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Der Israelit · 1886-12-06 · Heft 95 (6.12.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 95 (6.12.1886)
Date
1886-12-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1640 zurück: Wir sind flcfommeu zu dem Manne, von welchem du hofftest, das; er sich nunmehr dir gegenüber wie ein Bruder benehmen wurde; es ist aber immer noch der alte Esaw, der dich haßt und ans dein Verderben sinnt und dir detzhalb entgegenzieht mit einer Heeresfolge von vierhundert Manu. Da fürchtete Jakob gar sehr und eS ward ihm angst. Er fürchtete, lehren die Weisen, daß er besiegt werde, und es war ihm angst, daß er siegen würde. Ein schrecklicher Kamps stand ihm bevor, ein Kamps mit dem eigenen Bruder, dessen AuSgaug in jedem Falle traurig sein mußte, mochte er nun selbst getödtet werden oder mochte er den Bruder erschlagen. Wenn Krieger in den Kampf ziehen, um das Vaterland zu schützen oder zu retten, so beseelt sie ein freudiges Gefühl. Erlangen sie den Lieg, so wird ihnen unsterblicher Ruhm zu Thcil und Ehre und Glück. Aber selbst, wenn sic unlerliegeu, wenn ihre blutigen Leichen das Schlachtfeld bedecken, so sind sie in der Erfüllung einer heiligen Pflicht, im stampfe für das Vaterland gestorben. Wenn aber Bruderzwist eine Nation entzweit, so sind Sieg und Niederlage für die kämpfenden Brüder gleich traurig und schmerzvoll. In dieser trüben Lage befand sich Jakob, als er vernahm, daß Esaw kriegsbereit ihm entgegenziehe. Detzhalb heißt es in der heiligen Schrift: Und es fürchtete Jakob sehr, und es war ihm angst. Er fürchtete getödtet zu werden, und cs war ihm angst davor, einen Brudermord zu begehen. Er suchte detzhalb den Kampf zu vermeiden und den Esaw durch Geschenke zn versöhnen. Nicht aber unterließ er es, sich für den Kamps vorznbereiten, für den Fall, daß Esaw unversöhnlich bleiben Würde. Wohl wissend, das; er der Schwächere, war er wenigstens auf die Rettung eines Theiles der Seinen bedacht. „Und er iheilte die Seinen in zwei Lager, damit, wenn Esaw das eine Lager schlagen würde, das andere zn entrinnen vermöge." Unsere Weisen im Midrasch haben in diesem Verfahren unseres Vaters Jakob ein Symbol für das Geschick seiner Nachkommen während der Galuthzeit gefunden. Viel haben unsere Voreltern erduldet unter allen Völkern der Erde; aber niemals ist eine Verfolgung der Inden eine allgemeine geworden. Wurden sie im £hcn bedroht, so hatten sie im Westen Ruhe: wurden sie im <-üdcn verfolgt, so fanden sie bei ihren unbehelligten Brüdern im Norden Hilfe und Untersrüenng. Als unsere Voreltern aus England und Frankreich -vertriebe» wurden, fanden sic Hilfe und freundliches Entgegenkommen bei ihren Brüdern in Deutschland. Als im vierzehnccu Jahrhundert in Deutschland die Bersolgungswurh gegen die Nachkommen Jakobs den höchsten Grad erreicht hatte, da verankaßten unsere Brüder im Norden den König Kasimir, den Großen, den Flüchtigen die Pforten von Polen und Litthaue» zu öffnen und den Vertriebenen daselbst freie Niederlassung zn gewähren. Als die Unduldsamkeit Ferdinands und Jsabella's unsere Glaubensgenossen aus Spanien versagte, da fanden sie im großen türkischen Reiche durch Vermittelung ihrer dortigen Brüder freundliche Aufnahme: ebenso fanden später die zur Danse Gezwungenen (Maraunen) in Holland, England und Deutschland eine neue Hcimath. Als gegen Ende des sicbeuzehuten Jahrhunderts die Juden Wien verlassen mußten, gewährte ihnen der große Kurfürst in Berlin ein Asyl. Auch in unserer Zeit gibt es viele unterdrückte, verfolgte, in Noch und Elend schmachtende Glaubensgenossen: mögen die Bessersituirien die alte Brüderlichkeit nillst verleugnen und den unglücklichen Glaubcnsgenoyen midi Kräften hilfreich fein. „Wenn Esaw kommt in das eine Lager und es schlägt, so soll das verschoutgebliebcne Lager um die Rettung der Verunglückten sich bemühen." Die Hauptvorbereituug Jakobs zum Kampfe war das heißinnige Geber um den Beistand des allmächtigen Gottes. Nicht erwartet Jakob die Hilfe Gottes, die ihm werden muß, weil sie ihm ist versprochen worden: vielmehr ist er voll Anerkennung und Dankbarkeit für all das Gute, welches ihm Gott bereits erwiesen hat. Vielleicht, spricht Jakob, habe ich die Hilfe Gottes durch irgendwelche Sünde verscherzt, vielleicht habe ich es selbst verschuldet, daß die mir gewordene Verheißung nickt ausgeführt werden kann. — Detzhalb erflehte erden göttlichen Beistand als ein unverdientes Gnadengeschenk. — In diesem Sinne und Geiste sollen wir stets beren; nicht sollen wir geltend machen das etwaige Gute, das wir gcthan. Es ist längst ausgewogen durch die vielen Wohtthaten, die Gorr uns täglich und stündlich erweist. Nickt ans unsere Verdienste sollen wir pochen, sondern Hilfe und Beistand nur erwarten und erstehen von des allgürkgen Gottes unendlicher Gnade und unerfchövsticher Liebe. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. Der goldene Boden. Eine Erzählung für die isr. Jugend. Bon B. Hause. Eisenach. Im Selbstverläge des Verfassers. In Eommisnon in der I. Kauffmannsschen Buchhandlung in Frankfurt a. M. Ter durch verschiedene Werke: Predigtsammlungen, Jngeudschrifren :c. rnhmlichst bekannte Ver-

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