Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 95 (6.12.1886)
- Date
- 1886-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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fiiffcr hat für die isr. Jugend die vorliegende Er- .'.ählnng geschrieben. 6in jüdischer .Knabe, Jokel Bück, erlernt da-? Schnhmacherhandwerk und geht als Geseke auf. die Reise.' Längere 'jeit kann er keine Arbeit finden, theils, weil er Jude ist, theils, weil er am Sabbat nicht arbeiten will. Endlich findet er Freunde, Gönner und Arbeit. Die Versuchung tritt in mancherlei Gestalt au ihn heran, die er aber in Folge feiner guten Erziehung und gestützt durch die Briefe seiner Mutter, einer armen Wittwc, jedesmal überwindet. Die Mutter erlheilt ihm in der That köstliche Rathschlage; sie schreibt: dich vor jener Schcinbildnug, welche den von Gott und Religion für wirkliche Bil-' düng ausgibt. — Hüte dich vor unverschämtem Vorwitz; befleißige dich vielmehr der Bescheidenheit; sic ist cs, die den Jüngling ziert. — Hüte dich vor der Spielsucht! — Gehe nie in ein Haus oder mit einem Menschen, in das oder mit dem zu gehen du dich zu schämen Ursache hättest." — Der Leser begleitet den braven Jokel ans seiner Wanderung bis an die holländische Grenze, wo derselbe beinahe holländischen Werbern in die Hände gefallen wäre; daun muß der junge Mann nach Hause zurückkehren, um in die preußische Armee ciuzutrcleu; er macht die Kriege von 66 u. 70 mit, zeichnet sich ans und erhält das eiserne Kreuz. Tann heirathet er in Berlin eines jüdischen Schuhmachers einzige Tochter, übernimmt dessen Geschäft und wird ein wohlhabender Mann. Sein Bruder Samuel wird ein tüchtiger Schlosser, heirathet ein braves Mädchen, hält zwei Gesellen und hat ebenfalls fein gutes Auskommen. Die „Moral" der Erzählung wird in den Schlußworten zufammeugefaßt: „Handwerk hat eine» goldenen Boden; mau muß aber auch demselben mit Fleiß und Liebe obliegen und stets gute Arbeit liefern." — Die Erzählung liest sich recht nett; das Schriftchen scheint jedoch nicht in die Kreise zu gelangen, für die es geschrieben ist; denn dazu ist der Preis von VL Mark (neun Bogen) doch ein wenig zu hoch gegriffen. Leute, die l1/* Mark für solch ein Büchlein zahlen, pflegen ihre Kinder nicht zu Schuhmacher:! in die Lehre zu geben. Biellcicht kauft irgend ein Verein „zur Verbreitung von Handwerke» unter den Inden" die ganze Auflage an und läßt sie gratis an die Schuljugend verteilen: — Zeitilttgsttnchrichterl und «vrrespvndett.zeu. Deutschland.' Berlin, lieber das Religionsbekenntnis; der Einwohner Preußens bringt die „Stat. Korr." folgende auf der letzten Volkszählung vom 1. Dezember 1887, beruhende Angaben: Unter der ortsamvcfcubcit Bevölkerung befanden sich 18,243,585 Evangelische, l,621,62 t Katholiken, 83,020 sonstige Ehristen, 366,7)43'Juden und 155 Bekenner anderer Religionen, bei 32üi) Personen war das Religionsbekcnnlniß nicht zu ermitteln. Die Evangelischen machten von der Gcsammtbevölkerung 64,42 pEt., die .Katholiken 33,07 pEt., die sonstigen Ehristen 0,30 pEt., die Juden l,30 pEt ans. Frankfurt a. M. Rach dem vierten Jahresberichte des israelitischen Hülfsvereins (Verein zur Beschränkung des Wanderbettels) beträgt die Mitglicdcrzahl 237). An 1778 Wauderbettler wurden 1885/86 M. 854S gegeben. Für hiesige, besonders bcrücksichtigenswerthe Arme wurden aus der Kasse 5600 und von Privatwohlthätern extra M. 4000 verwandt. Für ansgewiescne Russen wurden wiederum M. 1088 verausgabt, leider sieht abermals eine Zunahme dieser Ausgabe in Aussicht. 14 Familien mit 41 Personen urdcn M. 2111 Unterstützung znm Wegzug gewährt. Die Geschenke an den Almosenfonds betrugen M. 6053. Unter den nuterslüvteu Wanderbcttlcrn waren 782 Deutsche, 440 Russe», 483 Oesterreicher und Ungarn; 507 Handwerker, 703 Händler und Kauflcnle, 140 Lehrer. Haßfnrt a. M, 29. November. Seit gestern befindet sich Herr Hanptlehrer Nathan Eschwegc, Borstaud der isr. Präparandenschule zu Höchberg, in hiesiger Stadt, um die kgl. Präparandenschule dahier zu besuchen, und sich mit deren Untcrrichtswcseu und Einrichtung vertrant zn machen. "Wie wir hören, findet Herr Eschwegc allseitig die größte Zuvorkommenheit und freundliches Entgegenkommen. Wir zweifle» nicht daran, daß dieser Besuch von sehr großem Rnven für die fernere Entwicklung der Höchberger Präparandenschule sein wird. I. Felsberg, 29. November. In jeden! größeren Gemeinwesen gib: cs einige hervorragende gottbegeisterte Männer, die durch ihren Eifer für die hellige Goitcslchre, durch ihre rastloses, uneigennüviges Wirken für den Glauben der Väter den Uebri-