches Wesen von Angesicht zu Angesicht, und es ward errettet meine Lecke. Und cs strahlte chm die Lonne, als er vorbeizog an Penuel, und er hinkte an seiner Hüfte. Deshalb sollen nicht essen die Kinder Israel die Lpannader, welche an dem Becken der Hüfte, bis auf Liefen Tag; denn er harre berührt das Becken der Hüfte Jakobs, die Lpannader. (1. B. M. E. 32, V. 25—33.) Dem denkenden Leser der heiligen Schrift stoßen beim Durchlesen dieser Verse viele Fragen auf, von denen wir einige hervorheben wollen. Der Mann, welcher mit Jakob rang, war offenbar ein Engel. Was veranlaßte ihn, mit Jakob zu känipfen und ihn besiegen zu wollen? — Unsre Weisen werfen (im Sohar) die Frage auf: Wie kann man mit einem Engel ringen? Ist doch ein Engel ein rein geistiges Wesen, wie es heißt: ronn vzubs -r.y „Er macht geistige Wesen zu seinen Boten." — Auch die für „ringen" gebrauchten Ausdrücke .prxn :p2r«.-Q sind ganz eigenthümlicher Art. Das Wort p2x bedeutet: Staub, nnd die gewöhnliche Erklärung ist die, daß, wenn zwei miteinander ringen, der Staub aufgewirbelt wird. — Ferner ist zu fragen, warum der Engel, als er sah, daß er nicht obsiegen konnte, die Hüfte Jakobs verrenkte. Weßhalb wollte er entlassen werden, da der Morgen heraufzog? Was soll es heißen: Und es strahlte ihm die Lonne: ftrablte sie denn nicht für die ganze Well? Und warum ist das Verbot des Epens der Lpannader an diesen Vorgang geknüpft? Wir werden alle diese Fragen und noch mehrere, die sich im Verfolge Herausstellen werden, beantwortet finden, wenn wir dem hier erzählten Ereignisse, abgesehen von dem einfachen Hergang, auch einen symbolischen Charakter beilegen. Das Ercigniß hat allerdings so ftartgefuuden, wie die heilige Lchrifr es erzählt; allein cs ist uns gestattet, cs zu chmbolisircn. Etwas Achulichcs geschieht auch im heiligen Lobarbuche, dessen Ausführungen wie im 'Nachfolgenden benutzen werden. Wir haben bereits dargclegr, daß Jakob nnd Esaw die größten Gegensätze bilderen: Jakob das HimutlisLe, das Geistige, die höchste Vollkommenheit erstrebend, Esaw dem Genupe, dem Vergnügelt,