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Der Israelit · 1886-11-29 · Heft 93 (29.11.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 93 (29.11.1886)
Date
1886-11-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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rin« ganz bcfintbcrö in omticn. An diese hochinteressante Schilderung schließt sich eine Untersuchung über die innere» und äußeren Ursachen dieser Erscheinung an, nnd als dritter- und sehr beachrcnswerther Punkt die Frage, welche Stellung die mittelalterliche Macht, die Kirche, den jüdischen Aerzten gegenüber cinnahm: der weitaus anziehendste Theil der ganzen Schrift. ES ist recht interessant zu sehen, wie die Kirchenversammlnng zu BezierS (l246) die Eonsnltarion jndischer^Terzte' mit der Erommnuication bedroht, „weil eS besser sei, zu sterben, als einem Inden sein Leben zu verdanken", und wie wenige Jahre später die Häupter jcncS EoneilS, erkrankt, sofort jüdische Hilfe aufsuchen, und wie ein Papft trotz dcS Verbotes seinen heiligen Leib einem Isak bcn Mordechai anvertraut. In diesern Abschnitte findet noch das Verhälnüß der Stadtgemeinden zu den jüdischen. Acrzrcn und die Ränke der christlichen Aerztc gegen ihre jüdischen, ihnen geistig weit überlegenen Eollegeri^ eine eingehende anschauliche Schilderung. Der Raum verbietet uns du weiteres Eingehen ans die Schrift, Genna, der spannende Inhalt und die Icichtdahinsticßende Sprache werden dein Buche, das sich auch mehr an das Laienpnbliknm als an die Gelehrienwclr wendet, bald zahlreiche freunde erwerben nnd, glauben wir recht, so dürste in nicht ferner Zeit eine zweite Auflage die Nichtigkeit unserer Ansicht erhärten. ZeitnuZsttachrichterr rrud Korrespondenzen. D e u t sch l a n d. Mainz, 10. November. Die israelitische Nclkgionsgemcinde hatte gegen'die Stadt Mainz Klage erhoben, weil sie der Meinung war. durch die in Folge der Sradierweiterung an der Mombachernrüße vorgenomnrenen Arbeiten längs des alten israelitischen Friedhofes au Besitz uns Eigenthnm geschädigt zu sein. Nachdem der Prozeß lange schwebte, har nunmehr das Landgericht die Forderungen der Klägerin zum Theil für begründet erklärt nnd der Stadl aufgegebe», die Umfaünngsmancr des Fried- Hass und die Böschung entsprechend zu erhöben, ferner der Klägerin 250 M. Entschädigung zu zahlen. Weitere Forderungen der israelitischen Religionsgerneinde wurden abgewiesen, die -- - der.kosten trägt, während die Stadt Mainz -zu tragen hat. Frankfurt a. M. Das Pflegam! der Versorgungs-Anstalt für die Israeliten versendet seinen Bericht für die Zeit von l»l bis 1885. Dem Pflegamt ist es zlvar gelungen, bei der königlichen Regierung die Erlaubnis: zum Erwerb eines neuen Grundstückes zu erhalten, allein die Mittel reichen zu einem Neubau noch lange nicht ans. Der gänzlich unzulängliche Raum gestattet nur die Aufnahme einer beschränkten Zahl von Personen, weßhalb viele Gesuche zurückgewiesen werden mußten. Am 1. Januar d. I. befanden sich in der Anstalt 4 Männer und U Frauen. An Geschenken gingen ein vorn 31. Dezember 1880 bis 31. Dezember 1885 M. 16,211, ferner das separat zu verwaltende Dr. Odrell'sche Legat von M. 6000. Tie Bilanz zeigt einen unangreifbaren Fonds von M. 180,526, ein Kapitalkonto von M. 3420 und das Ddrell'fche Legat von M. 6000. Das Banlonto beziffert sich nur etwa M. oooo. . Witten. Gegen die Indenyetze Stöckers har am Sonntag eine von 1000 Personen besuchte Bürgetversammlung stattgeftmdeu. Dieselbe sprach in einer Resolution ihre Entrüstung über die Art nnd Weise der Agitation der Antisemiten aus. Sie befürchtet von einer Fortsetzung derselben die Storung des Friedens in der Bürgerschaft. Zugleich erklärt die Bersammlnng die Begründung eines^ Ver^ eins gegen den Wucher für wüuschenswerth. In der Rede zur Begründung der Resolution führte Dr. Beumer-WitLcn ans, wie wenig Stöcker in seinem Vortrag vom Donnerstag den Anforderungen der christlichen Liebe entsprochen habe und wie er in jeder Weise versucht hatte, die Juden Lächerlich zu machen. Was die besonderen jüdischen Kegräbnißplätze anbeträfe, so verlange auch das orthodoxe Ehristentlnttn konfessioueüe Kirchhöfe. Den Beweis für den Eigennutz bei der Wohlthätigkeit der Juden sei Stöcker schuldig geblieben. Der Vorwurf, durch wohlthätige Spenden Titel und Drden zu erstreben, könnte mir demselben Reckt manchem christlichen Kommerzienrarh gemacht werden. Durch feine Kritik der richterlichen Urrheile, welche gegen Stöcker ausgefallen nnd die bekannte Aenßernng des Kronprinzen konstatirr hätten, habe Stöcker nicht zur Stärkung des Rechtsbewnßrscms im Volke beigerrage«. Ha'sabschncidcr gebe cs unter den Ehristen so gut wie unter den Juden, letztere seien in Witten in ihrer großen Mehrzahl nntadelhafte Leute, die ihre staatsbürgerlichen nnd kommunalen Pflichten treu erfüllten. Gegen das Treiben der Antisemiten iuüffe Protest eingelegt werden im Imerene der Ehre der Stadt Wirren. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Man erinnert sich noch des aunscmirischen Scaudals in der Vorhalle des Schwurgerichts-

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