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Der Israelit · 1886-12-02 · Heft 94 (2.12.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 94 (2.12.1886)
Date
1886-12-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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/VwsS'TWft.*'"'- - " J-t-' •JL,v>'-^- - ’ >V!M!L 1025 Interesse für dessen 'Bestrebungen und die Thcklnahme an denselben dehnt sich ans immer weitere «reife ans, uiid stets intensiver ist deshalb auch die Tendenz de» Vereins zur Ausführung gelangt, welche darin besteht, Liebe und Verständnis; für die jüdische Geschichte und die jüdische Wissenschaft und dadurch auch den Sinn für echt jüdisches Leben zu wecken und zu fördern. Tic Zahl der Vcrcinsmitglieder ist bis nahezu auf zweihundert gestiegen. Die im Laufe des vorigen Winters gehaltenen Borträge waren stets von der überwiegend größten Anzahl der Mitglieder und ihren Familien besucht, und in den wöchentlichen Zusammenkünften betheiligten sich die Mitglieder lebhaft an den Debatten. Neuerdings wurde auch, da einige Mitglieder und edle Gönner dem Verein zu diesem Zwecke ansehnliche Gaben zuwiesen, mit der Begründung einer Vcreii'sbibliothck begonnen, die bereits ein ziemlich vollständiges Material für die Geschichte der Juden in Deutschland und die wichtigsten Werke über die Spezialgeschichte in den andern Ländern umfaßt. Ter um den Verein so sehr verdiente Tr. Heincmann wurde wieder einstimmig als'Präsidentgervähit -und außerdem zu Vorständen die Herren Leo Ellinger, Moritz Frankel, Alfred Geiger, Wilhelm Posen, Jacques Snatich und Julius Straus. Für diese» Winter haben bereits wieder verschiedene hiesige und auswärtige (belehrte ihre Bereitwilligkeit zur Abhaltung von Vorträgen erklärt, und in allernächster Zeit wird der Verein diesen Hauptzwcig seiner Thätigkcit schon wieder beginnen. Cuskirchc», im November. In einer Zeit, in der viel von religiöser Unduldsamkeit berichtet wird, muß es auch für Ihren geschätzten Leserkreis erfreulich sein, zu hören, daß es noch Stellen gibt, wo die Bekenner verschiedener Konfessionen, friedlich und im besten Einvernehmen mit einander leben. Besonders erfreuen wir uns hier der Gunst unseres allverchrten Bürgermeisters Herrn Selbach. Als im Mai dieses Jahres unsere Synagoge ein Raub der Mammen wurde, stellte man uns sofort einen Saal in der Elementarschule zur Abhaltung des Gottesdienstes zur Verfügung; ein zweiter wurde uns noch für die hohen Feiertage eingeräumt. Ebenso wies man uns unentgeltlich ein Lokal zur Abhaltung des Unterrichts an. Vorige Woche fand nun die Wahl der Stadtverordneten himelbst statt und wurde unser erster Vorftcber Herr A. Wa!!a ch zum StaLtrathe gewählt. Möge cs demselben, der sich um unsere Gemeinde so sehr verdient macht, der in Wirklichkeit ein rr?>* ist, vergönnt fein, lauge dieses Antt zu bekleiden, und möge das schöne Verhältnis; unter den Konfessionen nie getrübt werden. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Wien. In der am 21. November abgehatteltcii Wähl crversammluug der israelitischen Eultusgcmeinde erstattete der Vorstand einen Nechenschafsbericht über die Thätigkeit im abgclaufenen Jahre, dem wir Nachstehendes, das Gebiet der Wohl thätigkeit betreffend, entnehmen: Die Zahl der Hilfesuchenden nimmt leider von Jahr zu Jahr zu und ist der Vorstand bestrebt, nach Möglichkeit die Noch zu lindern. Durch die hochherzigen Spenden der Frau Henriette Wiener von Welten per fl. 10,000, der Familie der verewigten Frau Marie Przibram von fl. 4500, wovon fl. 8500 für einzelne Vereine, fl. 1000 zur Vertheilnng an Hilfsbedürftige bestimmt wurden, ferner durch das großmüthige Legat des verstorbenen k. k. Oberbanrathes August Schwendenwein Ritter von Lanberg, welcher der katholischen Eonsession angehörte, per fl. 1000. wurde der Vorstand in die Lage versetzt, einer größeren Zahl von Hilfsbedürftigen, namentlich zur Zeit des Wohnungwechsels'. Unterstützungen zu gewähren und dieselben thcilweise vor Obdachlosigkeit zu bewahren. In Bezug ans die Armenanstalt der israelitsche» Enltusgemeinde müssen wir leider constatiren, daß deren Mittel bei weitem unzulänglich sind, um auch nur einem sehr kleinen Theile unserer hilfsbedürftigen Glaubensgenossen nennenswerthe Unterstützungen gewähren zu können. Bei einer Bevölkerungsziffer von circa 90,000 Inden, von welchen circa 9000 unserer Gemeinde als Wähler angehören, hat die Armenanstalt nur 900 beitragende Mitglieder, deren Jahresbeiträge fl. 6000 erreichen, während z. B. Berlin mit ungefähr 10.000 Gemeindcmitglicdern für die dortige Armencommission jährlich circa M. 90,000 — fl. 45,000 zu widmen in der Lage ist. Wir müssen dcßhalb wiederholt unseren verehrten Glaubcnsbrndern mit aller Wärme die Bitte dringend ans Herz legen unserer Armenanstalt beizutreten und ihre kräftige Unterstützung derselben angedeihen lassen zu wollen. Für die strenge Jahreszeit wurde sowohl von der Armenanstalr als auch von der Wohllhätigkeits-Secrion des Eultusvorstandcs, Brennmateriale in natura an arme Familien, sowie im Bedarfsfälle an einzelne Individuen verabfolgt. Neue Stiftungen wurden im heurigen Jahre errichtet: Bon Herrn Hofrath Joseph M. Ritter v. Pfeiffer mit dem Betrage von fl^ 5000 Papier- Rente, deren Zinsen alljährlich anr Todestage seines verstorbenen Lohnes Max einem Ltudirenden der

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