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Der Israelit · 1886-12-02 · Heft 94 (2.12.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 94 (2.12.1886)
Date
1886-12-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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gar keine Rechenschaft geben. @3 ist sehr bezeichnend für die Kulturzuständc Rumäniens, das; während man im Auslande die Agitation gegen die religiöse Salzung einer andern Glaubensgenosscn- . schüft und damit gegen diese selbst wenigstens unter dem Deckmantel angeblicher Menschlichkeit betreibt, wird in Rumänien just die UnMenschlichkeit hcrvorgekehrt und was im Auslande noch die Bedenklichkeiten und Erwägungen besonnener Männer und der Negierungen Hervorrust, das wird in Rumänien gerade von der Negierung allein (besonnene gibt's hier eben nicht) ohne weitere Untersuchung mit Stumpf und Stiel ansgerottet. Man kann in der That verwundert sein, aus was hin der Savcnier Bürgermeister den Handel mit Fleisch verboten hat und mit welchem Recht er für den Verkauf von Fleisch einen allgemein zu geltenden Preis festsetzt; denn Stavri, der Grieche, soll auf Festsetzung zu 80 Cent. (64 Pfg.) die Lka (l1/* Kilo verkaufen. Selbst wenn aber den Israeliten später der Verkauf-frcigcgcben werden sollte, so glaube ich nicht, dag sie bei einem solchen Preis derart bestehen könnten, daß sic davon noch etwas für die Gcmcindeansialten sollten abgeben können. Demnach stellt sich das Vorgehen in Savcui noch ganz zuletzt als eine Maßregel heraus, um das israelitische Gcmcindeleben vollends zu vernichten, nachdem cs schon ohnehin in Rumänien seit Jahren in Verwirrung ist! — Eine gleiche Meldung, wenn auch einen andern Gegenstand der Ernährung betreuend, kommt aus der Bezirksstadt Dorohoj selbst: Der Stadtmagistrat daselbst hat mit mehreren griechischen Bäckern*) ein Abkommen zur Herstellung von Brod für die Bevölkerung von Dorolwj zum Preise von 22 Centimes das Kilo getrosten und 10,000 Francs Ersatz (natürlich auch aus jüdischen Steuergcldern!) im Falle von Verlusten garanrirt. Ten Israeliten ist die Fabrikation von Brod untersagt worden." Ganz so sehr verwunderlich sind alle diese Nachrichten von Dorohoj und nächster Umgeb un.ng nicht, wenn man bedenkt, daß diese Gegend der Tummelplatz, d. h. der Wohnort des berüchtigten „unsterblichen" Irtterpellanten Gh e rghel ist, der wie Sie schon winen, in seinem Gerede <vgl.*) in öffentlicher Senatsitzung von der Regierung verlangte, sie soll den „kosmopolitischen" Handel verbieten und denselben aus den Händen *) Ja meiner Artikelserie „onhüjfe und offizielle 35a&r!jeiir- Rr. 84, 85. 85 v. Bl. bade ich schon gesagr. daß das Backen Lier ein gnechisches Eewerbe; dies fchtießr narürlich nichr ans. daß da and dorr auch .jüdische Bäcker vorhanden und, n aor e n rtich für jüdischen Bedarf. 1627 der „Fremden" iu die der „Cingcborcncu" legen. Cs scheint, daß die rumänische _ Regierungsorgane nach einer Legion von Berbotsgesetzcn, — besonders seit 1882, — nun auch seinem Winke Folge geben, und daß insonderheit er selbst, als Großgrundbesitzer iu der Dorohojer Gegend seinen allmächtigen Ciufluß in seinem verderblichen Sinne geltend macht. Für den Distrikt Dorohoj ist die Hetze des „Liberalul" freilich unnöthig, da kann sie Gherghel noch besser betreiben. Mesopotamien. Bagdad. Ein soeben vonKonstantknopel herabgclangtes Tachrir (Ämtsschreibeu) der hohen Pforte erklärt unfern hochdctagten Chacham-Baschi (Großrabbiner), Chacham Elischa '"2 seines Amtes für enthoben und verbietet ihm strengstens, die. Vornahme irgend einer Amtshandlung oder irgend welche Einmengung in die civilen und religiösen Angelegenheiten unserer Gemeinde. Ein dem Tachrir bcigelegte Mazbata (Kundmachung) unseres Bali (General-Gouverneurs), die dazu bestimmt ist, in allen zwanzig Synagogen hier publicirt zu werden, benachrichtigte unseren Vorstand, daß-der-Chachmn-, Baschi in Konstantinopel, Moses Lewy Effcndi, von der Hohen Pforte schon den Auftrag erhallen hat, ihr^für den nun abgesetzten Chacham Elischa einen papenden Nachfolger vorznschlaaen, der dann in der allernächsten Zeit sein Hobes Amt hier antreten wird. Tie unseligen Zwistigkeiten in unserer Gemeinde, die nicht nur durch die große Anzahl ihrer Mitglieder, sondern auch durch ihre schönen Institutionen und ihre Friedensliebe die tonangebendste in ganz Asien sein sollte, haben es mm leider zustande gebracht, daß die Behörden sich zwischen die streitenden Parteien stellen und deren bisherigen Seelsorger und Glaubenslehrcr, der in Ehren und in getreuer Erfüllung seiner Pflichten als Jchudi und als Seelsorger grau geworden ist und der doch schon nahe am Grabe steht, wie einen gewöhnlichen Thunicktgut aus Amt und Stelle jagen mußten. In unserer Gemeinde existiren nämlich schon seit Langem zwei Parteien, wovon bic_ eine den hiesigen Synagogen-Rabbiner Ehacham Saflnn zum Chacham- Baschr ansrnfen mochte, während die andere für den Status gno, also für Weiterbelapung des Chacham Clifcha in Aalt und Würden, ist. Erstere Partei kann man füglich die Fortschrittspartei nennen, denn, wenn sie auch schon in rituellen Angelegenheiten streng conservativ ist, so wünscht sie doch, daß unsere Gemeinde- und Schulangelegenheiren aus fortschrittliche Bahnen gelenkt und nach

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